Bardi Jóhannsson hat viele Talente. Manchmal gibt er den Modedesigner, dann wieder den Produzenten. „In Milan he has a full size statue, in Iceland he is the dark prince who walks the nights alone.“ Und dann gibt es da diese eine Rolle, in der er seit 1998 zum oskarreifen Schauspieler herangereift ist: Die des Musikers. Doch auch hier ist der große Mann mit der minimalistischen Bandbesetzung nicht mit Einseitigkeiten zufrieden zu stellen. Wie hin- und her gerissen zwischen den isländischen Tagen, an denen die Sonne niemals scheint und denen, wenn sie nicht untergeht, klingt der Gitarrenpop des selbsternannten Multitalents. Um es mit Kritikerworten zu sagen: „He simply wants to convince us into believing that sad songs could never feel so good.“

Seinen Überzeugungs-Feldzug beginnt Jóhannsson, das einzig beständige Mitglied des Indie-Acoustic-Pop-Projekts Bang Gang, 1998 mit der Europa-Erfolgssingle „So Alone?“. Es folgen das Full-Length-Debüt „You“, zwei weitere EP’s und das Album „Something Wrong“ im Jahr 2003. Die wenig gewagte Mischung aus purer Instrumentierung und engelsgleicher Glasstimme wird als werbetauglich befunden. Und verleiht Modestrecken (Emporio Armani), Kosmetikprodukten (Yves Rocher) und Autos (Lancia) gleichermaßen ein massentaugliches Gesicht. Der Erfolgsmarsch des Isländers gipfelt in einem Auftritt bei der Kultserie „O.C. California“. 2008 erscheint der dritte und vorerst letzte Longplayer mit dem bezeichnenden Titel „Ghosts From The Past“. Und da hat sich ganz schön was zusammengegeistert, in zehn erfolgsverwöhnten Jahren.

Jennifer Beck

Bang Gang – Stop In The Name Of Love