Avantgardisten brauchen große Namen. Joy Divisin fanden ihn in der Prostituierten-Riege der deutschen Wehrmacht, Bauhaus in der 1919 von Walter Gropius in Weimar gegründeten Kunst- und Designschule Bauhaus. Das ist nicht sonderlich verwunderlich, studierten doch Sänger Peter Murphy, Bassist David Jay, Gitarrist Daniel Ash und Drummer Kevin Haskins allesamt Kunst- und Architektur. Und irgendwie trifft es den Nagel auch perfekt auf den Kopf. Denn was Bauhaus für die Kunst ist und war, ist Bauhaus für die Musik: Innovativ, einflussreich, bedeutend. Dunkle Synthienebel, Stakkato Riffs, minimalistische Untermalung und über allem der unverwechselbar charismatische Gesang von Frontmann Peter Murphy. Zusammen mit Bands wie Joy Division, Siouxsie and the Banshees, The Cure und David Bowie der Grundstein für Gothic und Dark Wave.

Gegründet wurde die Band 1978 im englischen Northampton. Als erste Single wird „Lugosi’s Dead“ auf den Markt gebracht. Ein fast 7-minütiges Stück Finsternis, voller Kälte und Kühle. Vor allem aber ein gelungener Vorgeschmack auf die erste LP der Band. So schlägt das Singeldebüt, übrigens erschienen via Independent-Label Small Wonder, bereits so große Wellen, wenn auch nur im Underground, dass sich die Band bald im renommierten 4AD Haus wieder finden. Über den neuen Vertriebspartner erscheinen in der Folge die Singels „Kick In The Eye“, „The Passion Of Lovers“ sowie das Debüt „In The Flat Field“.

Der Nachfolger „Mask“ steht dem Vorgänger in Sachen Düsternis in nichts nach. Neu sind die Ambitionen, neben dem Gewohnten auch offener und zugänglicher zu klingen. Gewürdigt wird das auf den Zuhörer Zugehen mit respektablen Charterfolgen und guten Verkaufszahlen.
Den größten Erfolg feiert die Band mit dem 1982er Album „Sky’s Gone Out“. Grund ist die gelungene Coverversion von David Bowies „Ziggy Stardust“. Diese verhilft dem Album zum Sprung auf Platz vier der britischen Albumcharts.

Danach scheinen die Tage der Band gezählt zu sein. Peter Murphy reduziert aufgrund von gesundheitlichen Problemen sein kreativen Input und gibt das Liederschreiben an Gitarrist Daniel Ash und Bassist David Jay weiter. Doch aus der Chance wird schnell ein konkurrierendes Profilieren. Aus diesem Grund löst sich die Band kurz nach der Veröffentlichung von „Burning From The Inside“ auf. Das Gleichgewicht der Band war zerstört.

In der Folgezeit werden unterschiedliche Nebenprojekte ins Lebengerufen. Peter Murphy probierte sich erfolgreich als Solokünstler, Daniel Ash spielt zunächst unter dem Namen Tones On Tail alleine weiter, bevor er seinen alten Bauhaus-Freunden Love And Rockets ins Leben ruft.

Trotz Bandauflösung erlischt der Hype um Frontmann Peter Murphy nicht. Eher wird er zum Idol europäischen Gothic-Bewegung der 80er Jahre („Godfather“ of Goth). Zusätzlich diente er James O’Barr als Vorbild für seine Comic-Figur „The Crow“

Erst 1998 rauft sich die Band für einige Konzerte in Los Angeles wieder zusammen. Die Reaktionen sind so positiv, dass sich das Quartett zu einer ausgiebigen Welttournee entschließt. Im Gepäck die bereits zu Klassikern avancierten Stücken. Tondokument dieser Reise ist das Live-Album „Gotham“. Seitdem reißen die Gerüchte um ein neues Bauhaus-Studioalbum nicht ab.

Hans Erdmann