Anlässlich der Veröffentlichung des fünften und ziemlich lauten Beatsteaks-Albums “.limbo messiah” sprechen wir mit den Beatsteaks. Hier beziehen Peter Baumann und Bernd Kurtzke Stellung zum neuen Werk und ihren veränderten Alltag als Familienväter.

Hardcore war wichtig für die Entstehung von “.Limbo Messiah”, oder?

Peter: So wichtig oder unwichtig wie er schon immer war, nicht unwichtig also, aber auch bei weitem nicht das Wichtigste. Was zählt ist, was wir aus diesen 27.000 Einflüssen machen.
Bernd: Wir wollten auf jeden Fall wieder ein bisschen rauer werden.

Könnt ihr fünf Platten nennen, die für das neue Album wichtig waren?
Peter: Klar: “48/49”, “Launched”, “Living Targets”, “Wohnzimmer EP” und “Smack Smash”.
Bernd: Die waren auf jeden Fall insofern wichtig, als dass sie uns vorgeben haben, so was nicht noch mal zu machen, uns nicht zu wiederholen. Ansonsten haben wir einen zu unterschiedlichen Musikgeschmack, es gibt zu viele Platten, die wichtig wären, als dass man sie hier aufzählen könnte.

Die Beatsteaks-Familie hat ja zuletzt Zuwachs bekommen, ihr seid beide Väter geworden. Was hat sich dadurch verändert?
Peter: Alles! Ich empfinde es als sehr angenehm, mal nicht nur an mich zu denken. Dadurch kriegt auch die Musik eine ganz andere Bedeutung, weil ich das, was wir hier haben, jetzt sogar noch mehr schätzen kann als vorher.

Weil die weniger gewordene Zeit klarer strukturiert werden muss und deshalb intensiver genutzt wird?
Peter: Genau, man hält sich nicht mehr mit Nebensächlichkeiten auf.

Wie schwer fällt es euch, jetzt wieder auf die Straße zu gehen und die Familie zurückzulassen?
Bernd: Sehr. Schon jetzt bei der Interview-Reise, obwohl das ja nur vier Tage waren. Wenn man zu Hause ist, fällt einem das gar nicht so, aber wenn’s dann los geht…

Das Verständnis der Partnerinnen ist da natürlich auch nicht unwichtig, oder?
Peter: Auf jeden Fall. Da kann man sich gar nicht oft genug für bei denen bedanken, für diese Geduld.

Peter, du kümmerst dich um die Fan-Mails, was sind das für Leute, die sich da melden? Hast du da meist einen Draht zu denen oder denkst du manchmal alleine schon auf Grund des unterschiedlichen Alters, der anderen Erfahrungen dieser doch meist sehr jungen Leute, dass das aus einer ganz anderen Welt kommt?
Peter: Also, wenn ich keine Lust habe, dann beantworte ich die Zuschriften auch nicht. Meistens sind die Fragen aber sehr nett. Manche Sachen nerven auch mal, klar. Wenn zum Beispiel zum 25. Mal gefragt wird, wo Arnim seine Hüte kauft. Das sind dann schon so Momente, in denen ich dann ein bisschen drüber hinaus bin. Aber für die Leute ist das in dem Moment eben wichtig, also gibt’s trotzdem eine Antwort. Generell denke ich aber immer noch, dass es sehr gut ist, dass wir das selbst machen.

Sind da auch komische Anfragen bei?
Peter: Schon. Manche Leute, die haben dann wahrscheinlich die DVD gesehen und denken sich dann halt, dass wir nette Jungs sind – stimmt ja auch! – und die kann man ja dann auch mal fragen, ob wir nicht mal vorbei kommen wollen, weil ihre Freundin Geburtstag hat und ganz großer Fan ist etc. Solche Sachen. Ich weiß nicht, ob die dann denken, dass das wirklich geht…Ist schon ein bisschen naiv. Die meisten Mails geben aber Kraft und machen Spaß

Peter, du betätigst dich auf dem neuen Werk mal wieder als Sänger…

Peter: Die Laune war gut und das Ergebnis geht okay. Gefällt mir sogar selber ganz gut, ist nicht mal peinlich. Generell geht’s uns ja immer mehr um die Atmosphäre als um das Treffen der korrekten Note.

Aus heutiger Sicht hat man ein bisschen den Eindruck, dass “Living Targets” ein bisschen rausfällt, vielleicht die Platte ist, bei der ihr ein bisschen hinter euren Möglichkeiten geblieben seid. Wenn ihr könntet: Würdet ihr da noch mal was ändern wollen?
Bernd: Ich würde da gar nichts ändern. Okay, an jeder Platte würde man im Nachhinein wahrscheinlich etwas ändern, wenn man denn könnte. An “Living Targets” haben wir völlig anders gearbeitet als wir das normalerweise tun. So zerhackt, in mehreren Abschnitten. Die Platte ist ein Produkt dieses komischen Prozesses und kann deshalb gar nicht anders sein als sie ist, weil das sich eben damals alles so zugetragen hat. Das Album steht für sich und für die Zeit und ist damit gut so wie es ist.
Peter: Man würde generell nichts mehr genauso machen wie früher. Natürlich würden wir bestimmt auch bei der ersten Platte heute anders agieren, aber die steht eben auch für sich und diesen Zeitabschnitt. Die verschiedenen Alben dokumentieren ja auch eine Entwicklung und unsere Geschichte, das passt schon alles so, wie es jetzt ist.

Ihr seid ja die ruhigen Typen in der Band, stimmt das? Gibt es eine Differenz zwischen Außenwahrnehmung und tatsächlicher Rollenverteilung?

Bernd: Das passt schon. Die Leute nehmen uns halt so wahr, also stimmt das dann ja auch irgendwie. Thomas ist sogar noch viel ruhiger als wir. Torsten und Arnim sind halt extrem extrovertiert. Auch im kleinen Bereich. Arnim ist auch sehr offen, was seine Gefühle angeht und Torsten eigentlich auch. Da sind wir auch deutlich zurückhaltender.

Fünf so extrovertierte Charaktere könnte die Band vermutlich ja auch gar nicht verkraften, oder?

Peter: Das wäre ganz schlimm!
Bernd: Da hätte es schon gekracht. Andersrum gilt aber auch: Wenn alle so wären wie wir beide und Thomas, dann hätten wir wahrscheinlich bis heute keine einzige Platte fertig gekriegt.

Da ist die Chemie gut ausgeglichen.
Bernd: Wenn ein Song fertig ist oder wir eine Entscheidung getroffen haben, kann ich später gar nicht mehr sagen, von wem das jetzt kommt. Das sind alles immer wir, ein sehr schönes Teamgefühl. Verantwortung und Druck verteilen sich auch fünf Leute, das finde ich gut.

Ist bei euch, wenn ihr an Songs arbeitet, eigentlich alles erlaubt oder gibt es stilistische Grenzen wo man sagt: Das ist jetzt aber nicht Beatsteaks?
Bernd: Jeder kann mit jedem Scheiß kommen. Je mehr man hört, desto mehr Spaß macht es, damit rumzuspielen und die Ideen in unseren Kontext zu stellen. Egal, wer von uns mit einer Idee ankommt: Der kann sich sicher sein, dass das erst mal total zerstört und dann wieder neu aufgebaut wird. Das ist einfach unsere Arbeitsweise.

Wie steht es mit euren Erwartungen an die neue Platte?
Peter: Dass die Clubs so schnell ausverkauft waren, ist der Hammer. Da kriege ich Herzklopfen. Ob die Platte viel verkauft oder nicht, da hat man ja keinen Einfluss drauf. Wir können die Musik nicht besser oder anders machen. Das wird sich über die Live-Konzerte erklären – letztendlich ist das Publikum die einzig wirklich wichtige Jury.

Was kommt als nächstes?
Bernd: Urlaub. Zwei Wochen, bevor es auf Tour geht. Einfach mal die anderen Fressen nicht mehr sehen. Live kann man sich ja abends anderthalb Stunden abreagieren, das fehlt beim Aufnehmen. Da hängt man ja die ganze Zeit im luftleeren Raum. Deshalb haben wir das jetzt alle bitter nötig.

Text: Caroline Frey