An dem Abend, als er die erste eigene Langspielplatte von seinen Großeltern geschenkt bekam, wusste Zach Condon, dass er Musiker werden will. 15 Jahre später veröffentlicht der 22-Jährige sein zweites Beirut-Album “The Flying Club Cup“. Zeit, Luft zu holen!

“Ich kann mir das alles nicht mehr so richtig erklären”, poltert es gleich zu Beginn unseres Gespräch aus Zach heraus. Seine Verwirrung bezieht sich auf das letztjährige Beirut-Debüt “The Gulag Orkestar“: Viel zu düster sei dem smarten Frontmann das inzwischen, und über die Gründe dafür grübelt er nur ungern: “Ich habe vor drei Jahren noch in einem kleinen, aber jederzeit gut besuchten Café in New Mexico gearbeitet. Meine Schichten waren total zermürbend und die Musik blieb einfach auf der Strecke.” Nach Dienstschluss sei er nur noch erledigt ins Bett gefallen. Jeglicher Elan an eigenen Songs zu arbeiten, wurde durch die tägliche Rennerei zwischen Espresso- und Speiseeismaschine zunichte gemacht.

Laut der Legende kam im Jahre 2004 jemand auf dich zu, der von deinen Fähigkeiten wusste und dir anbot, in einem benachbarten Club zu spielen – stimmt das?
Zach Condon: Er bestellte wie jeder Gast einen Kaffee und wollte obendrein noch gerne ein paar Kostproben von meinen eigenen Liedern haben. (lacht) Ich kam also mit ihm ins Gespräch und merkte, dass ihm irgendwer erzählt haben muss, dass Zach Condon nicht nur Eis servieren kann. Er war Clubbesitzer und so kam eins zum anderen.

Für deine musikalische Entwicklung waren auch die Großeltern sehr wichtig. Sie sollen dir gleich mehrere Instrumente beigebracht haben!
Zach Condon: Meiner Oma verdanke ich das Interesse an der Musik. Sie hat mir immer und immer wieder Platten vorgespielt und ich liebte es, vor ihrer alten Anlage zu sitzen und unterschiedlichster Musik zu lauschen. Vor allem die östlich angehauchte Folk-Musik fesselte mich jedes Mal. (überlegt) Also ging ich zu meinem Opa und sagte zu ihm: Bring mir bei, wie ich Ukulele spiele.

Wahrscheinlich ahnte der alte Mann damals noch nicht, dass aus seinem Enkel einmal ein begnadeter Songwriter wird. Zumindest legte Zachs Opa den Grundstein für das, was die Band Beirut heute ausmacht: “Nach anfänglichen Zweifeln an meiner Musik mochten die Leute den Sound. Wahrscheinlich war es ihnen unheimlich, dass ein Amerikaner mehr nach Balkan-Einflüssen als nach Nashville-Attitüden klingt?!” Mag sein, und trotzdem wurden die großen Plattenfirmen aufmerksam und Ende 2005 häuften sich die Angebote. Zach war wichtig, keinerlei Kompromisse mit Beirut eingehen zu müssen. Er hatte eine genaue Vorstellung von seinem Sound; “östlich und Singer/Songwriter-orientiert” sollte er sein.

Das 2006 veröffentlichte Beirut-Debüt “The Gulag Orkestar” war trotz Bandhintergrunds ein reines Soloalbum von Zach. Nicht nur darüber ärgert sich der smarte Multiinstrumentalist inzwischen: “Es gibt zwei Punkte, die mich an meinem ersten Album stören. Zum einen war ich verdammt egoistisch bei den Aufnahmen und habe mir kaum reinreden lassen. Dies führte anderseits dazu, dass die Songs nur durch mein Leben beeinflusst wurden und das war damals sehr düster!” Zuviel gab es für Zach noch aus seinen New Mexico-Tagen zu verarbeiten: Der kräftezehrende Job, die vielen privaten Entbehrungen und zuletzt natürlich die immer kleiner werdende Hoffnung, es eines Tages doch noch als Musiker zu schaffen.

Was war an den Aufnahmen zu “The Flying Club Cup” grundlegend anders als noch beim Beirut-Debüt?
Zach Condon: Aus meinen Mitstreitern ist eine richtige Band geworden und wir kommunizieren viel miteinander. Es wäre natürlich übertrieben zu behaupten, ich würde nicht immer noch eine gewisse Position darüber einnehmen, wie die Songs am Ende klingen sollen. Der Austausch ist allerdings viel lebhafter als zu Zeiten meines ersten Werks! Weiterhin wollte ich mit “The Flying Club Cup” einen positiveren Nachfolger unter die Leute bringen. Songs, die zeigen, dass ich immer sehr optimistisch an meine Zukunft geglaubt habe. Natürlich gab es Rückschläge, aber mein Wille, es schaffen zu wollen, blieb davon jederzeit unberührt! Deswegen sind wir innerhalb Beiruts auch sehr stolz auf diesen Prozess und hoffen, er setzt sich bei den nächsten Arbeiten fort.

Hoffen wir auch! “The Flying Club Cup” kann man mit Fug und Recht als eines der stärksten Songwriteralben des Jahres 2007 bezeichnen. Es verbindet den Balkon-Folk des Beirut-Debüts mit westlichen Einflüssen und spielt in einer ganz eigenen Liga. “Wahrscheinlich hat mich auch mein aktueller Wohnsitz in Paris stark beeinflusst. Die künstlerische Aura dieser Stadt ist unbeschreiblich groß. Sicher bin ich mir da aber nicht.” Muss er auch nicht, das Ergebnis spricht für sich!

Text: Marcus Willfroth

Beirut auf Tour:

19.11.07 Hamburg – Fabrik
20.11.07 Köln – Kulturkirche
21.11.07 München – Muffathalle
22.11.07 Schorndorf – Manufaktur