Was entsteht, wenn sich Umhänge-Synthies mit E-Gitarren, analogen Computer-Sounds und Bass-Drums vermischen? Wahrscheinlich Chaos. Oder der Pop-Act Nachlader.

Dabei begann beim Berliner Einmannprojekt alles so vorsätzlich ungezwungen, als es vor gut zwei Jahren startete. “Ursprünglich wollte ich einfach nur mal ein paar Songideen ausprobieren und hören, wie es wohl klingt”, erzählt Mastermind Daniel Baumann über eine Gründungsgeschichte, die etwas mehr Mühen kostete, als es die nun fertige Debüt EP “Gegen die Wand” erahnen lässt.

Ende der Neunziger entschloss sich der Teenager Daniel Baumann, sich dem Elektronik-Kollektiv “Unkool” anzuschließen. In der Folgezeit pilgerte man durch zahlreiche namhafte Berliner-Clubs und sorgte mit Bands wie RichandKool oder 9 schon früh für allerlei Furore. Als Bassist oder Keyboarder aktiv, gingen ein paar Jahre ins Land, bis er sich dann 2002 an einem Solo-Projekt versuchte. “Ich hatte damals nicht unbedingt den Gedanken an eine eigene Band, bei der ich hauptberuflich tätig sein kann. Doch plötzlich lief alles besser als ich es mir erahnt hatte!”

Mit zwei Freunden im Schlepptau bastelte er unter dem Namen Nachlader an eigenen Songs, tourte so oft wie möglich und galt bald als ein Geheimtipp der Berliner Elektro-Pop-Szene. “Es war eine sehr hektische Zeit. Anfangs ist das ungewöhnlich, sich selbst den Kopf zu zerbrechen, wie der Sound klingen soll und die Live-Show auszusehen hat. Vorher war ich schließlich nur Bassist, da agiert man auf der Bühne und im Studio meist nur in der zweiten Reihe”, erklärt Daniel.

Der stetig wachsende Erfolg liege in der Einfachheit der Mittel und das jeder Song “mal so, mal so” entweder im Studio oder alleine zu Hause entstanden sei: “Bei einem Debüt darf man Fehler machen, weil manchmal die Zeit, das Geld oder das Durchhaltevermögen knapp wird. Wichtig war mir von Anfang an, dass die Songs brodeln – auch wenn man auf der Bühne steht und zudem noch Samples eingebaut werden sollen.”

Der EP-Titel “Gegen die Wand” verpflichtet zur Rebellion, die Nachlader auch gerne an den Tag legt. “Die Art, wie ich Samples benutze, ist ziemlich eigen und oft mehr als low-fi. Ob das zeitgemäß ist, weiß ich nicht. Aber anders wäre die Idee hinter Nachlader auch gar nicht umsetzbar gewesen, denn als ich begann, wusste ich selbst noch gar nicht, in welche Richtung sich der Sound entwickeln würde”

Heraus kam etwas, das fast nichts mit den Genrekollegen Winson gemein hat, sondern auf erfrischend unkomplizierte Weise zwischen den Stühlen sitzt: eine unverkrampfte, vielschichtig produzierte Pop-Platte, die trotz ihrem gefälligen und voraussichtlich kommerziell erfolgreichen Gesamtbild nie die songwriterische Tiefe vermissen lässt, die nötig ist, um sich von dem Großteil belangloser Produktionen abzusetzen.

Text: Marcus Willfroth

Nachlader auf Tour:
02.12.04 Köln, MTC
03.12.04 Hamburg, Schilleroper
10.12.04 Rostock, MS Stubnitz
11.12.04 Leipzig, Ilses Erika
15.12.04 Nürnberg, Die Rakete
16.12.04 Rüsselsheim, Das Rind
17.12.04 Tauberbischofsheim, Club Contra
18.12.04 Magdeburg, Gröninger Bad
19.12.04 Berlin, Zentrale Randlage