Bernd Begemann hat einen Film gedreht. Obwohl, gedreht hat ihn vielmehr ein Mensch mit einer Kamera in seiner Hand, der es liebte, so richtig schön auf den Hintergrund raufzuhalten. Auf die Fassade eines Wohnhauses z. B. oder einen Kleiderschrank.
Im Vordergrund dann aber doch: Bernd Begemann. Nicht ganz so Entertainerlike wie man ihn kennt und schätzt, sondern als Fragesteller. Was ihn interessiert ist das Leben seiner Musikerkollegen. Was machen die eigentlich den ganzen Tag? Wie leben sie mit (nicht von) der Musik? Was soll das überhaupt?
Und so trifft er Schorsch Kamerun, Rocko Schamoni, Anajo, Superpunk, Wolke, Christiane Rösinger, die Türen und wie sie alle heißen. „Müssen alle mit“ heißt der Film. Genau wie das Lieblingsmixtape der Indieszene, was damit zusammenhängt, dass tapete records den Spaß in Auftrag gegeben hat. Und dann auch geschnitten.
Das Endprodukt feierte diese Woche in Leipzig Urweltaufführung. Das erste Mal, dass sogar Begemann die Endfassung sah. Acht Monate war das 20stündige Material bei einem sich vor der Welt versteckenden Regisseur verschwunden. Laut Begemann holte man sich dann bei Tapete das Buch „Wie schneide ich einem Dokumentarfilm?“, riss dem Mann das Zeug unterm Arsch hervor und machte sich ans Werk. Zufrieden sei er mit dem fertigen Produkt. Schade nur, das so viel fehle. Klee z. B., wie sie bekifft in ihrem Tourbus darüber debattieren, welche Wichtigkeit Bonbons haben.
Dafür erfährt man im Film, wie es ist, wenn man in Münster Jura studiert und einen ständig der H-Blocks-Sänger kumpelhaft auf die Schulter haut, weil er ja auch am Wochenende mucken geht. Zum kotzen nämlich. Rocko Schamoni findet Rhythmus, Melodie und alles was sonst noch so dazugehört, eher überwertet, Superpunk wollen erfolgreicher sein als alle anderen und Lassie Singer Christiane Rösinger meint, das Wichtigste sei nicht zu verbittern.
Und hat damit scheinbar den Grundtenor des Films getroffen. Denn leicht frustrierend ist es schon, als Musiker jeden Tag im Callcenter Leuten Scheiße zu erzählen oder von Plattenfirmen nicht ernst genommen zu werden. Und dennoch machen sie allesamt den Eindruck, jede Menge Spaß zu haben. Schließlich kriegt man die leeren Tage auch wunderbar mit Kaffeetrinken rum.

Ein Film, den sich jeder Freund der Indiemusik, jeder erfolgreiche und erfolglose Musiker und jeder der auf interessante Kameraperspektiven und nihilistische Filmkunst steht, anschauen sollte.
Angeblich gibt es ihn bald beim WDR. Und auch auf DVD. Mit den geschnittenen Klee als Bonusmaterial.