Schon seit ein paar Jahren geistert der Name BIFFY CLYRO durch die Mundpropaganden und Gazetten und zieht hie und da immer mal wieder die Aufmerksamkeit auf sich. Etwa bei ihrer ersten Tour im Jahr 2002, als sie im Kölner Prime Club The Cooper Temple Clause mit Leichtigkeit an die Wand spielten. Oder auf der Dortmunder Visions-Party 2005, als sie mit ihrer massiven Energie völlig überraschend die versammelte Rockgemeinde einfach umpusteten. Jetzt wurde das Trio für sein viertes Album bei Warner gesignt und wird damit endgültig auch weit über die Grenzen Englands hinaus gehen. Und mit Puzzle, das in Zusammenarbeit mit Producer GGGarth (Rage Against The Machine u.a.) entstand, dürften BIFFY CLYRO uns ab April das Licht bringen!

Ende der Neunziger gründete Simon Neil (voc, guit) mit den Brüdern Ben (dr, voc) und James (b, voc) Johnston seine erste Band als Teenager in Ayrshire nahe Kilmarnock bei Glasgow, die sich schnell eine treue Gefolgschaft erspielte – inklusive Street Team, das sich Team Biffy nannte. Und es sollte gar nicht lange dauern, bis BIFFY CLYRO ihre ungewöhnliche und völlig unzeitgemäße Vision von komplexer Rockmusik mit poppigen Untertönen und einem unleugbaren Hang zur Progressivität auch auf Tonträger niederlegten. Nach einer Split-EP mit dem Titel Thekidswhopoptodaywillrocktomorrow und einer Single im Jahre 2000 präsentierten die mittlerweile zu Tontechniker ausgebildeten Glasgower 2002 das erste Voll-Album Blackened Sky mit Paul Corkett (Placebo, Six by Seven), und dann geht es Schlag auf Schlag: 2003 kommt The Vertigo Of Bliss, eingespielt in nur einem Tag, und im November 2004 das dritte Album Infinity Land.

Puzzle heißt der vierte Longplayer, der auch eine neue Ära einläutet. Nach fast zweieinhalb Jahren Pause, in der das Trio beileibe nicht faul rumgesessen hat, ging es mit Garth Richardson also ins Studio nach Vancouver und in die Wälder bei Gibson, wo Richardson sein Studio hat. Die Koop stellte sich als wegweisend heraus, und es sieht so aus, als würden BIFFY CLYRO einen echten Meilenstein vorlegen. Immerhin nahm sich die Band, die sonst nie mehr als ein paar Tage Geduld im Studio aufbrachte, diesmal etwas mehr Zeit. Und sie zog konsequent ihren eigenen Stiefel durch „In der ersten Woche mussten wir erstmal runterkommen und überlegen, wie wir die Aufnahmen angehen wollen,“ erzählt Simon. „Wir sind eigentlich gewohnt mit Hundert in solche Sachen reinzugehen, aber dann wären wir nach einer Woche ausgebrannt gewesen. Wir mussten also echt Geduld üben, aber das Ergebnis rechtfertigt das auch. Garth brauchte ein paar Tage, um zu begreifen, wie dickköpfig wir sind. Wir wollten natürlich kollaborieren, aber dieses ist UNSER Album, und wir wollten das tun, was wir tun wollen. Es hat ein paar Tage gedauert, bis Garth begriffen hatte, dass wir einige seiner Ideen nicht akzeptieren würden.“
Von Vancouver ging es nach New York, um das Album mit Andy Wallace zu mixen, der auch Nirvana „Nevermind“ bedient hatte. Das Artwork stammt dagegen von Storm Thorgusson, der Mann hinter alten (Pink Floyd) und neuen (Muse) Album-Covern.

Mit Puzzle verwirklichen BIFFY CLYRO den Sound, den sie sich für das Album vorgestellt haben. Dabei beschreiten sie einige ungewöhnliche Seitenwege, wie etwa die psychotischen Chöre auf 9/15ths, aber sie präsentieren auch ihre klaren und zerbrechlichen Melodien, die sie groß gemacht haben. Orchestral kommt der Opener Living Is A Problem Because Everything Dies daher, mit dem BIFFY CLYRO sich weit aus dem Fenster lehnen. Mit einem Chor- und Streicher-Arrangement von Hollywood-Arrangeur Graeme Revell (Sin City, The Crow, From Dusk Til Dawn) glaubt man sich in eine Welt zwischen Wagner und Rage Against The Machine versetzt. „Wir hatten immer große Ambitionen,“ bestätigt Simon. „Uns ging es nie um Gitarre, Bass und Drums, auch wenn wir ein Trio sind. Wir haben immer versucht, auf unseren Alben soviel verrücktes Zeug wie möglich unterzubringen.“

Es gibt weitere Highlights, etwa die Download-Single Semi-Mental oder das kraftvolle Saturday Superhouse mit der Hymnenmelodie, das kleine, dann anschwellende As Dust Dances oder stampfende Who’s Got A Match. All das gibt sich herrlich ungezwungen und unterwirft sich keinerlei Stilfesseln, schwebt zwischen Alternative und Progressiv, zwischen Powerrock und Soundwall. Zweifellos ein Ergebnis der letzten fünf produktiven Jahre, in denen die Band während hunderter Gigs im Jahr eng zusammen gewachsen war – und gelernt hat, mit reifer Gelassenheit ans Songwriting zu gehen. „Vielleicht liegt es daran, dass die Lyrics persönlicher sind als sonst, aber wir hatten das Gefühl, dass die Musik auf Puzzle Raum zum Atmen braucht,“ erklärt Simon. „As Dust Dances hat uns zum Beispiel beim Spielen geradezu hypnotisiert und wir haben nicht viel dafür getan, es aufzurocken oder sonst in einen bestimmten Sound zu pressen. Der Song hat sich seit dem ersten Mal spielen kaum verändert. Vor fünf Jahren hätten wir ihn vielleicht so gar nicht spielen wollen, wir waren so ruhelos, dass wir uns damit kaum wohl gefühlt hätten, aber heute können wir das machen, und es funktioniert. Manchmal ist es besser, einen Song einfach fließen zu lassen, als zu versuchen 100 Ideen in zwei Minuten zu stecken.“

So sehr das Album rockt, so stark ist jedoch auch der traumatische Hintergrund, der für die Texte entscheidend war. Im Schatten des Verlustes von Simons Mutter geschrieben, beschreibt Puzzle auch, wie Simon mit seinen Gefühlen klarkommt und einen Weg findet, sich weiter zu bewegen. Das wird nirgendwo klarer, als im tiefgreifenden Machines. „Der Song beschreibt, wie Deine Seele arbeitet, wenn du einen schweren Verlust für dein Leben erlitten hast. Wie du an manchen Punkten wütend auf dich selbst und alle anderen bist, und an einem anderen Punkt fühlst du dich so traurig, dass du dir vorstellst, wie der Tod sein könnte. Und dann hast du plötzlich diese lebhaften Bilder, wie es dann wäre und plötzlich zweifelst du an dir selbst und fühlst dich mit jedem Funken Hoffnung wieder besser. Das Album ist nicht in dieser Reihenfolge angelegt, aber grundsätzlich ist es das, worum es geht.“

Über allem ist Puzzle ein Statement. Ein Statement einer Band, in der schon lange Großes schlummerte, und von der die Fans immer wussten, dass es irgendwann herausbrechen würde. BIFFY CLYRO hören weg, wenn Kritiker vom „neuen Nevermind“ sprechen, aber Puzzle könnte ein ähnlicher Meilenstein im britischen Hardrock sein und eine neue Ära anbrechen lassen.
„Wir wollen Alben aufnehmen, die die Leute auch in 20 Jahren noch hören und sich dann sagen, ‚was für eine verdammt gute Platte!’,“ schließt Simon. „Wir glauben, dass wir das erreichen können, wenn wir unseren Weg so weitergehen. Wenn unsere Songs so wahr und aufrichtig sind, dass sie auch in 20 Jahren noch gut sind, wenn keine Schublade mit ihnen verbunden wird. Wir ziehen uns nicht verrückt an, aber die Leute stehen auf und sehen hin, weil die Musik gut ist. Und ich glaube, wenn wir das die letzten vier Jahre hinbekommen haben, dann wird das auch in 20 Jahren noch so sein können. Das ist es was wir wollen: Wir wollen eine wichtige Band sein. Und ich glaube, das sind wir.“

Im Januar spielten BIFFY CLYRO als Headliner auf der KERRANG!-Tour 200, im Mai werden sie auch nach Deutschland kommen: Im Support für Bloc Party!

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