Zwei Vorurteile: a) In Schweden sind alle blond und b) der Retro-Sound der Achtzigerjahre ist endgültig abgefrühstückt. Denkste! The Sounds melden sich mit dem besten Blondie-Album seit…ähm…Blondie zurück. Und die schwedischen Covermädels von ‘Dying To Say This To You’ sind brünett. Puh, gleich zwei Vorurteile wiederlegt.

Knappe vier Jahre ist es her, dass The Sounds mit “Living In America” ihr Debütalbum veröffentlichten und den zeitgeistigen Retro-Nerv trafen. Dass sich der Titel ihres Debüts beinahe hellseherisch verwirklichen sollte, dass sich die aus Helsingborg stammende Sängerin Maja Ivarsson, Gitarrist Felix Rodriguez, Bassist Johan Bengtsson, Drummer Fredrik Nilsson und Jesper Anderberg am Keyboard in den vergangenen vier Jahren weitaus häufiger in den USA auf Tour aufhielten als in ihrer eigentlichen Heimat Schweden, ist mehr als nur bemerkenswert – aber angesichts der immer wieder aufblitzenden Referenz mehr als nur logisch: Blondie, das New Yorker New Wave-Urgestein um Frontfrau Debbie Harry, ist sowohl in musikalischer Hinsicht als auch in Stylefragen so etwas wie die Blaupause für The Sounds.

Dass sich The Sounds-Frontfrau Maja Ivarsson – logisch!… blondiert! – schon auf dem Debüt ‘Living In America’ unüberhörbar blondiesk durch die vom Keyboard angefeuerten Songs jauchzte, machte in den USA auch sehr viele sehr schnell sehr Karussell im Kopf, wie Gitarrist Felix Rodriguez erklärt: “Wir gelten in den USA als ziemliche Exoten. Wir sind Europäer, das bedeutet für die Amerikaner generell schon etwas… So als würden alle Europäer ausnahmslos kunstvolle Musik machen! Und dann kommen wir aus Schweden, da stehen die Amerikaner besonders drauf, wegen der Musikszene, aber auch wegen der Schwedinnen. Und nun ja, dann klingen wir eben sehr nach Musik der Achtzigerjahre, das ist für die Amerikaner eben auch ziemlich exotisch.”

Der Exotenstatus zahlte sich allerdings in den USA aus und sorgte dafür, dass The Sounds sowohl für The Strokes als auch den Foo Fighters eröffnen durften – keineswegs gewöhnlich für eine ‘exotisch’ verstandene Band. “Wir haben, obwohl wir als ‘exotisch’ gelten, trotzdem ein ziemlich weit gestreutes Publikum. Wir spielten als Vorband von The Strokes vor einem ziemlich hippen Publikum, als Vorband von den Foo Fighters vor einem ‘normalen’ Publikum, und es hat uns immer gefallen. Und ich glaube dem Publikum auch.”

Diese Streuung dürfte wiederum auch erklären, warum The Sounds nun auch für den Jahrmarkt der Funsport-Eitelkeiten namens ‘Warped’ gebucht wurden. Neben den einschlägig bekannten ‘Epitaph’ oder ‘Fat Wreck’-Signings, neben den Sponsoren-Insignien des Skateboard-Lifestyles und der gewissen subkulturellen Attitüde, spielen The Sounds den Sound einer hell blondierten, new wavigen Eighties-Welt und widerlegen ganz charmant jegliche Vorurteile, die man der Warped-Tour gegenüber aufbringen könnte.