In einem Bon Jovi-Forum wird es angekündigt, die Freunde der Gänsehaut-Feeling-Garantiert-Rockcombo um Freizeit-Beau Jon Bon Jovi sind ganz kirre. Eifrig wird über das bald erscheinende, fünfte Album der britischen Alternativ-Rocker von Feeder spekuliert. Eigentlich merkwürdig, dass die beiden Bands eine gemeinsame Fanbasis um sich scharen, denn sowohl klanglich, inhaltlich und äußerlich prallen da Welten aufeinander, ein bisschen so, als entdecke der burschikose Holzmichel-Klingelton-Fan seine Liebe zur textsensiblen Hamburger Schule. Nicht minder merkwürdig findet das auch Grant Nicholas, Sänger und Gitarrist von Feeder.

“Ehrlich gesagt, ich kann mir das überhaupt nicht erklären”, sagt Nicholas und hakt unsicher nach, will wissen, ob es denn tatsächlich Parallelen gebe. Nein, die gibt es natürlich nicht, obwohl – so räumt Nicholas dann doch selbst ein – “das neue Album ist melodischer geworden, es ist weniger der Soundtrack zu einem Skate-Film oder irgend etwas dieser Art, weil ich als Songschreiber einfach älter geworden bin und eben ruhiger.”

Die Band, die einst antrat, um der britischen Skate-Szene mit dem viel gefeierten 1997er Erstlingswerk ‘Polythene’ einen Soundtrack zur Daseinsberechtigung zu liefern, schielt auf dem nun vorliegenden ‘Pushing The Senses’ eher in Richtung Besamung auf dem Eisbärenfell als in Richtung selbsterprobte Tony Hawk-Blutergüsse. Schon das 2000er ‘Comfort In Sound’, das nach dem tragischen Selbstmord des Drummers Jon Lee entstand, offenbarte die nachdenkliche, zurückgezogene Seite im Songwriting von Grant Nicholas und markiert rückblickend den Wendepunkt der Band: “Ich war damals nicht mehr in der Lage, von positiven, unbeschwerten Dingen zu singen, was ich auch heute nicht immer bin, aber dennoch ist ‘Pushing The Senses’ wesentlich positiver in der Grundstimmung. Aber wie Bon Jovi klingen wir nun aber dennoch nicht.” Stimmt, viel eher bieten sich Vergleiche mit Coldplay an, dem Klassenprimus (zu Recht!) unter den Britpop-Bands mit ‘Wellnessfaktor’. Deren Sänger Chris Martin traf Grant Nicholas vor kurzem bei den Aufnahmen des Band Aid 20-Projekts (“Netter Kerl” – Nicholas über Martin). Auch anwesend war Bono von U2, erzählt Nicholas, und von dem weiß er energisch nur eins zu berichten: “Und wie U2 klingen wir auch nicht”. Zum Glück.

Text: Heiko Reusch