Fremdgehen ist Teufelszeug. Es ist verletzend und feige. Aber was soll Frau/ Mann machen, wenn es zu Hause nicht mehr klappen will? Vielleicht das gleiche wie Nich McCarthy. 2006 suchte der Franz Ferdinand Gitarrist nach Band internen Streitereien seinen langjährigen Kumpel Alex Ragnew auf, um sich in der gemeinsamen Musikmacherei neu zu entfalten. Das Projekt taufte man auf den Namen Box Codax. Und weil beide durch und durch Künstlernaturen sind (McCarthy studierte klassische Musik in München, Ragnew lebt als Poet in Toulouse) ist ihnen das Wort Plagiat unbekannt. Keine Franz Ferdinand Kopie wollte man sein, kein New Wave Rummgezappele hervorrufen.

Glauben konnte die Öffentlichkeit das Proklamierte erst richtig, als im September 2006 das Debütwerk von Box Codex „Only an Orchard Away“ veröffentlicht wurde. Ein Album in bester LoFi-Tradition, minimalistisch und extrem dreckig, reduziert und seltsam. Es ist eine Zusammenstellung oftmals romantischer, fast wahnsinniger, leicht nostalgischer Ideen. Hinzu kommen die geistreichen, so genannten „Pidgin English Lyrics“, düsterer Humor und besonderes Songwriting der beiden Universell-Genies. Zeilen wie “The harder you fall the harder you hit / Hit hit hit hit / A screaming sequel paralysing / Shoot the geek / I hear their shouts / Shoot him in his assets and shoot him in the arm / Whatever you do do with it charm / Especially when dealing with harm. The harder you fall the harder you hit / Hit hit hit hit / A screaming sequel paralysing / Shoot the geek / I hear their shouts / Shoot him in his assets and shoot him in the arm / Whatever you do do with it charm / Especially when dealing with harm.“ zeugen vom beißenden Ironie-Talent von Box Codax.

Erschienen ist das Werk im Übrigen auf dem Münchener Label Gomma (Groove Attack). Ein weiterer, bewusst gewählter Schritt weg vom Mainstream. Wie weit dieser Weg weiterhin gegangen wird, bleibt abzuwarten, erscheint doch 2008 der ersehnte Drittling von Franz Ferdinand.

Hans Erdmann