Von verschrobenen Brit-Pop-Avantgardisten zur nicht nur live frenetisch gefeierten Supergroup: British Sea Power griffen nach dem Thron und verloren auf halber Strecke fast den Verstand. “Do You Like Rock Music?” heißt ihr neues Album und soll für Ruhe an der Themse sorgen.

Eigentlich haben sie alles richtig gemacht. Mit ihrem 2002 veröffentlichten Debüt “The Decline Of British Sea Power” besetzten die Mannen um Sänger Yan (Nachnamen gehören nicht zum Konzept) genau jene Nische gitarrengetriebener Indie-Musik, die in England seit den Neunzigern eine Leerstelle bildete: “Anfänglich klopfte uns jeder auf die Schulter. Wir kamen ins Abendprogramm der größten englischen Musiksendungen und waren auf den Covern sämtlicher Magazine. Irgendwie ging die Zeit aber an uns vorbei und so richtig haben wir nie erfahren, was die Leute eigentlich an British Sea Power mochten”, rätselt ein etwas irritierter Frontmann und kann sich die Erfolglosigkeit des Nachfolgealbums kaum erklären.

Plötzlich wurde es ruhig um euch. Obwohl ihr 2005 “Open Season” veröffentlicht habt, schien es, als hätten British Sea Power eine Dekade nichts von sich hören lassen!
Yan: Das war alles sehr schwierig für uns. Wir haben die Platte zu einer Zeit veröffentlicht, wo wahnsinnig viele neue Bands wie die Kaiser Chiefs, Maxïmo Park oder Bloc Party groß raus kamen. Da war irgendwie nichts zu holen. (überlegt) Hinzu kam das Problem mit der Presse: Dass die immer etwas Neues will, um es als Next-Big-Thing unter die Leute zu bringen.

Das wart ihr zum damaligen Zeitpunkt nicht mehr. Aber auch viele eingefleischte Hörer wandten sich von euch ab, oder?
Yan: Das würde ich so nicht sagen. Viele vergaßen allerdings, dass wir ein paar Jahre älter waren als die meisten Newcomer und deswegen auch andere Akzente setzen wollten. British Sea Power sollten mehr als nur Garagen-Sound sein; wir wollten Chöre, Streicher und Bläser in unserer Musik unterbringen. Die Konsequenz war, dass uns Stadion-Rock vorgeworfen wurde. Die fiese Sorte also!

Trotz aller Kritik kommt euer neues, drittes Album “Do You Like Rock Music?” noch pompöser daher. Keine Angst, einmal mehr verschmäht zu werden?
Yan: Wir sind sehr sensibel und waren etwas geschockt von den damaligen Reaktionen. Deswegen hat sich jeder gefragt, was will ich mit der Band und den neuen Songs erreichen? Auf dem Album geht es nun um alles: Krieg, Liebe, Egomanie. Es ist der ständige Kampf zwischen Gut und Böse, zwischen Versuchung und Enthaltsamkeit. Es gibt keinen Mittelweg, alles läuft auf Extreme zu. Vielleicht klingt es zu hoch gegriffen, trotzdem: “Do You Like Rock Music?” ist unsere Version von “Dr. Jekyll and Mr. Hyde”.

Mit diesem Werk haben British Sea Power einen wichtigen Schritt in die Zukunft getan. In eine neue Richtung, gänzlich unbeeindruckt von der Vergangenheit. Keine Pose des ewigen Bitterseins, sondern majestätisch erhabene Rock-Songs. Das ist toll, die Brücke steht endlich. Man trifft die Band in der Mitte!

Text: Marcus Willfroth