Letztes Jahr waren es die neuen Halb-Elektroniker, die unsere Herzen zum Salto aus dem Stand bewegten, heute sind es Elektro-Pop-Nachtschattengewächse wie Calvin Harris oder Popzupfer wie die The Courteeners. Hier ein Blick nach vorne in das Popjahr 2008…


Calvin Harris

„Das ist ’n Guter“, würde mein Opa sagen, wenn er was von Musik verstünde – macht er aber nicht. Dafür  würde ihm der schottische Riese Calvin Harris menschlich  unheimlich gefallen. Der ehemalige Mark & Spencers Regaleinräumer ist der Traum einer jeden Plattenfirma. Warum? Weil er versteht, wie das mit dem Web 2.0 funktioniert. Er pflegt sein MySpace-Profil schön brav, schreibt nette Blogs, lädt nicht nur Musikvideos hoch, sondern gerne auch mal Videos, in dem seine Backingband uns das Bestreichen eines Toasts mit Marmelade erklärt. Sonst war Calvin im letzten Jahr bereits mit Faithless und Groove Armada auf Tour, hat für Geili Kylie zwei Stücke produziert und mit seinem Song „Acceptable In The 80’s“ den Tanzboden zum Wackeln gebracht. Was das Viech im dazugehörigen Video soll, weiß er selbst nicht genau. Es heißt auf jeden Fall Pablo und wird seziert. Warum nicht?! Auch „Girls“ ist musikalische Feinkost  und wenn ihr keinen Bock habt euch auf neue Sachen einzulassen, dann führt euch doch Calvins Remix von CSS „Let’s Make Love And Listen To Death From Above“ zu Gemüte. Dann wisst ihr wie der Hase steppt. Der benutzt nämlich viele süße Commodore-Töne, vermengt die ordentlich und lässt was Quietschbuntes zurück. Fein! Liebe Plattenfirma, es ist an der Zeit die Platte auch endlich in Deutschland zu veröffentlichen.

Calvin Harris: „Acceptable In The 80’s“

The Teenagers

The Teenagers kommen aus Frankreich, sind in echt gar nicht mehr ganz so jung und haben Nichts mit den Ed Banger-Jungs am Hut. Auf jeden Fall klingen sie nicht wie Justice, die manche so gern in die neue Elektro-Clash Ecke mit den Klaxons stellen wollten. Bei den Teenagers spricht der Rock, der ganz schön sleazy ist. Da der französische Akzent nur bei Frauen süß ist, singen Quentin, Dorian und Michael fast akzentfrei. Ja, die können Englisch. Und was sie so singen, ist ganz schön schmuddelig. Hört nur mal in „Homecoming“ rein. „Ficken“ kommt auch sonst relativ oft in ihren Liedern vor – warum auch nicht, ist ja was Schönes. So wie die Teenagers.

The  Teenagers: „Homecoming“



We Smoke Fags

  Electro/Punk/Indie – ja, die Kombination ist nicht neu und wurde 2007 nur zu oft praktiziert. Aber We Smoke Fags sind so rumpelig, dass es schon wieder Spaß macht.  Auch wenn sie noch relativ unbekannt sind, einen Preis sollten sie schon einmal verliehen bekommen, für das dämlichste Bandfoto auf MySpace. Allerdings: Eine Plastik-Banane vor den eigenen Schritt zu halten, zeugt von Humor.  Eine eigene Bandseite gibt es noch nicht, ein Label haben sie auch noch nicht, doch das Trio kratzt schon ganz wild an der Tür. Anspieltipp: „Eastenders“. Knarrzt, kracht, geht in den Schritt – was will man mehr?! Derzeit kann man sich die Songs immer noch umsonst von ihrer MySpace-Seite runterladen.

We Smoke Fags: „Lust Puppet“ live

The Courteeners

Ab nach Manchester, zu den Courteeners. Wie die klingen? Fast genauso enthusiastisch wie Jack Peñate – zumindest mit  „Acrylic“. Diese lebensbejahende Stimmung ist herzerweichend und ihr Liveshows sind herrlich überschäumend. Wo kommen diese Bands auf einmal alle her?! Erst machte Jamie T den Anfang und entzückt mit seiner treibenden „Panic Prevention“, dann kommt Jack Peñate und überzeugt durch seine Songwriter-Skills und nun The Courteeners. Die sind etwas rauer, etwas beatlastiger, wissen aber auch ganz genau, dass sie große Liedkunst betreiben.

The Courteneers: „Acrylic“

Tanja Hellmig