Christian Kjellvander ist jetzt nur noch Christian Kjellvander. Die Ratschläge seiner Band Loosegoat hat er beim neuen Werk “I Saw Here From Her/I Saw Her From Here” völlig ignoriert und damit endlich zu sich selbst gefunden.

Zwei Jahre nach seinem letzten Lebenszeichen namens “Faya” wirkt Christian Kjellvander sehr aufgeräumt: “Ich würde nicht sagen, dass es ein Fehler war. Allerdings wurde mir bewusst, dass ich in erster Linie auf mich selbst hören sollte!” Worauf der schwedische Songwriter damit anspielt, sind die Ungereimtheiten, welche sich auf seinen letzten musikalischen Ergüssen durch “zuviel Banddemokratie” ereigneten. Inzwischen gönne er sich mehr Zurückgezogenheit und schreibe alle Songs im Alleingang. Mit dem Ergebnis: neue Wege, neue Ziele.

Warst du sehr überrascht, dass die Leute dein letztes Werk kaum mochten?
Christian Kjellvander: Viele warfen mir meine Orientierungslosigkeit vor. Doch genau dies wollte ich mit “Faya” vor zwei Jahren erreichen: Ein Album über das Reisen, über verschiedene Orte und unterschiedliche Musikstile. Insofern war die Kritik auch als ein Lob zu verstehen – schließlich sollte sich kein Song zu lange an einem Ort aufhalten! (lacht)

Auf deinem neuen Werk verfolgst du indes ein sehr klar strukturiertes Ziel: Zurück von dem Ausflug, geht es vermehrt um die Bedeutung von Beziehung und Zusammenleben.
Christian Kjellvander: Bereits der Titel soll dem Hörer zeigen, worauf es mir ankommt. Ich wähle ein Position, die es mir erlaubt meine Umwelt aus zwei Perspektiven zu betrachten: Zum einen sehe ich einen wichtigen Menschen, um im nächsten Moment, von dieser Person aus den Rest meines Daseins wahrzunehmen. Das klingt etwas hochtrabend, aber darum geht es: Zu zeigen, wie eng Distanz und Nähe miteinander kollaborieren.

Mit anderen Musikern hast du weniger zusammengearbeitet. Im Vorfeld der Veröffentlichung hieß es sogar, du seiest in den schwedischen Bergen verschwunden!
Christian Kjellvander: (grinst) Mit dem was ich jetzt sage, erfüllt der Musiker Christian Kjellvander mal wieder alle Klischees des Songwritertums. Ich habe mir zusammen mit meiner Frau vor zwei Jahren ein Holzhaus auf dem Land gekauft und liebe es, vor dem Kamin Songs zu schreiben. Das ist entspannender als im Studio mit anderen Leuten!

Inhaltlich singst du auf der Platte von einer unerfüllten Liebe, obwohl sie auf Gegenseitigkeit beruht. Wie ist dieser Widerspruch zu verstehen?
Christian Kjellvander: Mir ist vor einiger Zeit etwas Merkwürdiges bewusst geworden. Es geschah, als wir uns einen Hund angeschafft haben. Wir lieben ihn über alles in der Welt – wissen aber: mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit werden wir seinen Tod noch miterleben. Eine absurde Situation, wie ich finde.

Kaum ausgesprochen, schnappt sich Christian Kjellvander seinen Schal und verlässt den Raum. Wortlos, aber mit dem Wissen auf “I Saw Here From Her/I Saw Her From Here” bereits alle Fragen beantwortet zu haben. Zum Glück, musikalisch ist er wieder ganz bei sich selbst angekommen!

Text: Marcus Willfroth