Das hübsche Gesicht des umtriebigen Exil-Wieners fand sich nicht nur gemeinsam mit Michael Kuhn, seinerzeit Teil des Münchner Techno-Pop Duos Dakar&Grinser, auf dem CD-Cover des Band-Projekts Grom wieder; auch als DJ Taschamba Fii agierte Howarth als sanfter Verführer mehrerer Liebschaften zwischen Song und Track. Mit seinem ersten Solo-Album ‘We Are All Gold’, erschienen auf dem Berliner Label ‘Louisville Records’, tauscht Florian Horwath nun elektronische Unterkühlung gegen romantische Soundästhetik, bestehend aus Stimme, Gitarre und viel Ruhe. Und trifft damit in seiner neuen Heimatstadt Berlin auf offene Ohren, Augen und Herzen.

So persönlich und so oft so zart schmiegen sich die Songs an, dass man fast Angst hat zuzuhören. Florian Horwath sagt folgendes dazu: “Das war insgesamt eine Grundentscheidung, dass alles okay ist, was ich jetzt rausgebe. Was auf dieses Album kommt, und was in den Texten drin ist. Und alles, was damit zusammenhängt; wie etwa dazu stehen, damit gehen und die Verantwortung zu übernehmen und darauf vertrauen, dass es passt. An die Gefahr, dass ich da vielleicht irgendwas beschützen muss, habe ich nie gedacht. Denn es ist trotzdem immer in Form eines Liedes und keine Eins zu Eins-Befindlichkeitserklärung. Alles, was man jetzt mit der Platte macht, wird schon in Ordnung sein, da gibt es kein Richtig oder Falsch mehr.” Wenn man sich eine bestimmte Textzeile aus ‘Love/Rocket’ ansieht, einem damals Club-Chart kompatiblen Song von Grom: ‘My Heart Is A Rocket When I Try To Be With You’, dann könnte man schon eine logische Vorbereitung auf das erkennen, was Horwath jetzt macht: “Die Songs von Grom sind natürlich in einem anderen Gewand. Liegt auch daran, dass wir zu zweit sind. Wobei die Stücke, die von mir sind, auch von einem ähnlichen Platz kommen, obwohl sie bei Grom natürlich ganz anders klingen. Das entstand schon allein durch die andere Kombination mit Mike. Und ob diese eine Textzeile so vorbereitend war, dass weiß ich echt überhaupt nicht, denn bei mir kommen die Sachen immer einfach so daher. Wie eben dieser Satz. Und es ist oft erstaunlich, was dann so kommt.” Florian Horwath lacht verschmitzt und schüttelt seine ach so wunderbaren, braunen Locken. Da kann man diesem sympathischen Menschen ruhig mal glauben und ihm keinen, sich schon während seiner DJ-Zeit anbahnenden Zwang nach Selbstveräußerung nachsagen. “Das ergibt sich bei mir immer von selbst. Ich empfinde das als einen Teil meines Weges, und der sieht eben gerade so aus. Vor einer Weile war das anders, und diese Verästelungen passen schon ganz gut zusammen. Man kann das vielleicht mit einem Gewässer vergleichen, manchmal staut es sich an einer Stelle, manchmal gibt es mehrere kleine Bäche oder einen großen Strom, der entweder ruhig oder etwas wilder ist… Deswegen kann ich auch nie irgendwelche Sachen ausschließen, und das beziehe ich nicht nur auf mich und die Musik. Sondern eigentlich bei allem, was ich so mache.” Ein Kriterium für seine Platte war, sie so analog wie möglich zu gestalten: “Es sollte nichts dazwischengeschaltet sein, etwa ein Computer oder Ähnliches. Die meisten Songs sind auch in einem Stück gemacht, zusammen mit den Vocals aufgenommen und hinterher wurde auch nichts mehr verändert.” Dadurch entstand wohl diese Nähe, die man so oft spürt. Als würde man mit Florian Horwath zusammen in einem Zimmer sitzen und aus dem Fenster sehen, während er schöne Sachen singt. Über Johnny zum Beispiel, den mit der Piratenseele; oder übers Älterwerden und die damit einhergehenden goldenen Zähne; oder das Verlieren der Bodenhaftung, als diese Frau diesen Typen verlassen hat. Und eigentlich alles ohne einen schmachtenden Maximilian-Hecker-Ton, der zwar süß klingt, nach einer Zeit aber ein wenig an Toleranz einbüßt. Wenn man dem Hörer einen Rat geben darf: Nimm einfach die Hand, die Horwath dir entgegenstreckt, sie will dir nur Gutes.

Text: Rebekka Bongart