In der Hotellobby läuft sphärisch-dopige Atmo-Mucke, während man im Fahrstuhl vorbei gleitet an Berlins schickstem, in tiefblauen und -grünen Tönen dunkel schimmernden Frischfisch-Wassertank. Es ist der Fahrstuhl zum Date mit den Dandy Warhols, und man denkt sich gleich: das passt.

“We love it”, kuschelt sich Sänger Courtney Taylor-Taylor auf seinem Sessel zurecht und dehnt das ‘o’ so lange, bis kein Zweifel mehr an der Wahrheit seiner Aussage zum Promotouren besteht. Auf dem Tischchen davor liegen neben zwei mehr oder weniger gut geleerten Rotweingläsern die Reste einer Pizza, die man sich während des voran gegangenen Interviews gegönnt hat. Keine Frage, man fühlt sich wohl. Auch in Erinnerungen.

“Dieses Venue, das Casino, in dem wir das letzte Mal in Berlin gespielt haben – einfach fantastisch! Wir haben irre vielen Leuten davon erzählt, aber keiner wollte uns glauben, dass ihr hier einen Club mit Strandbar habt!” Man sieht Basserin Zia McCabe die Begeisterung an; cool bis zum Gehtnichtmehr, wirkt sie doch stets gut entspannt. Keine Selbstverständlichkeit übrigens, wenn man mit Baby an Bord (das während des Interviews freilich in einem anderen Zimmer den Gang runter vor sich hin schlummert) um die Welt reist. Beruhigung schaffen könnte dabei wohlgemerkt die Qualität des jüngsten Albums ‘Odditorium Or The Warlords Of Mars’.

“‘Warlords’ ist das erste Album, auf dem wir uns nicht bemüht haben, etwas Neues zu machen”, übernimmt Taylor-Taylor wieder. “Stattdessen wollten wir einfach die Musik machen, die uns ganz natürlich liegt.”

Womit sich zum einen so manche Ähnlichkeit zu den größeren Momenten des Warhols-Backkatalogs erklären lässt – ‘Holding Me Up’ erinnert in seiner Struktur an das großartige ‘Godless’, der Übersong ‘All The Money And The Simple Life Honey’ mit seinen Bläsern hätte dem 2000er ‘Thirteen Tales From Urban Bohemia’ ebenfalls bestens gestanden – zum anderen wundert man sich gleich nicht mehr ganz so sehr, dass die ersten beiden Songs des Albums zusammen auf über 15 Minuten Spielzeit kommen und das Ganze trotzdem keineswegs angestrengt wirkt.

Taylor: “Das lag an unserem Studio, dem Odditorium. Es gibt keinen cooleren Platz auf der Welt, wir haben da alles, was du dir nur vorstellen kannst. Sogar einen Basketballplatz. Dort gehen wir nie wieder weg!”

Text: Friedrich Reip