Surpreme-Emblems, Nike Air Yeezys und Snapback Caps — Cros Hipster-Rap-Symbolik ist auf keinen Fall eine neue Idee. Höchste Zeit also nachzufragen, wie er das Game trotzdem gewonnen hat. 

Schon klar — mit den grauen Betonklötzen, aus denen sich Sido, Bushido und Konsorten vom Bordstein hoch in die Skyline rappten, hat Cro herzlich wenig zu tun. Der Stuttgarter Emporkömmling macht poppigen Rap (oder eben “Raop”, wie er sein Genre kunstwörtlich betitelt) und liefert mal eben den sommerlich-unbeschwerten Soundtrack für eine stets leicht gelangweilte, jugendliche Oberschicht.

Cros hippes Klientel gilt als markenorientiert und auf ähnliche Oberflächlichkeiten fixiert, weil es eigentlich alles zum Leben hat. Was zählt, ist Dekoration, man könnte es ‘Cromance’ nennen, davon erzählt nicht nur Cros Klangsprache, sondern auch die Texte vom Debüt “Raop”. Der junge Rapper schmückt seine Lyrics mit unaufdringlichen Zeilen á “Ich brauch’ nicht viel im Leben, außer das Supreme-Emblem” oder “Alles was ich von euch will ist ein: Oh Yeah!“, die eben eher den Eindruck vom wunschlos glücklichen Twen wiedergeben, als ein Bild des kaputten Vorstadtganoven. Passend also, dass Cro schon in unserem Interview spontan reimte: “Ich bin frei und habe Spaß dabei“.

Cro – “Easy”

motor.de: Es gibt ja schon ein paar Maskenmänner da draußen. Paradox dabei: inkognito seid ihr erst, sobald ihr die Maske abnehmt. Wie fühlt es sich seit 20 Millionen YouTube-Klicks für dich an, ohne Pandagesicht durch die Stadt zu laufen?

Cro: Krass fühlt es sich an. Heute im Flugezug gab es eine komische Situation. Der Typ in der Reihe neben mir hatte Flugangst und ist total durchgedreht. Sein Sitznachbar meinte nur “Bleib mal easy, ea ea, mh mh” und hat das Lied gesungen. Ich dachte mir nur ‘Wenn ihr wüsstet…’. 

motor.de: Juckt’s dir dann nie in den Fingern, einfach alles aufzulösen?

Cro: Nee, ich bin eher der Typ, der dann in sich hinein lacht und cool bleibt. Derzeit gibt es auch noch keine Pläne, mein Gesicht zu zeigen.

motor.de: Sidos Maske ist auch irgendwann gefallen…

Cro: Stimmt, dem war es wichtig sein Privatleben zu schützen. Und die Objektivität — Sido wollte, dass sich die Leute auf seine Musik konzentrieren und nicht auf sein Gesicht. Oder seine Freundin. Wie heißt die Neue?

motor.de: Charlotte Engelhardt. 

Cro: Ja, die Pro7-Moderatorin! Hm, die hat irgendwie auch keinen Swag. Aber es geht ja auch nicht um Swag.

motor.de: Eben, wer hat schon Swag. Odd Future vielleicht? Jay-Z? Supreme?

Cro: Jupp, mag ich. Von denen haben wir uns auch inspirieren lassen. Supreme feier ich. Klar ist das alles geil, Odd Future ist eine coole Gang, die in Amerika vielleicht auch gerade eine gewisse Vorbildfunktion einnimmt. Aber Leute wie Jay-Z werden die nie erreichen. Jigga war einfach schon immer da, seitdem ich denken kann.

motor.de: Würdest du sagen, der Jay-Z deiner Heimat ist Smudo?

Cro: Mit den Fantastischen Vier bin ich aufgewachsen, mit denen hat damals alles angefangen, klar. Aber auch Typen wie Deichkind oder Clueso fand ich cool. “Bon Voyage” ist einfach der Hammer und zu Clueso habe ich mich mit ein paar Comics hingechillt. Heute machen die natürlich ganz andere Sachen, die ich nicht mehr unbedingt hören muss. Next!

motor.de: Dann reden wir eben über Comics — Marvel oder DC?

Cro: Marvel natürlich! Aber ich bin ja auch irgendwie ein Superheld. Einer, der nachts die Maske aufhat und die Welt rettet. Und sonst der normale Typ, von dem tagsüber keiner was wissen will.

motor.de: Was für Superkräfte hast du?

Cro: Ich habe die Macht, krasse Terrorbars zu spitten! Nein, aber mein Lieblingscomic ist zum Beispiel Batman. Gerade, weil er eigentlich ein normaler Typ ist, der halt superreich ist, geile Maschinen und Waffen hat, aber keine übertriebenen Superkräfte. Hulk ist mir schon wieder zu krass. Und Superman zu amerikanisch. Nein, die schwarz-weißen Batman-Comics, die sind die besten.

Cro – “Meine Zeit”

motor.de: Wann haust du eigentlich ab, nach Washington D.C.?

Cro: Ich war ehrlich gesagt noch nie dort. Ich würde auch nicht da leben wollen. Aber irgendwann fliege ich hin, kaufe mir einen olivgrünen Mustang oder einen Wohnwagen und brettere die Route 66 runter. Kalifornien und Florida sind da meine Traumziele … ey, da war der Bär! (zeigt auf einen großen Typen)

motor.de: Welcher Bär?

Cro: Der Türsteher von gestern, der uns nicht ins Ritter Butzke lassen wollte. Ich glaube der Club war voll — oder auch wir, je nach dem.

motor.de: Warum bist du nicht reingekommen?

Cro: Wir waren ein Haufen betrunkene Jungs und wollten durch den Hintereingang rein. Der eine Typ von uns hat plötzlich rumgebrüllt “Ey, wisst ihr überhaupt, wer wir sind? In Stuttgart wäre das nicht passiert!!” Ich dachte mir nur “Scheiße…” und habe gehofft, dass er endlich die Klappe hält.

motor.de: Kennt man dich denn in Stuttgart?

Cro: Auch nicht. Nur meine Freunde. Manchmal postet zwar einer ein altes Foto von mir und schreibt drunter “LOL wow, Leute, das hier ist Cro!” oder jemand knipst mich heimlich, aber das bekommt dann zum Glück nie genug Likes. Weil meine Freunde mich ja auch schützen.

motor.de: Warum ist Stuttgart besser als Berlin?

Cro: Ich mag die Berliner Schnauze und die direkte Art der Berliner. In Stuttgart ist eben alles ein bisschen chilliger, was mir gefällt. Es ist auch nicht gerade eine stressige Hochburg der Kreativen. Aber ich muss nicht ständig in Berlin sein und arbeiten. Es reicht, wenn ich einmal im Jahr eine Woche in Berlin arbeite und den Rest des Jahres wieder in Stuttgart abhänge.

motor.de: Mit deiner Freundin?

Cro: Nee, ich habe keine Freundin. Ich bin gern allein. “Easy” habe ich in einer einzigen Nacht einsam am Computer geschrieben. Dann kam aber mein Bruder mit seiner Freundin rein. Ich meinte nur “verdammt, Leute, setzt euch hin und hört mal zu“. Der Rest ist Geschichte und ich glaube nicht, dass sich das Gefühl von “Easy” jemals wiederholen lässt. Ich bin jetzt ein sexy, junger, wilder Single und gewaltbereit. Nein, nur Spaß — ich bin frei und mache, worauf ich Bock habe. Das ist alles.

motor.de: Also null Stress für Carlo?

Cro: Doch, es geht die ganze Zeit ab — Festivals, Bandprobe, Interview-Marathon, Videodreh, Promo für das Album. Alles ist gerade ein bisschen unreal. Aber ich spiele einfach mit. Oder anders: Cro spielt mit und Carlo chillt. Für Carlo interessiert sich ja eigentlich kein Mensch. Das ist ganz schön angenehm, denn Carlo bin ich ja zu 98% meines Lebens.

motor.de: Was wäre eigentlich, wenn Bobby Hepp von “Easy” erfahren hätte?

Cro: Der würde sich wahrscheinlich im Grabe umdrehen. Aber im Video sind lauter Chicks, diese kamerageilen Mädchen hätten ihm bestimmt gefallen.

motor.de: Du hast aber auch weibliche Fans.

Cro: Klar und ich glaube ja, dass Frauen mindestens genauso sehr auf Brüste stehen wie Männer. Und deshalb funktioniert das “Easy”-Video so gut. Männer finden es geil, Frauen finden es geil. Das ist das Geheimnis.

Lest »hier unsere Rezension von “Raop”!

Interview, Text & Foto: Josa Valentin Mania-Schlegel
(Foto links: Delia Baum)