Hippes gibt es nur im Big Apple, Neues nur im Vereinigten Königreich. New York und London, die einzigen Jungbrunnen der Musik und Erhalter der musikalischen Weiterentwicklung. Vielleicht damals. Heute tanzt der Tanzbär auch ganz gut in anderen Städten, dass beweisen nicht zu letzt imposante und innovative junge Bands aus Berlin, Paris und, man höre und staune, Kopenhagen. Zu nennen wären an dieser Stelle The Fashion, Moon Gringo und Tiger Tunes. Und eben auch die Wahl-Kopenhagner Dúné, die nun schon seit vier Jahren im dänischen Untergrund brodeln. Aber immer der Reihe nach.

Begonnen hat die Geschichte von Dúné im kommunalen Krankenhaus von Skive. Hier erblickten 1989 die beiden Knilche Malte und Cille (eigentlich Anne Cecilie) das Licht der Welt. Sechs Monate später treffen sie persönlich auf einander. Im örtlichen Schwimmbad beim Babyschwimmen.

Zeitblende auf Gegenwart:

Es ist 2001. Mattias, Malte und Simon gehen noch brav zur Schule. Doch anstatt den Hausaufgaben zu folgen wird fleißig an Gitarre, Klavier und Bass geübt. Irgendwann haben es die drei dann satt, ihre Instrumente nur daheim spielen zu dürfen, die eigene Rockband muss her. Gesagt, getan. Komplettiert wird die Formation kurze Zeit später durch Cille, die inzwischen singt, Klavier und verdammt gut Gitarre spielt, sowie den aus Polen stammenden Gitarristen Piotrek. Dabei ist es weniger hinderlich, dass letzterer vorerst kein Wort dänisch sprechen.

Wenig später wollen die fünf Freunden und Verwandten das Produkt der gemeinsamen Musikmacherei präsentieren. Es wird das erste Konzert gespielt, im älterlichen Wohnzimmer, versteht sich. Daraufhin folgen Auftritte in Skive und Umgebung. Bei einem dieser trifft die Band auf eine ebenfalls viel versprechende dänische Nachwuchsformation mit Ole und Danny als Frontmännern. Aus der anfänglichen Aversion wird schnell eine tiefe Freundschaft. Grund sind unter anderem der gleiche musikalische Nenner, der von Kraftwerk, über New Order bis hin zu Gang Of Four reicht. Beide spielen fortan als Gastmusiker in der Band. Als sich dann noch die Konkurrenzband auf löst, wird Dúné geboren.

Endlich zu einander gefunden, schließt sich die Band im heimischen Proberaum ein und feilt emsig am eigenen Sound. Dieser wird 2004 erstmalig dem wartenden Publikum präsentiert. Der einstimmige Kritiker-Kanton: Außergewöhnlich großartig. Die Zuschauer und Auftritte im Umland mehren sich. Und das, obwohl keiner in der Band einen Führerschein besitzt.

Den ersten großen Live-Erfolg feiert die Band, als sich im Vorprogramm von Eddie Argos seinen Art Brut spielen dürfen. Es folgen Konzerte mit The Fashion, Moon Gringo und Tiger Tunes. Letztere steuerten auch einen Remix für die erste Dúné-EP bei.

Gepresst werden die Lieder auf zwei selbst finanzierten EPs, die schnell große Wellen schlagen. Vorerst bei Fans, wenig später auch Musikkritikern wie Kristian Riis von der dänischen Musikinitiative Music Export Denmark: „Die EPs sind der Grundstein für eine lange und vielversprechende Karriere in Dänemark und international. Trotz ihrer Jugend haben Dúné es geschafft, ein stabiles Bandgefüge zu errichten und ihre Musik klingt frisch und aufregend.“ Davon überzeugen sich Anfang 2006 auch die Besucher des ausverkauften Spot Festivals, einem der größten Musikfestivals Dänemarks.

Die Mund-Propaganda geht weiter. Im selben Jahr rezensiert Dänemarks wichtigste Musikzeitschrift Gaffa die Band mit sechs von sechs Sternen. Ähnlich euphorisiert bewertet Soundvenue Dúné. Es folgen weiterer umjubelte Konzerte wie das auf dem legendären Roskilde-Festival.

Mitte des Jahres werden Dúné zur Band der Woche im vielbeachteten Newsletter des US-Branchendienstes A&R Worldwide. Es schließt sich Radiorotation im britischen, amerikanischen sowie deutschen Radio an.

Im September geht es für drei Konzerte nach London. Kaum wieder daheim, erfahren sie von der Nominierung für den „Gold Awards” des Nationalen Dänischen Rundfunks in Kopenhagen in der Kategorie “Best New Talent” sowie dem Live-Auftritt bei der Preisverleihung. Hier stellt die Band ihre neue Single „Bloodlines“ vor. Ein Elektro-Indie-Rock Monster irgendwo zwischen Bloc Party und Daft Punk.

Der Auftritt wird zum großen Erfolg. Die Band entert die TV-Video-Charts „Liga.dk“ und Download-Portale des Landes – inklusive iTunes. Dennoch bekommt die Band vom wachsenden Ruhm nur wenig mit, da sie sich zusammen mit dem britischen Produzenten Mark Willis (The Blue Van u.a.) in einem kleinen Studio in Randers verbarrikadiert haben. Das langersehnte Debütalbum steht auf dem Plan.

Die Arbeiten halten bis Frühling 2007 an und werden nur vom Eurosonic Festival Auftritt in Holland unterbrochen. Zur selben Zeit unterschreibt das Dúné-Hauslabel Iceberg Records eine Lizenz-Vereinbarung mit SONY BMG, um Dúné in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu veröffentlichen. Es folgen eine Reihe von umjubelten Konzerten.

Im April geht es nach Los Angeles. Hier spielt die Band beim wichtigen Branchentreff MUSEXPO. Ende Mai erscheint in ihrer Heimat das geschätzte Dúné-Debütalbum „We Are In There, You Are Out There“.

Hans Erdmann

Im August 2009 veröffentlichen Dúné ihren Zweitling “Enter Metropolis”. Das Werk ist beeinlusst von ihrem Umzug nach Berlin, dem Leben in der Großstadt und – wie sollte es auch anders sein: vom Erwachsenwerden.