“Es Kommt Immer Alles Anders”
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“Die Elektronik war zur damaligen Zeit passend, und ich stehe auch auf solche Musik, aber eigentlich bin ich immer ein Indie-Gitarren-Kind gewesen.” So spricht Elke Brauweiler und erklärt damit, warum auf ‘Ruhig Blut’, dem vierten Album von Paula, plötzlich rockige Gitarren-Riffs wichtiger sind als kühler Elektro-Pop. Wer die Berliner Band in den vergangenen fünf Jahren, seit es mit ‘Als Es Passierte’ viel versprechend losging, allerdings mal live gesehen hat, dürfte nicht allzu überrascht sein von Elkes rockiger Seite. Und so findet auch sie den neuen Paula-Sound leicht nachzuvollziehen: “Wir haben ja die ganzen Jahre sehr viel gespielt, und da waren wir schon lange mit einer richtigen Bandbesetzung unterwegs. Wer uns zum ersten Mal live gesehen hat, war meist verwundert, wie rockig wir auf der Bühne waren. Uns hat das immer sehr viel Spaß gemacht, und das wollte ich nun auch auf Platte umsetzen.”

Verschreckt werden die Fans von den neuen Songs ohnehin nicht, wie auch die erste Single ‘Es kommt immer alles anders’ beweist: Elke singt bezaubernd wie eh und je, die wunderbaren Melodien finden leichtfüßig ihren Weg in jedermanns Ohr und der Pop-Faktor spielt – zumindest auf der CD – noch immer eine nicht zu leugnend große Rolle. Kein Wunder, ist doch für gut die Hälfte der Songs einmal mehr Berend Intelmann zuständig (daneben haben u.a. Der Dünne Mann und Jovanka von Willsdorf von den Quarks ihre Hilfe beigesteuert), sowohl was das Schreiben als auch das Produzieren angeht. Ansonsten haben aber hat sich die ehemalige zweite Hälfte Paulas zurückgezogen. “Im Laufe der Jahre hat sich einfach herausgestellt, dass Berend am liebsten Produzent ist und ganz gerne im Studio herumbastelt oder sein Schlagzeug einspielt. Videodrehs oder Foto-Shootings waren dagegen nie sein Ding. Außerdem hatte er in der Zwischenzeit mit seiner aktuellen Freundin noch das Projekt Guther, für das er gerade ein zweites Album aufnimmt, und so hat er irgendwann gemerkt, dass er gar nicht mehr so viel Lust auf Paula hatte”, erzählt Elke.

Und so wurde aus Paula eine richtige Band, mit Elke als Frontfrau, zwei Gitarristen, einem Bassisten und einem Schlagzeuger. Ganz neu, unter einem anderen Namen noch einmal neu zu beginnen, kam für Brauweiler allerdings nicht in Frage: “Ich weiß, wie schwer es ist, sich zu etablieren und einen gewissen Namen zu haben. Ich hätte also vielleicht ganz von vorne anfangen müssen, und davor habe ich durchaus Angst. Außerdem will ich den bisher eingeschlagenen Weg noch ein Stückchen weiter gehen und es noch mal wissen. Denn da sollte schließlich noch ein bisschen mehr drin sein.”

In der Tat ist Paula der ganz große Durchbruch – unverdienterweise – noch immer nicht gelungen. Die Medien schenkten zunächst Mia. und 2raumwohnung wesentlich mehr Aufmerksamkeit, und der von Wir Sind Helden und Konsorten ausgelöste Deutsch-Pop-Boom begann erst, als Elke und Co. nach ‘Warum Berlin’ 2002 eine Pause einlegten. “Wir waren irgendwie immer ein bisschen der Zeit voraus”, findet auch Elke. “Aber ich denke, dass wir dieses Mal wirklich zur rechten Zeit da sind – mit einem Album, das einen wirklich zeitgemäßen Sound hat. Ich hoffe also, dass das wirklich hinhaut. Lust habe ich jedenfalls total und will auch alles geben. Es ist nun mal das vierte Album, und ganz ehrlich: es geht jetzt langsam um die Wurst.”

Text: Patrick Heidmann