Der aufsteigende Producer und DJ Jon Hopkins hat eben sein Album "Immunity" herausgebracht. Die Video-Auskopplung "Open Eye Signal" fanden wir so spannend, dass wir uns kurzerhand mal zum Interview verabreden mussten. Was Jon über die von ihm produzierten Filmsoundtracks, Zusammenarbeiten mit The XX, Pet Shop Boys und Coldplay sowie über seinen Longplayer "Immunity" zu erzählen hat, lest ihr im Interview.

(Fotos: Steve Gullick)

motor.de: Was ist der Grund deines Berlin-Besuchs?

Jon: Ich habe heute hier eine Show, morgen muss ich schon wieder nach London zurück. Da bin ich im Line-Up einer The XX-Show. Über die Anfrage habe ich mich sehr gefreut. Aber der Flug geht schon um sechs früh…

motor.de: Du hast eben dein Album „Immunity“ herausgebracht. Wurde das Release von deinen Fans gut aufgenommen?

Jon: Ja, sehr gut. Besser als alle anderen, die ich bis jetzt herausgebracht habe.

motor.de: Wie war das konkrete Feedback?

Jon: Die erste Hälfte des Albums ist vielleicht etwas sehr direkt. Aber Leute, die mehr auf die tanzbaren Sachen stehen, finden auf der Scheibe sicher auch ihre Lieblinge. Ich habe auf der Platte einfach mal gemacht, was ich wollte, und ich bin froh, dass es trotzdem sehr gut angenommen wird.

motor.de: Du sagst, du hast gemacht, was du wolltest, was ist denn die große Idee hinter "Immunity"?

Jon: In Wirklichkeit habe ich kein großes, allumfassendes Konzept. Es ist abstrakt. Das entspricht meiner Peron eher. Das Album, das bin ich, wie ich Stationen meines Lebens interpretiere. Deswegen ist es streckenweise so hypnotisch und transzendent, weil ich diese Gefühle in mir trage.

motor.de: Wie kommen deine musikalischen Einflüsse zustande?

Jon: Ich lasse mich auf meinen regulären Releases sehr durch meine Arbeit für Film-Soundtracks beeinflussen. Die elektronischen Einflüsse wiederum sind Sachen, die ich schon immer sehr gern höre. Die Platten, die von Border Community veröffentlicht werden, finde ich zum Beispiel sehr gut. Ich beschäftige mich aber nicht nur mit Veröffentlichungen aus dem technoiden Bereich, sondern interessiere mich zum Beispiel auch sehr für Post-Rock.

motor.de: Das ist ein breites Feld, deine Score zu „Monsters“ geht nochmal in eine andere Richtung.

Jon: Ja, das stimmt. „Monsters“ war meine erste Score, ich habe mich inzwischen auf dem Gebiet stark entwickelt und noch zwei weitere Scores gemacht. Die sind noch nicht veröffentlicht und kommen später in diesem Jahr heraus.

Motor.de: Zu welchen Filmen denn, wenn ich fragen darf?

Jon: Einer heißt „How I live now“. Der kommt im September in die Kinos. Den anderen kann ich noch nicht verraten, der ist noch nicht angekündigt. An die Arbeit zu „Monsters“ erinnere ich mich noch sehr gern, so ein erstaunlicher Film. Als Gareth Edwards mir die Sachen zeigte und mich fragte, ob ich dabei wäre, musste ich nicht lange überlegen. Es ist nicht nur so, dass ich denke, dass das ein starker Film ist – nein, der Film lässt idealer Weise sehr viel Platz für Musik.

 

motor.de: Bist du denn ein großer Film-Fan?

Jon: Ja das bin ich, es ist nicht einfach so, dass ich…

motor.de: Nenn uns doch mal bitte drei deiner Lieblings-Filme.

Jon: Puh… Twin Peaks, definitiv Twin Peaks, Mullholland Drive und O brother where art thou.

motor.de: Das kommt aus der psychedelischen Richtung. Sehr verrückte Filme.

Jon: Ja, genau sowas mag ich.

motor.de: Bevorzugst du denn auch psychedelische Arbeitsweisen?

Jon: Hahaha, nein, ich reiß mich zusammen. Ich habe schon andere Arten des Arbeitens ausprobiert. Aber es scheint so, dass ich da nicht soviel zustande bekomme. Irgendwie…

motor.de: Du denkst dann, du bist ein Superstar, aber in Wirklichkeit bleibt viel liegen am Ende des Tages?

Jon: Ja, das ist eine gute Zusammenfassung. Ich habe herausgefunden, dass, wenn du Musik mit einem klaren Verstand erledigst, es möglich ist, sie auch noch gut zu finden, wenn du keinen klaren Kopf mehr hast. Irgendwie stimmt dann alles mehr. Alles ist, wie es sein muss.

motor.de: In der Vergangenheit hast du mit großen Namen zusammengearbeitet, wie zum Beispiel Coldplay. Bitte erzähl uns etwas über die Projekte, in die du jetzt gerade involviert bist.

Jon: Gerade bin ich sehr auf meine eigenen Sachen fokussiert. Aber eben erst habe ich einen Track mit Hayden Thorpe von den Wild Beasts aufgenommen. Dann kommen ja noch die Scores. Das ist schon Einiges. Die restliche Zeit bin ich wie gesagt auf meine Solo-Sachen fokussiert.

motor.de: Ich habe gelesen, in deiner Kindheit warst du ein großer Fan der Pet Shop Boys und Depeche Mode.

Jon: Uh, da hast du recht, ja das stimmt, definitiv.

motor.de: War das der eigentliche Einfluss, der dich zur elektronischen Musik gebracht hat?

Jon: Ja!! Und grandioser Weise habe ich vor zwei Tagen den Support auf einem Pet Shop Boys Konzert gemacht! Unglaublich.

motor.de: Das war sicher eine große Ehre für dich.

Jon: Ja, sie haben mich persönlich gefragt, ob ich das machen kann. Eine riesige Ehre. Es war in der o2-Arena in London. Das war alles sehr surreal für mich. Sehr viele Leute, sehr riesig.

motor.de: Gab es noch andere solch wichtiger und großer Live-Erlebnisse für dich in deiner Vergangenheit.

Jon: Das erste Mal, als ich bei einem Coldplay-Konzert den Opener gemacht habe. Das war 2008. Meine erste große Show in den USA, und dann gleich im Madison Square Garden… Damals kannte mich keiner in Übersee.

motor.de: Und wie war das Feedback?

Jon: Das kann ich nicht mal mehr sagen, weil alles so surreal war. Definitiv eine wichtige Stufe in meiner musikalischen Entwicklung. Ich habe da sehr auf mich aufmerksam machen können.

motor.de: Du hast uns erzählt, dass du dich gerade sehr auf deine eigenen Pläne fokussierst. Was hast du denn dieses Jahr geplant?

Jon: Ich werde sehr viel touren. Werde viel in den USA sein. Es kommen noch mehr Singles, mehr Remixe.

motor.de: Deine Musik ist immer zwischen zwei extremen Polen: sehr tanzbar, wie in „Open Eye Signal“ und total chilled out, wie bei „Immunity“, deinem Album-Titel-Track. Was ist die richtige Stimmung, um deine Musik zu hören?

Jon: Bei einzelnen Tracks? Da sind ja Clubstücke dabei, die sollten über eine kräftige Anlage laufen. Wenn du aber von dem Album als Ganzem redest: Da solltest du auf jeden Fall für dich sein. Ich mag es zum Beispiel sehr, Musik über Kopfhörer zu hören. Das Album ist eine Reise, eine Geschichte, und der sollte man gut zuhören.

motor.de: Du bist ein Kopfhörer-Fan, welche benutzt du denn?

Jon: Ich benutzte die Sennheiser HD 25 SP. Die sind nicht sonderlich teuer, ich komme mit denen aber super klar, ich habe das halbe Album auf denen gemischt. Kopfhörer haben für mich eine gute Range. Natürlich muss man dann nochmal über Monitor-Boxen ran. Aber da ich viel unterwegs bin, bin ich schon Kopfhörerfan, ja.

motor.de: Machst du denn auch deine Musik teilweise am Laptop auf Tour?

Jon: Nein, immer im Studio. Der Grund ist, dass ich die Sachen selbst einspiele.

motor.de: Hast du zur Unterstützung Sessionmusiker?

Jon: Nein. Auf Immunity sind ja nur Piano und Synths. Die sind von mir.

motor.de: Spielst du die Instrumente im Track durch, oder pickst du dir einzelne Stellen, die du loopst?

Jon: Das ist gemischt. Aber ich habe kein Problem damit, auch lange Strecken zu spielen, ich trete schließlich auf der Bühne mit live gespielten Sachen auf.

motor.de: Sag mal, Du bist doch 1979 geboren. Was war deine Lieblings TV-Serie in den 80ern und 90ern?

Jon: Knightmare. Das ist eine britische TV-Serie, in der es um virtuelle Realitiät geht. Das habe ich jede Woche gesehen.

motor.de: Haha, ja das hätte man sich denken können, dass du so eine Serie feierst. Der Star deiner Single "Open Eye Signal" ist ebenfalls ein Jugendlicher auf Reise. Warum genau ein Skater?

Jon: Das kann ich so gar nicht sagen, ich habe das Video nicht gedreht. Thematisch passt das aber sehr gut! Meine Musik ist auch eine Reise, und im Video geht es auch um dieses Vorankommen. Dieses Umherdriften ohne wirkliches Ziel. Der Weg als Ziel. So klingt der Track. So klingt meine Musik.

John Sauter