Ja, uns gefällt was die vier Kölner Jungs so tun. Ihr Erstlingswerk “Viel Zu Stürmisch, Viel Zu Laut” kann man jetzt in den Plattenläden finden – und damit ihr wisst, was Euch auf dieser Scheibe erwartet, streamen wir für Euch an dieser Stelle jeden Tag zwei Songs aus diesem Album.

Wir haben ja schon oft über diese Band geschrieben und berichtet. Der erste Spross des Motor-Relaunchs begeisterte in der Vergangenheit nicht nur durch die Veröffentlichung ihrer “Unterwegs” EP, sondern zusätzlich durch etliche Konzerte, die das Publikum regelmäßig in ausgelassene Euphorie versetzten. Für alle, die mit dem Bandnamen immer noch nichts anfangen können, hier noch mal die Kurzzusammenfassung.

Dorfdisko, das sind Peer, Daniel, Volker und Marc. Zu viert sind sie eine junge Band aus Köln, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, das Land in ihrer Muttersprache zu erobern. Weit entfernt von Deutschtümelei oder verschrobener Heimatverbundenheit besingen sie neben großen Gefühlen wie Leben, Liebe oder Sehnsucht auch die eher trivialen und kleinen Dinge des Alltags. Die Band wirkt weder plakativ oder belehrend, noch bieten sie ihrem Zuhörer eine Blaupause für den perfekten Lebensentwurf. Mit ‘Viel Zu Stürmisch, Viel Zu Laut” veröffentlicht das Quartett dieser Tage sein Debüt. Grund genug für eine kleine Bestandsaufnahme.

Soeben absolvierten Dorfdisko eine 14-tägige Tour durch die Republik, da stehen auch gleich das nächste Festival und die Veröffentlichung der neuen, ersten Platte ins Haus. Als ich Peer und Daniel in Berlin treffe wirken sie etwas müde und abgespannt. Vor kurzem erst aus München gelandet, bleibt ihnen nur ein Tag in Berlin, bevor es dann weiter geht zum Berlinova Festival. Bleibt die Frage, ob die von ihnen besungene Romantik des “Unterwegs” sein nicht irgendwann auf der Strecke bleibt? Daniel grinst: “Nein, ganz im Gegenteil. Die Musik reift total. Nach ein paar Gigs hat man das Gefühl, schon ewig zu spielen. Da sitzt alles. Jeder Anschlag, jeder Einsatz. Dadurch kann man sich auf der Bühne einfach mehr auf den Moment einlassen. Natürlich ist es hier und da etwas stressig. Wir hatten ja keinen freien Tag und dazu noch extrem lange Strecken zu fahren. Das kann schon schlauchen, aber es gehört einfach dazu. Eigentlich waren die Erfahrungen der Tour durchweg positiv. Gerade Klee als Vorband hat mich echt umgehauen.”

So rasant wie die Tour, so rasant verlief auch die generelle Entwicklung der Band. Kaum gegründet wurde Tim Renner auf sie aufmerksam und holte sie nur kurze Zeit später ins Boot seines gerade erst wiederbelebten Labels. Es folgten Aufnahmen mit Erdmöbel Veteran Ekki Maas und kurz darauf die Veröffentlichung des ersten musikalischen Lebenszeichens. Das perfekte Pop-Märchen?
“Wir erleben gerade eine wirklich schöne Zeit. Vor zwei Wochen haben wir im Rockpalast ein Bootleg-Konzert gespielt. Vor ziemlich genau zwei Jahren stand ich bei so einem Konzert noch als Gast im Publikum. Plötzlich steht man dann selbst auf der Bühne. Das ist schon toll.”

Die beiden machen nicht den Eindruck, als würden sie auswendig gelernte Sätze wiederkäuen um unter keinen Umständen einen Gesichts Verlust zu erleiden. Sowieso scheinen sich nicht viel auf Szenezwänge oder Image zu geben. Es liegt ihnen mehr sich über ihre Musik und das anstehende Album zu unterhalten. Beide scheinen zu wissen, dass ihnen mit diesem Silberling ein außerordentlich gutes Stück Pop gelungen ist. Elf Songs, die vor allem durch Abwechslung und Lebensfreude zu bestechen wissen. Auf dem Album finden sich neben schnelleren Stücken wie ‘Schreien Wir Zusammen’ auch langsamere Songs wie das finale ‘Erinnerjung’ oder Ohrwürmer wie ‘Unterwegs’. Trotz dieser Vielfalt bleibt ‘Viel Zu Stürmisch, Viel Zu Laut’ im Nachgeschmack angenehm homogen.
Sich nicht auf eine Richtung festlegen zu wollen, ermöglicht es der Band dabei, ein extrem breit gefächertes Publikum zu erreichen. Insbesondere die Erfahrungen der Tour scheinen dies zu bestätigen: “Das geht von elf bis 55. Da steht dann auch schon mal der Papa mit seinem Kind vor der Bühne. In Osnabrück hatten wir eine Unterhaltung mit einem Vater, der seine Kinder gerade zu irgendeiner Schaumparty gefahren hatte, und auf unseren Gig eher zufällig aufmerksam wurde. Natürlich geht es auch danach, in welchen Clubs man spielt. Es gibt Läden, da ist das Publikum eher über 30, und dann gibt s es andere Clubs, deren Kundschaft deutlich jünger ist.”

Dorfdisko scheinen bei Konzerten wie auf Platte vor allem eins zu wollen: Den Einzelnen erreichen. Es geht ihnen nicht darum, Wahlkampf für ihre Band zu machen. Vielmehr um eine Stimmung, die den Leuten eine gute Zeit beschert. Dass ihre Art von Musik in letzter Zeit wieder voll im Trend liegt, sehen sie dabei eher gelassen: “Wir wollen nur den Eindruck vermeiden, wir hätten uns nach einem Hype gerichtet, oder wären gar gecastet worden. Als wir anfingen, Musik zu machen und Stücke zu schreiben, da gab es diesen Trend noch gar nicht. Das entwickelte sich ja erst vor gut einem Jahr, als Wir Sind Helden plötzlich große Erfolge feierten. Wir haben davor ja auch schon deutschsprachige Musik gemacht. Zwar jeder für sich, aber das ist ja egal.”
Man glaubt es ihnen. Und eigentlich sind die Jungs auch viel zu sympathisch, um Böses im Schilde zu führen. Bleibt nur zu hoffen, dass ihre Glückssträhne auch weiterhin anhält. Zu wünschen wäre es ihnen.

Text: Benedikt Dominik