Tief im Kinosessel versunken – die Popkorntüte ist schon wieder halb leer, weil die Werbung so endlos ist – kann es passieren, dass einen das ungute Gefühl beschleicht, deutsches Kino wird von einer riesigen Berlin-Marketing-Mafia beherrscht. Es scheint, als käme derzeit kein Drehbuch ohne Berliner Problembezirk (gerne gewählt sind Neuköln oder Kreuzberg), allein-erziehende Prenzlauerberg-Mutter und revolutionierende Großstadtgöre aus. Ein Armutszeugnis?

Nein! (mit drei Ausrufezeichen) Ab dem 02. August präsentiert Oliver Rihs mit „Schwarze Scharfe“ seine persönliche Berlin-Zelluloid-Hymne. Ein Film, der trotz bekannten Ideen unterhält und Spaß macht. Woran das liegt? Schlicht und einfach an der Authentizität des Films und der Stadt Berlin. Wo sich andere Städte hinter festen Fassaden und Masken verstecken können, glänzt unsere Hauptstadt mit spröder Ehrlichkeit.  Berlin hat wenig Ähnlichkeit mit der Härte und Coolness von London, der glamourösen Aufschneiderei von New York und schon gar nicht mit der musealen Arroganz von Paris. Berlin ist einfach Berlin, nicht mehr und nicht weniger, oder anders gesagt: „Poor but sexy!“. Und nur hier geschehen Geschichten, die geschmacklos, schnoddrig, neurotisch, hässlich, naiv und doch irgendwie sehr charmant sind.

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„Seit wir in Berlin leben, hatten wir den Wunsch, einen kleinen, punkigen Episodenfilm zu drehen, der sich über den schmierigen, sumpfigen Geist dieser Stadt mal so richtig gemein und voller Zuneigung lustig macht.“

Damit das gelingt, gab Regisseur Oliver Rihs seinen fünf Autoren kurze Inputs, wie in etwa der Film auszuschauen hat – Angaben zu den Charakteren und Bezirken, in denen ihre Episoden spielen. Herausgekommen sind fünf Episoden voller Irrwitz und Wahrhaftigkeit: Boris täuscht vor, ein reicher Porschefahrer zu sein und erschleicht sich so eine Luxushotelsuite und geilen Sex mit einer Vogue-Redakteurin. Breslin und Julian (gespielt von Robert Stadlober und Tom Schilling ) wollen eine linksalternative Agentur für Arbeit ohne Geld für ihre Wohnungsrenovierung ausnutzen, werden aber selbst eingezogen. Robert Thalheims spielt einen Penner, dessen Freundin touristische Spreerundfahrten führt und sich vor reichen Studienkollegen als Luxusschnepfe aufspielt. Eine Türkengang geriert sich als dauergeile Machos und sucht den ultimativen Fick, kann insgeheim aber doch nichts mit dem weiblichen Geschlecht anfangen. Schließlich ist da noch Fred, ein Satanist, der aber am liebsten daheim die Kelly Family hört und seine Oma pflegt.

Exklusiver Filmausschnitt aus “Schwarze Schafe”

Die Schwarze-Schafe-Stadt erhält mit diesen fünf Episoden von Außenseitern und Aussteigern sein cineastisches Pendant. Ein Low Budget Film, der selbst unter all den „Shreks“ und „Harry Potters“ dieser Welt ein schwarzes Scharf im Kinobetrieb zu sein scheint. Schnell gedreht, mit willkürlich gewählten Farbtupfern im sonst grauen Schwarz-Weiß. Ein Film, der trotz finalem Exzess (u.a. gibt es Analsex zwischen Enkel und komatöser Oma) frisch und erfrischend und witzig und gewitzt ist, sich ganz unbekümmert auf den eigenen Spaß konzentriert. Wieso? Weil er ganz genau hin sieht, auf das kleine Leben der Subkulturen.

Text: Hans Erdmann