Die Idee, gemeinsam eine Band zu gründen, kam Sänger Gogo, Gitarrist Yensin und Bassist Shorty schon 1994 während einer Reise durch die USA im kalifornischen Weed. Zurück in Berlin trafen sie Drummer Kayki, doch erst 2000 komplettierte Keyboarder Oli die Band, so dass sich Mamasweed mit Produzent Moses Schneider an die Aufnahmen des Debüts ‘American Space Cake’ wagten. Für ‘Electric Zeppelin’ haben sie nun sogar noch zwei weitere Mitglieder rekrutiert: Arne an den Keyboards und Nackt an der Gitarre. Kein Wunder, dass der Sound nun richtig fett klingt!

Passend zu der recht hohen Anzahl beteiligter Bandmitglieder und unzähliger Gäste wie Sängerin Cherie von Warren Suicide, Cellist Johannes Henschel, Violinist Christoph Hamann und die Bläser Jerome Bugnon und Moritz Delgado von Seeed haben Mamasweed versucht, bei ‘Electric Zeppelin’ eine Art Orchester-Idee umzusetzen. Jedenfalls möchte Yensin so die ersten Worte auf der Scheibe interpretiert sehen. “Klassisch ist es ja bei Orchesterstücken so, dass es meistens eine Ouvertüre gibt. In dem Sinne beginnt das erste Stück ‘I Need To Get Out Of Here’ mit den Worten ‘Hello, hello, hello’!”

Danach wird erst einmal kräftig los gerockt, bis sich ‘This Is What I Want’ mit dem dominanten Einsatz der Harmonika stilistisch deutlich abhebt. Wobei Yensin findet, dass sich das Stück doch wunderbar in die Platte einfügt. “Schließlich ist es ja so, dass sich jeder Song von den anderen unterscheidet. Die Mundharmonika in dem Stück unterstreicht natürlich diesen Rhythm’n’Blues- und Boogie-Woogie-Stil, der sehr partymäßig abgeht. Wir decken eben einfach ein sehr breites Spektrum an Einflüssen ab, die wir in unsere Musik einfließen lassen. Bei ‘This Is What I Want’ kommt noch hinzu, dass wir unsere Weltanschauung und unsere Wünsche persifliert in diesem Song darbieten – mit möglichst guter Laune!”

Als Single wird nun aber zuerst ‘I Love You’ ausgekoppelt, denn schließlich wäre Rock’n’Roll nicht Rock’n’Roll, wenn darin nicht auch über Liebesgeschichten gesungen würde. Allerdings begrenzt es sich ja auch nicht darauf. Bei ‘This Is What I Want’ wird dieses Thema nur beiläufig erwähnt. Das bestätigt auch Yensin. “Es kommen darin ja auch Zeilen wie ‘Put in jail your government’ vor. Somit ist das schon ein politischer Song. Bei ‘Motormen’ werden eher philosophische Fragen gestellt, wohingegen ‘Make Me Feel Alive’ ein Lebensgefühl transportiert.”

‘Is It You?’ erinnert dagegen an einen funky abgehenden James Brown, während das idyllische ‘Mrs. Nice’ von lieblichen Vogelgezwitscher begleitet wird, das die Jungs selber in Berlin-Neukölln aufgenommen haben. Damals war die Welt halt scheinbar noch in Ordnung und unschöne Geschichten wie Vogelgrippe und Rütli-Schule nicht mal zu erahnen. “Auf der ursprünglichen Aufnahme störte nur der Autolärm von der Sonnenallee”, erinnert sich Arne. “Aber den haben wir weggefiltert!”


Text: Holger Köhler