Auch wenn das junge Quartett aus London bis dato nur zwei EPs rausgebracht hat, steht heute Abend im Berliner So36 schon fest, dass diese Band 2005 zu den Großen zählen wird. Die Ankunft der Band wird seit langem prophezeit, und zwischen The Cure, The Smith und auch den Wave-Göttern Joy Division versucht man, für Bloc Party ein musikalisches Nest zu schaffen. Dass der NME sich nicht lumpen lässt, ist unlängst bekannt. Schon im Spätsommer des letzten Jahres erhoben diese das Wort und deklarierten Bloc Party als “the next most important band in rock. FACT.” Die neuen Franz Ferdinand sollen sie sein. Den Jungs scheint der Trubel um die eigene Person aber egal zu sein. Wie auch die Schublade, in die man sie stecken will. Mit beiden Beinen stehen sie auf dem Boden und erledigen Basisarbeit bei den Fans. Denn die müssen erst einmal überzeugt werden von ‚Silent Alarm’. Einfaches Spiel, mag man da nur sagen.

Denn wer einmal in den Genuss des Debüts gekommen ist, der weiß, dass hier nicht nur große Reden geschwungen werden. Große Gesten bleiben außen vor, lieber konzentriert man sich auf die Wut und die Angst, die man mit sich rum trägt. Das verzerrte Gitarrenspiel von Russell Lissack ist charakteristisch und mitverantwortlich für den Sound von Bloc Party. Neben Kele Okerekes Gesang bildet dieser Part die Basis für die treibende, kaum zur Ruhe kommenden Musik. Bloc Party kreieren Musik, die es vermag, Dich aus der Lethargie zu reißen. Die Dich wach schüttelt und Dir mit geballter Ladung das nasse Handtuch ins Gesicht schlägt, um deine Augen wieder für wahren Gefühlsballast zu öffnen. Mal passiert all dies im Affekt wie bei ihrer ersten Single ‚Banquet’, mal kommt dies schleichend durch den dezidierten Sprechgesang wie bei ‚Pioneers’ zum Einsatz.

Live konnten Kele Okerekes (Gesang/Gitarre), Russell Lissack (Gitarre), Gordon Moakes (Bass) und Matt Tong (Schlagzeug) schon bei der ausverkauften Interpol-Tour unter Beweis stellen, welche Qualitäten in ihnen schlummern. Das treibende Element ihrer Musik findet auch in der Liveumsetzung den richtigen Punkt, und nicht wenige staunen über die Energie, welche die Band auf das Publikum abwirft. Mit breit lächelndem Gesicht steht Kele Okerekes auf der Bühne, und irgendwie wird man das Gefühl nicht los, als ob Kele – sei es durch seinen Gesang oder seine Präsenz – große Parolen ins Publikum wirft. ‚We’re gonna win this”, heißt es in ‚Price of Gas’, und schnell möchte man einstimmen und Teil der Gang Of Four werden.

Wo wir beim nächsten Referenzpunkt wären. Sucht man nach Referenzpunkten in der Vergangenheit, so fallen Namen wie Joy Division, The Cure, Gang Of Four und auch The Smiths. Wendet man sich dem aktuellen Geschehen zu, dann halten Franz Ferdinand wie auch The Rapture ihren guten Namen zum Vergleich hin. Aber zu all dem möchte Kele Okerekes im Interview keine Stellung nehmen. Der mit kurzen Dreads gespickte Leadsänger hat im Interview kaum mehr etwas mit der Person auf der Bühne gemein. Während er auf der Bühne vor Energie trotzt, wirkt er im Gespräch eher zurückhaltend. Leise gibt er seine Antworten und starrt in den typischen Konferenzraum einer jeden Firma: “DJ Shadow hat mich dazu gebracht, auf dem Rhythmus in der Musik zu achten. Er schafft es, eine unglaubliche Atmosphäre mit seiner Musik zu kreieren. Björk ist eine der Künstlerinnen, die mitunter die interessanteste elektronische Musik macht. Sie hat sehr interessante Arrangements. Bands wie Joy Division oder New Order interessieren mich nicht. Sie gehören nicht zu den Bands, die ich mir privat anhöre. Was nicht bedeuten soll, dass sie nicht gute Musik machen. Sie sind halt bloß nicht interessant für mich.”
Nach kurzem innehalten hängt Kele folgende Ergänzung an: “Es war keine bewusste Entscheidung, elektronische Elemente in unsere Musik zu integrieren. Es hat zwei Jahre lang gedauert, bis wir unseren heutigen Sound gefunden haben. Wir sind trotzdem noch eine traditionelle Gitarrenband, obwohl der Rhythmus wie auch die Ideen für die Songs durch elektronische Musik beeinflusst sind.”
Aufgrund ihrer Namensgebung wird Bloc Party vermehrt unterstellt, eine politische Band zu sein. Unterstützend zu dieser Theorie kommt hinzu, dass auf ihrer Webpage Termini wie Agenda und Comrades (Genossen) verwendet werden. Aber davon distanziert sich Kele: “Es ist sehr ärgerlich, dass die Leute uns aufgrund unserer Webseite immer fragen, ob wir eine politische Band wären. Wir haben nicht den Anspruch, unsere Meinung durch unsere Musik unter das Volk zu bringen. Und auch unserer Bandname soll nicht in diese Richtung abzielen. Von daher braucht die Webseite schnellstens eine Überholung, da Musik und Politik für mich nichts miteinander zu tun haben sollten.”
Am Abend des Konzertes geht es dann nur um Musik. Besonders gut seien sie an diesem Abend, weiß ein Freund zu berichten, der die Band wenige Tage zuvor schon in München erlebt hat. Trotz des eher schlechten Sounds schlägt der Funken über. Ob es an Berlin liegt, bleibt unbeantwortet. Kele wusste nur wenige Stunden zuvor zu berichten, wie gerne er den Vibe der Stadt mag und dass sie anstelle von Dänemark das nächste Album lieber in Berlin einspielen würden. Warum eigentlich nicht. Solang die Atmosphäre stimmt.

Text: Tanja Hellmig