Redselig, aber auch sehr eigen. Will Sheff, Okkervil River-Sänger und dabei lyrischer Wortakrobat, ist ein angenehmer Gesprächspartner. Auf eine minimal angelegte Frage folgt ein maximaler Antwortrundumschlag. Reden will er, Grund dazu hat er ja auch reichlich – das im vergangenen Juni veröffentlichte Album ‘Black Sheep Boy’ brachte reichlich Kritikerlob und wird sich demzufolge auch auf Grund der Präsenz in beinahe allen Ton angebenden Best-Of-2005-Jahresendabrechnungen ins kollektive Gedächtnis bohren.

In der Tat ist dem aus Texas stammenden, in New Hampshire während des (zum Teil von den Mitgliedern dann doch abgebrochenen) Studiums gegründeten Quintett mit ihrem vierten Album ‘Black Sheep Boy’ endlich jener Erfolg zu Teil geworden, der schon bei den ebenfalls herausragenden Alben ‘Don’t Fall In Love With Everyone You See’ (2002) und ‘Down The River Of Golden Dreams’ (2003) – sofern es einen Indie-Gott gibt – verdient gewesen wäre.

Interviews sind indes eher rar gesät. Chefdenker Will Sheff ist, so Will Sheff über sich selbst, “ein sehr, sehr misstrauischer und skeptischer Mensch”, was einerseits die geringe Anzahl der Interviews erklärt und sich andererseits in den dunklen Textfetzen auf ‘Black Sheep Boy’ niederschlägt.

Gerade jene düstere Welt, die Will Sheff mit seinem Alter Ego ‘Black Sheep Boy’ durchläuft, hat es hingegen den US-amerikanischen Kritikern angetan; einen “Düster-Poeten” sah man in Will Sheff, der das Lob seitens der US-Kritiker bescheiden als “ein unglücklich gewählten Begriff” abkanzelt. Dennoch, ‘Black Sheep Boy’ ist mit der Erzählung um die unerfüllte Liebe konzeptionell angelegt und Will Sheff spart auch nicht an zahlreichen Alliterationen, Metaphern und Symbolen – ja! Fast schon könnte man akademische Hirnkirmes hinter ‘Black Sheep Boy’ vermuten. Doch: “‘Black Sheep Boy’ entstand aus einer Stimmung heraus, die ich mehrere Jahre in mir getragen habe, es ist keine konstruiere Kopfgeburt!” erklärt Will Sheff. “Ich habe mein Haus verkauft und wir zogen durch die USA, insofern ist ‘Black Sheep Boy’ davon inspiriert, dass ich permanent unterwegs war, mich in den ländlichen Teilen der USA aufhielt und mich eigentlich nirgends richtig zu Hause fühlte.”

Wir dürfen auf das nächste Album gespannt sein: Will Sheff ist gerade in den hippsten Stadtteil New Yorks, Williamsburg, gezogen und fühlt sich das “erste Mal seit langem zu Hause”.

Text: Heiko Reusch

Nachschlag: ‘Black Sheep Boy’ wird mitsamt der ‘Black Sheep Boy Appendix’ auf Grund des großen (Indie-)Erfolgs in den USA gerade via EMI in Deutschland noch einmal veröffentlicht.