Musik und Werbung gehen heutzutage Hand in Hand, und können nicht mehr getrennt voneinander betrachtet werden. Die meisten Firmen arbeiten mit Musik, um eine emotionale Bindung zum Kunden aufzubauen. Und um sich zu abzugrenzen. Fröhlich soll sie sein. Und einprägsam. Kurz gesagt: catchy. Manch ein Werbetreibender vergreift sich wohl schon einmal bei seiner Musikauswahl und bewirbt sein Auto mit dem Texas Is The Reason-Song ‘There’s No Way I Can Talk Myself Out Of This One Tonight – The Drinking Song’. Was natürlich nach hinten losgeht. Die Wörter Auto wie auch Alkohol fangen wohl beide mit A an, sollten aber nie in einem Atemzug genannt werden.

Tracks wie ‘Bohemian Like You’ von den Dandy Warhols hingegen funktionieren wunderbar. Oder auch ‘Jerk It Out’ von den Caesars. Beide Songs sind einprägsam und tun keinem was. Hier eine tolle Hookline, dort Gitarren-Rock-Attitüde, und als Quintessenz des Ganzen diese ungetrübte Sommerlaune. ‘Jerk It Out’ hat wohl mittlerweile mehr als drei Jahre auf dem Buckel. Aber Verschleißspuren sind nicht zu bemängeln.

Und so kommt dieser Song nun zu neuer Ehre, und Apple bietet ihm die Basis dafür. Fast weltweit läuft der Song im iPod Shuffle-Spot. Und der lang ersehnte Erfolg scheint greifbarer denn je. Was zum einen natürlich schön ist für die vier Schweden, die mehr als zehn Jahre im Geschäft sind. Andererseits hat die Geschichte von Werbehits uns allen schon gezeigt, wie das alles enden kann. Nehmen wir nur mal Babylon Zoo. Sagt heutzutage kaum jemandem mehr etwas. War Anfang der Neunziger dank Levi’s aber für einen kurzen Moment extrem erfolgreich. ‘Spaceman’ hieß das gute Stück, das Babylon Zoo erfolgreich machte. Für den Augenblick jedenfalls. Ein weiterer Hit sollte nicht mehr folgen, und ähnlich gestaltet es sich bei den Dandy Warhols. Nach ‘Bohemian Like You’ folgt die Lücke, ein weiteres Album wird zwar veröffentlicht, aber der Folgehit bleibt aus. Und der Stempel des One-Hit-Wonders haftet ihnen schon förmlich an. Sei nur zu hoffen, dass die Caesars nicht das gleiche Schicksal ereilt.

Album Nummer vier will gerade unters Volk gebracht werden, und nie war der Rummel um die Band aus Schweden größer. Erstaunlicherweise findet Caesars-Sänger César Vidal es selbst nicht komisch oder gar zynisch, sein viertes Album ‘Paper Tigers’ über die alte Single ‘Jerk It Out’ zu promoten. Jedenfalls noch nicht am Anfang des Interviews. Vielmehr gibt er sich ziemlich gelassen. Und wird immer wortkarger, wenn man Themen wie ‘Jerk It Out’, das letzte Album mit den rattenschwanzlangen Titel ’39 Minutes Of Bliss (In An Otherwise Meaningless World)’ oder auch die Bandnamenänderung anspricht.

Der bisherige Name Caesars Palace verkürzte man flugs zu Caesars, da man ja nun eine internationale Band ist und gerichtliche Auseinandersetzungen mit dem gleichnamigen Zocker-Palast in Las Vegas tunlichst vermeiden möchte. Daraus resultierende Verwirrungen werden in Kauf genommen: “Uns ist es egal, ob die Leute in Schweden durch den verkürzten Namen verwirrt sind. They’ve got to roll with it.” Wohin gegen er der Veröffentlichung von ’39 Minutes Of Bliss’ eher kritisch gegenübersteht. Vor rund zwei Jahren wurde ein Art ‘Best Of’ für die Nichtschweden unter uns veröffentlicht. Und Mitbestimmung stand bei der Songauswahl scheinbar nicht auf der Agenda: “Die Songauswahl war eher eine Plattenfirmen- und Managerentscheidung. Die Hälfte der Songs hätten wir wohl auch auf die Platte gepackt, aber es wären definitiv andere Entscheidungen gefallen. Eigentlich ist es eine Schande, dass dieses Album veröffentlicht wurde.”

Mit ‘Paper Tigers’ haben sie nun aber die Chance, alles wieder ins rechte Licht zu rücken. Als gelungen kann man das Album bezeichnen. Dennoch sticht ins Auge, dass ‘Jerk It Out’ (bereits auf der Vorgänger-CD zu finden) auf Grund der aktuellen Werbe-Hit-Situation als Bonustrack zweitverwertet wird. Zugegeben, es ist ein Superlied, doch stört es das Klangbild des Albums, das insgesamt etwas ruhiger als seine Vorgänger daherkommt und mit hier und da angezogener Handbremse durchaus reifer erscheint. Die ‘eigentliche’ Single ‘We Got To Leave’ beginnt mit dem obligatorischen Handclaps und der Farisa-Orgel der Caesars, und ist fesselnd. Und gibt obendrein exakt den aktuellen musikalischen Stand der vier Schweden wieder. Weniger Punk, noch mehr Melodie, und all das bringt man binnen drei Minuten auf den Punkt. Warum also noch einmal ‘Jerk It Out’?

“Wir dachten uns, dass es das Beste ist, den Song noch einmal auf dem Album zu haben. Ich stimme dir zu, wenn du sagst, dass er nicht hundertprozentig zum Rest passt. Wenn man aber berücksichtigt, dass dieses Lied unsere Hit-Single ist, dann sollte es aber dennoch dabei sein”, glaubt César. “Es ist zwar ein kleines Problem, aber ein luxuriöses; irgendwie. Nachdem wir über zehn Jahren Musik; machen ist es schön, dass wir nun endlich Erfolge feiern können und unseren ersten Hit haben.”

Text: Tanja Hellmig