Nunja, ein Junge ist er nicht mehr, aber definitiv war er einer, als er anfing Musik zu machen; ein Fakt, den er vermutlich der Tatsache verdankt, dass seine Familie seit vielen Jahren ein Musikgeschäft führt. Klein Harpers Berufswunsch war also relativ früh gefestigt, da fehlten der Dinge nur noch zweierlei: eine Band und ein Stil.

Beiden ist er treu geblieben – bis heute. Die Innocent Criminals begleiten ihn nach wie vor auf Tour, und was seine Musik angeht, so setzt Harper ebenfalls auf Altbewährtes. Zum ersten Mal jedoch hat er einen Großteil seiner Songs alleine eingespielt. Gefällt ihm diese Art zu arbeiten inzwischen womöglich doch besser? “Nein, ich arbeite nicht unbedingt lieber so, aber es gab einige Songs, die ich sehr rau, fast ein wenig falsch klingen lassen wollte, um ihnen eine ganz bestimmte Stimmung zu geben. Professionellen Musikern zu zeigen, wie man ‘falsch’ spielt, ist so gut wie unmöglich – deshalb war für mich die beste Lösung, alles alleine einzuspielen. Sobald ich aber gemerkt habe, dass ich an meine Grenzen stoße, habe ich wieder meine Band dazugeholt.”

Wie immer gibt es zwei Arten von Songs: die etwas rockigeren und die sehr ruhigen, bei denen kaum mehr als eine Akustikgitarre vonnöten ist. Anstatt die Songs zu mischen, entschloss Harper sich dieses Mal, eine Doppel-CD zu veröffentlichen, eine schnelle und eine ruhige. “Die Songs brauchten ihre eigene CD, um als vollendetes Werk dastehen zu können und ihr ganzes Potenzial zu entfalten. Ich wollte eine Platte mit einem ganz eigenem Sound und Fülle machen. Eine Platte, die angenehm über Kopfhörer zu hören ist, und das auch noch nach mehrmaligem Abspielen.”

Seit 2003 hat Ben Harper jährlich ein reguläres Album veröffentlicht und es ist nicht etwa so, dass er die Songs für ein Doppelalbum mühsam zusammenklauben musste, sondern sogar noch “Überschuss” von der Platte gekickt wurde. Auf die Frage hin, was denn der Grund für diesen enormen Output sei, hat Harper nur eine Antwort: “I’m obsessed!”.

Ein gutes Beispiel, dass auch Besessene glücklich mit ihrem Schicksal sein können. “Ich denke, dass wir alle aus einem bestimmten Grund hier sind. Beim einen zeigt sich das deutlicher, beim anderen weniger deutlich, aber da ist es am jeweiligen Individuum, das herauszufinden. Nachdem ich meine Talente also gründlich durchforstet habe, ist es für mich absolut klar, was ich zu tun habe!”
Große Worte, doch der Erfolg gibt ihm Recht. Apropos, wie wichtig ist ihnen denn Ruhm, Herr Harper? “Ruhm ist eine sehr schlechte Investition mit wenig, was zurückkommt. Aber ein Song ist nicht wirklich fertig, bevor ihn nicht jemand gehört hat. Je mehr Leute also einen Song hören, desto vollendeter wird er. Deshalb ist es natürlich wichtig für mich, dass ich die Menschen erreiche.”

Harpers Mitteilungsdrang beschränkt sich in seiner Musik nicht nur auf Liebesdinge oder ähnliches: Er wuchs in einem politisch geprägten Umfeld auf und war, wie er selber sagt, “noch nie nicht politisch”. Aus diesem Grunde wäre er gerne ein Aktivist heißt es. Wofür würde ein Aktivist Harper sich denn einsetzen? “Das Jahr hat 365 Tage. 182 in der ersten Hälfte, 182 in der zweiten und genau dazwischen, am 183. Tag des Jahres, sollte ein internationaler, von Konfession unabhängiger Feiertag sein für den Frieden. Ein Tag, an dem die Waffen niedergelegt werden, gespendet und in Schulen diskutiert wird. Denn wenn wir es nicht hinbekommen, an einem einzigen Tag im Jahr Frieden zu schaffen, dann sehe ich nicht viel Hoffnung für die Zukunft. Für diesen einen Tag würde ich kämpfen!”

Text: Seraina Nyikos