Das sollte man zumindest glauben, wenn man den wohl auffälligsten der D12-Crew in Videos sieht. Aber beim Interview ist nichts von der Verrücktheit von Rufus Johnson aka Bizarre zu merken. Seine Badekappe hat er zu Hause gelassen und weil es – bis auf die Single ‘Rockstar’ – von seinem Album noch nichts zu Hören gab, fangen wir doch gleich genau damit an:

Warum nennt ein Hiphopper seine Single ‘Rock-star’? “Ein Rockstar ist jemand, der die ganze Zeit Party macht, Hotelzimmer auseinander nimmt und auf nichts Rücksicht nimmt. Aber das kommt ganz darauf an, was für eine Nacht du hast. In einer Nacht kannst du ein Rockstar sein und in der nächsten ist es jemand anderes. Es kommt darauf an, wie verrückt du in der Nacht wirst. Manchmal bin ich ein Rockstar. Ich denke zumindest, dass ich ein Rockstar bin. Ja, ich bin ein Rockstar.”

Heute ist wohl jemand anderes der Rockstar. Bizarre sitzt jedenfalls nachdem er seine Massen bei einem Bummel durch eine Berliner Einkaufsmeile geschoben hat ziemlich außer Atem auf der Hotelcouch und kaut das Eis aus dem ihm kredenzten Wasser. Ganz anders also, als in seinem Video. “Das Video zur Single ist verrückt. Ich imitiere eine Menge Leute im Video, wie Lil Jon von den East Side Boyz, D’Angelo und eine Menge mehr. Ihr werdet es ja sehen. Es ist sehr lustig.” Dissen von anderen Stars oder nur Hommage? “Ich mag sie alle. Deswegen mache ich sie ja nach.”

Als schlechter Hobby-Psychologe könnte man den Grund für Bizarres heutigen Lifestyle und für die Rolle, die er bei D12 spielt, auch in der Tatsache suchen, dass seine Mutter Zeugin Jehovas ist. Und diese Religionsgemeinschaft ist ja gerade für ihre Abstinenz der Spaßgesellschaft gegenüber bekannt. “Ich weiß nicht. Meine Mutter war immer ein Comedian. Wenn du versuchst, immer deine Kinder streng zu erziehen und sie von allem fern zu halten, dann werden sie genau das Gegenteil.”

Darauf angesprochen, dass er seine Frau und Kinder verlassen hat, antwortet er: “Darüber habe ich ja auch einen Track gemacht, mit dem ich mein eigenes Verhalten reflektiere. Da rappe ich einfach nur. Ich habe meine Frau nie verlassen. Ich verließ meinen [Genuschel]… Tsunami-Sturm. [Gelächter]. Nein, mir geht es gut.”

Nun ja… Humor ist das eine, Textsicherheit das andere. Dass er in ‘My Band’ zu einer Reporterin sagt, “Bitch, are you retarded?” und sie somit sowohl als Nutte als auch behindert beleidigt, kommt ihm erst spanisch vor. “Nein, in meinem Part von ‘My Band’ sage ich… ähh … verdammt was sagte ich?” Er versucht, die Lyrics zusammen zu bekommen und rappt leise vor sich in, bis ein Kumpel dazu geholt wird, der auch nicht weiter weiß. Erst der herbeigerufene Big Boi kann weiterhelfen. “Also ich sage: ‘For the media I have got some suggestions, fuck Marshall…’! Dann fragt die Interview-Lady: ‘What about Eminem?’, und ich antworte: ‘Bitch, are you retarded?’. Es geht darum, dass sie Fragen über D12 stellen soll und es immer nur um Eminem geht. Das ist unser Problem, dass bei Interviews immer nur nach Marshall gefragt wird. Darum geht es in den Lyrics.”

Nachdem Eminem mit seinen Solo-Alben überzeugte und sehr erfolgreich war, ziehen nun die anderen D12s nach. “Wir wollten alle unsere Solokarrieren weiter voran treiben, denn wir sind alle sehr verschieden. Auch Proof bringt bald ein Album raus.”

Der Albumname ‘Hannicap Circus’ passt dann auch ins Konzept. “Ich habe die Platte so genannt, weil ich ein verrückter Typ bin und manchmal nennen das die Leute ‘weird’, ‘hannicap’ oder ‘special’. Ich mag es, zu unterhalten, und wenn du Unterhaltung willst, gehst du ja auch in den Zirkus.”

Bleibt uns festzuhalten, dass Bizarre in der Realität nicht annährungsweise so durchgeknallt und lustig ist wie in den D12-Videos.

Text: Martin Gegenheimer