Bei der Masse von neuen Filmen, die jede Woche in den deutschen Kinos anläuft, ist es gar nicht immer einfach einen roten Faden zu finden, an dem entlang sie sich hier präsentieren lassen. Aber irgendwie findet sich auf mysteriöse Weise doch immer wieder etwas, das scheinbar selbst die unterschiedlichsten Filme miteinander verbindet. Und dieses Mal ist es, so finster das klingt, ausgerechnet der Tod.

Nur bei „Weißt was geil wär…?“, einer kleinen deutschen Komödie, lässt sich dieser Aufhänger nicht wirklich anwenden. Aber weil der Film von Mike Marzuk wirklich so sympathisch, lustig und einfach echt ist, dass er der absolut sehenswerteste Geheimtipp dieser Woche ist, darf man ihn problemlos außen vor lassen und für sich allein stehen lassen.

Solche Ehre hat „Nach 7 Tagen – Ausgeflittert“ absolut nicht verdient, schon allein wegen des bekackten deutschen Titels. Gevatter Tod kommt kurz ins Spiel in einer der vielen Lügen und Missverständnisse, die Ben Stiller aufwendet, um seine Frau noch in den Flitterwochen mit der Liebe seines Lebens zu betrügen. Natürlich kommt dabei alles exakt so, wie man sich das vorstellt, und nicht nur deswegen ist die neue Komödie der Farrelly-Brüder, trotz einer ebenso geschmack- wie furchtlosen Pinkelszene, einfach nicht witzig.

Wesentlich größer ist die Rolle, die der Tod in „Bis zum Ellenbogen“ spielt, einer reichlich verspäteten deutschen Antwort auf „Immer Ärger mit Harry“. Zwei höchst unterschiedliche Streithähne (u.a. Möchtegern-Komiker Jan-Josef Liefers) schlüpfen während einer Bergtour bei einem dritten unter, der dann plötzlich verstirbt. Was folgt, ist deftiger Slapstick zwischen Klamauk und schwarzem Humor und ein Paradebeispiel dafür, was man mit einer Leiche alles anfangen kann.

Doch so lustig ist sterben nur im deutschen Kino, nicht in der Realität. Und deswegen ist der Umgang mit einer Leiche im faszinierenden australischen Film „Jindabyne“ sehr viel dramatischer. Da finden ein paar Angler ein totes Mädchen im Wasser und setzen trotzdem erst einmal ihren gemütlichen Fischfang fort, bevor sie die Polizei verständigen. Weniger Krimi als Ehe- und Gesellschaftsdrama, besticht die Arbeit von Ray Lawrence durch ungemeine Komplexität. Und viel über Australien sagt sie auch, denn dass die Tote ein Aborigine-Mädchen ist, rückt das Fehlverhalten der Männer in ein unschönes Licht.

Von wahrhaftigen Toten handelt derweil „Ich habe Euch nicht vergessen“, denn die Dokumentation handelt von Simon Wiesenthal, der als einziger seiner Familie den Holocaust überlebte und nach dem Krieg zum wohl bekanntesten Jäger flüchtiger Nazis wurde. Ein faszinierender und umstrittener Mann, dessen Leben hier durch seine Tochter und Zeitzeugen rekapituliert und Iris Berben erzählt. Wer statt unseres TV-Star gewordenen guten Gewissens lieber die Stimme von Nicole Kidman hören möchte, muss sich allerdings die Originalversion anschauen.

Und schließlich ist da noch ein Film, bei dem der Tod eine besonders tragische Rolle spielte. Denn die Schauspielerin Adrienne Shelly, die für die sympathische Feel Good-Dramödie „Jennas Kuchen – Für Liebe gibt es kein Rezept“ (noch so ein grandioser deutscher Titel!) auch als Regisseurin verantwortlich war, hat die Premiere ihres Films nicht mehr erlebt. Am 1. November 2006, also genau ein Jahr bevor „Waitress“ (so der schlichte Originaltitel) in ein paar deutschen Kinos läuft, wurde sie in ihrer Wohnung in New York umgebracht. Den Film hier mit all den anderen in einer Reihe zu erwähnen, mag also ein wenig makaber sein. Aber in den USA dürfte nicht zuletzt die Berichterstattung über den tragischen Fall dazu beigetragen haben, dass die Independent-Produktion sich zum Überraschungshit entwickelte. Also sei es auch uns vergönnt, in dieser Woche mit einem ernsten Thema und einem hübschen Film zum Ende zu kommen.

Text: Patrick Heidmann