Er ist der personifizierte Jugendamt-Schreck. Das Gangster-Rap-Klischee auf zwei Beinen. Deso Dogg wird in Kreuzberg geboren. Nimmt jede Kleinkriminellenhandlung aus dem Strafgesetzbuch mit. Tingelt von einer Jugendgang in die nächste. Kennt die JVA-Tegel besser als sein Westentasche.

Da ist es wenig verwunderlich, dass seine ersten musikalischen Geh-Versuche unter der Fittiche der 030 Gangxta Clicc auf den anspruchsvollen Namen „Dreckstape 1-3“ hören und in punkto Fäkalien-Texte nur schwer zu toppen sind. Doch die unter der Gürtellinie äußerst fruchtbare Kollaboration mit dem Hauptstadt-Rapper Charnell währt nicht lange. Während der noch alle Schimpfwörter von A bis Z durchdeklariert, sitzt Deso erneut hinter schwedischen Gardinen, pöbelt durch die Weltgeschichte und setzt nebenbei ein paar Kinder in die Welt.

2005 folgt der große Neuanfang. „In meiner damaligen Situation wusste keiner, ob ich am nächsten Tag wieder im Knast bin oder Tod“, beteuert der Geläuterte. Das Label Streetlife Entertainment, beinah zu Tränen gerührt, nimmt den Rapper unter Vertrag. Und gerade als die ganze Welt anlässlich der Heile-Welt-Tour mit Rap-Star DMX mitheulen will, liefert sich Deso selbst in die Psychiatrie ein.

Aber weil jeder eine zweite Chance verdient hat und so, folgt 2006 Auferstehung die Zweite und die Tour wird erneut in Angriff genommen. „Der Schwarze Engel aus Berlin X-Berg“ veröffentlicht das Mixtape „Murda Cocktail Volume 1“ und sein Debüt-Album „Schwarzer Engel“. Ein Jahr später beschließt er sich labellos allein durch den Berliner Rapper-Dschungel zu schlagen. Die Begründung: „Ich fühle mich von so vielen Menschen in der Szene enttäuscht und betrogen.“ Eine Mitleidsträne später kündigt der Rap-Proll ein Doppelalbum mit dem Titel „Alle Augen auf mich“ an, das im November 2008 erscheinen soll. Danach sei Schluss mit deutscher Rap-Musik. Zum passablen Schnulzensänger reicht es allemal!

Jennifer Beck

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