Devil Driver – so heißen im englischen Wortgebrauch diejenigen Utensilien, welche Hexen benötigen, um den Menschen das Böse auszutreiben.

Eine Art Dämonenaustreibung war Musik auch schon immer für Sänger und Frontmann Dez Fafara für ihn die vielleicht einzige Möglichkeit, Frust, Weltschmerz und Angst zu bezwingen. Und das auf seine eigene, ganz spezielle Art. Seit nunmehr zehn Jahren schon kreiert Fafara mit seinem unverkennbaren Gesang und der typisch bitterbösen Ausdrucksweise einen eigenen Sound, dessen Wirkung auf die Metalwelt nicht zu verachten ist. Den Coal Chamber – Kinderschuhen endlich entwachsen haute uns Mr. Fafara schon 2003 mit DevilDrivers selbstbetiteltem Debütalbum eine mächtige Brutalo-Metal-Keule um die Ohren – ein Schlag in Richtung aller Skeptiker, die seine Glaubwürdigkeit anzweifelten. Zwei Jahre später gehen DevilDriver sogar einen Schritt weiter und liefern das von Colin Richardson (u.a. Machine Head, Fear Factory) superb produzierte Zweitwerk „The Fury Of Our Maker’s Hand“ ab, welches die Band reifer, entschlossener und zielsicherer zeigt.

Ein Verdienst der gesamten Mannschaft, die nach kleineren Besetzungswechseln auf Album Nummer zwei mehr denn je als geschlossene Einheit agiert nötig für die Entstehung eines solch mächtigen Albums, wie es „The Fury Of Our Maker’s Hand“ letztlich geworden ist. Jeff Kendrik (g.), Mike Spreitzer (g.), John Miller (b.) und John Boecklin (dr.) sind die Verantwortlichen für dieses tonale Gewitter bestehend aus mörderischen Riffsalven und hammerhart groovenden Drumattacken. „Diese Band ist unglaublich“, betont auch Fafara. „Die Jungs haben wirklich alles gegeben, um meine musikalische Vision in die Tat umzusetzen.“ Dass dieses Album eine Mannschaftsleistung ist, hört man an den ausgereiften Arrangements und dem größeren Schatz an wichtigen Details: „Diesmal haben wir mehr Melodie, mehr Hooks und mehr Solos in die Songs gepackt. Das Zusammenspiel innerhalb der Band funktioniert unglaublich gut.“

Songs wie “End Of The Line” und “Driving Down The Darkness” sind Beispiele für das homogene Zusammenwirken von aggressiver Rasanz, rifftechnischem Wahnsinn und songschreiberischer Klasse. Nicht zu vergessen Dez Fafaras gesangliche Urgewalt.
„Sin & Sacrifice“ hingegen zeigt geradezu vorzüglich die klassische Thrash-Metal-Schlagseite der Band: Hymnisch und mit entzückenden Gitarrenlicks beginnend, geht dieser Song langsam über in ein opulentes Hass-Stück mit bitterem Unterton – eine Achterbahnfahrt ganz nach DevilDriver-Manier. Ein Narr, wer da noch an den handwerklichen Fähigkeiten der DevilDriver-Jungs zweifelt. „Hold Back The Day“, die erste Single-Auskopplung, bietet wieder das, was alte und neue DevilDriver-Fans lieben werden: Viel Tempo, viel Härte und viel Groove – ohne Gnade und Rücksicht auf Verluste. „Die Songs unterscheiden sich alle voneinander, haben aber alle diesen zermürbenden Groove gemein, den nur DevilDriver bieten können“, zieht Fafara schon mal Resümee. Und Recht hat er! Zumal DevilDriver nicht den Fehler begehen, bei der Freisetzung metallischer Kräfte modischen Strömungen zu folgen, also weder nach Schweden noch nach Massachussetts blicken. DevilDriver stehen für sich.

Nicht genug, dass die Band sich musikalisch ein Level höher gehievt hat, auch Fafaras Lyrics haben eine Entwicklung durchgemacht. War es vormals sein eigenes Trademark, in freier Ausdrucksweise mit Wörtern und Textzeilen wild zu jonglieren, so lässt sich auf „The Fury Of Our Maker’s Hand“ so etwas wie ein roter Faden in Fafaras Lyrics erkennen. Aus Statements sind Geschichten geworden, die die Thematisierung von Krisen mehr auf eine traditionelle Art und Weise behandeln. „Auf meinen früheren Alben war es schwer, herauszufinden wovon meine Texte handeln. Auf dem neuen Album versuche ich dem Zuhörer als Storyteller dienlich zu sein.“
Vorbei sind die erfolgreichen aber nicht immer einfachen Tage mit Coal Chamber. DevilDriver ist Fafaras wahre Verwirklichung all seiner musikalischen Wünsche und Vorlieben: „Der Grund für die Gründung dieser Band war, dass ich etwas kreieren wollte, das härter und dunkler klingt und ganz meinen Metal-Einflüssen entspricht. Ich will die Musik in mir spüren, wenn ich Abend für Abend auf die Bühne gehe. Das ist DevilDriver.“ Zwar ist DevilDriver aus Fafaras Frustration mit Coal Chamber geboren, stellt aber nicht eine „Dez-Fafara-und-Konsorten“ – Show dar, sondern ist die unmissverständliche und kompromisslose Darbietung einer der teuflischsten Bands der heutigen Metal-Szene. Dabei hat der Wunsch nach ehrlicher, bangkompatibler Musik noch beeindruckendere Ausmaße angenommen als auf dem Vorgänger.

“The Fury Of Our Maker’s Hand” lässt Metaller-Herzen höher schlagen, die Haare weiter rotieren, die Nacken schneller brechen und die Welt da draußen wissen, dass mit ihr verdammt noch mal etwas nicht stimmt. DevilDriver sind die musikalischen Boten wütender Seelen – Dez Fafara ein Metal-Priester mit erhobenem Fuck-You-Finger. Auch oder gerade nach zehn Jahren.

Roadrunner Records