Um einen Einblick in die Abgründe der menschlichen Seele und all ihre verwirrenden, komplizierten Emotionen zu gewinnen, ist der Gang ins Kino durchaus nicht verkehrt. Mit etwas Glück ist das Gesehene auf der Leinwand dort nicht nur – trotz Überlebensgröße – sehr aufschlussreich, sondern anders als das echte Leben auch noch irgendwie unterhaltsam. Vor allem natürlich, wenn grüne Oger und sprechende Esel mit ins Spiel kommen.

Shrek der Dritte“ dreht sich diese Woche jedenfalls mehr denn je um allzu menschliche Ängste. Noch immer hat das liebenswert grummelige Sumpfmonster eine enorme Panik davor, an der Seite seiner Fiona den königlichen Thron zu besteigen, was allerdings durch den Tod des Froschkönigs kaum noch zu vermeiden ist. Endgültig in Panik gerät Shrek dann schließlich, als sich auch kleiner grüner Nachwuchs ankündigt.
So weit, so alt bekannt, und genau da liegt das Problem von „Shrek der Dritte“. Man kann sich zwar immer noch einigermaßen gut amüsieren bei diesem dritten Animationsaufguss, aber Originalität und Spritzigkeit haben sich im Laufe der Zeit doch ein wenig verschließen. Klar, die Kulleraugen des gestiefelten Katers können auch dieses Mal Steine erweichen, die Drachen-Esel-Babys sind eine putzige Idee und auch die vereinigten Märchenprinzessinnen. Aber gemessen an früheren Gags ist das ein bisschen zu wenig.

Von wirklichem Gefühlschaos können aber vielleicht ohnehin wirkliche Menschen erzählen, nicht ihre Zeichentrick-Counterparts. Diesen Eindruck erweckt jedenfalls „Dunkelblaufastschwarz“, ein wirklich überzeugender spanischer Film. Der nur auf den ersten Blick komplizierte Titel bezieht sich sowohl auf einen schicken Anzug im Schaufenster als auch auf den recht unzufriedenen Gemütszustand des jungen Jorge, der davor steht. Statt wirklich zu wissen, wo er hin will im Leben, hängt er fest im alten Trott. Als allerdings der große Bruder aus dem Knast entlassen wird, kommt Leben in die Bude. Mit ein wenig Skurrilität und viel Humor, einer großen Portion Melancholie und vor allem enormer Glaubwürdigkeit wird das alles nonchalant, beiläufig und liebevoll erzählt, für einen Debütfilm bemerkenswert souverän. Und auf den tollen Hauptdarsteller Quim Gutierrez sollten wir auch in Zukunft ein Auge haben.

Noch näher ran an die menschliche Psyche versucht „Deutschland privat – Im Land der bunten Träume“ zu gelangen, was der Dokumentation aber irgendwie nicht gelingen will. Robert van Ackeren reiht 25 private Super8-Filme aneinander, was wohl eine Art Querschnitt durch die deutsche Bevölkerung sein soll. Stattdessen ist das Ganze aber einfach nur ziemlich belanglos und vor allem schlicht langweilig. Da macht selbst die „Super-Pannen-Show“, die Sendung mit den unlustigsten Moderatoren des deutschen Fernsehens, mehr Spaß!

Sehr zu empfehlen ist dagegen eine weitere Filmkompilation. „Verführung von Engeln“ versammelt vier sehr unterschiedlich langen Kurzfilmen von Jan Krüger. Der deutsche Regisseur ist zwar international preisgekrönt, aber trotzdem ziemlich unbekannt, was sich gerne ändern darf. Ob in einem Musikvideo für Udo Lindenberg oder einer komplizierten Dreiecksgeschichte – fast immer erzählt er von der Aggressivität und der Romantik der (schwulen) Liebe. “Schau dem Engel beim Ficken nicht ins Gesicht” singt Udo, und Krüger findet dazu virtuose, eindrückliche Bilder von spröder Schönheit.

Weder für Menschen noch für Engel oder Oger interessiert sich derweil „Die Fährte des Grauens“, sondern nur fürs Blutvergießen. Dafür sind in diesem drittklassigen Horror-Actioner sowohl ein gefräßiges Krokodil als auch ein skrupelloser Rebellenführer in Afrika zuständig. Es gibt also auch ein paar schöne Landschaftsaufnahmen zu sehen, aber trotzdem sollte man sich das ganze wohl besser fürs Heimkino aufsparen – wenn überhaupt.

Apropos Heimkino: genau dort haben vermutlich die meisten von uns schon einmal „Casablanca“ gesehen, den vielleicht schönsten und auf jeden Fall bekanntesten Liebesfilm aller Zeiten. Doch zumindest echte Filmfans sollten sich die Chance nicht entgehen lassen, das wunderbare Melodram mit Humphrey Bogart und Ingrid Bergman auch mal auf der Leinwand zu genießen. Ab dieser Woche ist das möglich, denn eine neu überarbeitete Kopie bringt die legendären schwarzweißen Bilder zum Leuchten und wird deswegen noch einmal wiederaufgeführt. Das mag man altmodisch finden – aber über menschliche Ängste, Sorgen und Emotionen wurde im Kino wahrscheinlich selten bewegender erzählt.

Text: Patrick Heidmann