Das mit dem Frühling dauert ja wohl doch noch ein bisschen, und weil die Tage somit erstmal weiterhin düster bleiben, ist ein Besuch im Kino des Vertrauens mehr als empfohlen. Auch in dieser Woche starten dort natürlich allerlei neue Filme, zum Beispiel der neue von Detlev Buck, der in letzter Zeit ja vor allem als schräger Vogel in den Filmen seines Kumpels Leander Haussmann auftauchte. Für „Knallhart“, seine Rückkehr in auf den Regiestuhl, schickt er den 15jährigen Polischka (David Kross) auf das harte Pflaster Berlin-Neuköllns, von wo der Weg in die Kriminalität nicht mehr weit ist. Jenny Elvers-Elbertzhagen spielt auch mit – erstaunlicherweise nicht als Gangster-Luder, sondern tatsächlich als Mutter.

Die schönste (und traurigste) Liebesgeschichte des Jahres heißt übrigens „Brokeback Mountain“, und dass Heath Ledgers große Liebe darin nicht von Michelle Williams, sondern von Jake Gyllenhaal gespielt wird, ist letztlich nur einer von vielen Aspekten. Man muss schon eine ganz schön hartherzige Hete sein, um sich von Ang Lees Film nicht rühren zu lassen, deswegen: unbedingt ansehen – und zwar alle.

Viel affiger als die schwulen Cowboys ist „Der rosarote Panther“, schon weil Kevin Kline und Steve Martin die ganze Zeit mit furchtbar albernem pseudo-französischen Akzent sprechen. Letzterer liegt im Film übrigens auch mal mit Jean Reno im Bett, was aber auch nicht halb so schön anzusehen ist wie Ledger und Gyllenhall in „Brokeback Mountain“. Fürs Optische sind in „Der rosarote Panther“ aber ohnehin eher der titelgebende Diamant sowie Beyoncé zuständig, die sicherheitshalber mal wieder eine Sängerin spielt.
Queen Latifah, die vor Urzeiten auch mal Musik gemacht hat, darf dagegen längst richtige Rollen spielen, wobei sie sich das im Falle von „Noch einmal Ferien“ vielleicht zweimal hätte überlegen sollen. Da erfährt sie, dass sie nicht mehr lange zu leben hat, woraufhin sie ordentlich Geld auf den Kopf haut, sich üppig von Gerard Dépardieu bekochen lässt und so slapstick-mäßig über eine Skipiste fegt, wie man es seit deutschen Heimatkomödien der 60er nicht mehr gesehen hat.

Schade, dass ihr Thomas Kretschmann dabei nicht Gesellschaft leistet, wo er doch seit neustem überall als „erfolgreichster Deutscher in Hollywood“ bezeichnet wird. Stattdessen aber widmet er sich lieber einem ganz deutschen Thema und spielt den Mann, über den die BILD-Zeitung schrieb: „Kannibale frisst Berliner“. Der Film dazu heißt jetzt „Rohtenburg“, sorgte schon durch einstweilige Verfügungen und ähnliches Tamtam für Aufsehen und ist trotzdem nicht weiter der Rede wert.

Wem das nun alles zu seicht klingt, der hat vielleicht das Glück, in der Nähe eines kleinen Arthouse-Kinos zu wohnen. Dort laufen nämlich mit „Arktos“ und „Odessa Odessa“ auch zwei Dokumentarfilme an – bevor sie demnächst im Nachtprogramm von Arte wiederauftauchen.

Patrick Heidmann