Vergangene Woche hatten wir es an dieser Stelle noch von den Männern, die das Kinojahr 2007 bisher dominiert haben, doch die Frauen haben sich nicht lang bitten lassen und treten ihnen in dieser Woche mit Vehemenz entgegen.

Da sind natürlich die „Dreamgirls“, die gerade für acht Oscar nominiert worden sind. Lose basierend auf dem Leben von Diana Ross und ihren Supremes sowie auf der Erfolgsgeschichte der Ausnahme-Plattenfirma Motown singen, tanzen und spielen sich Beyoncé (die wir aus diesem Anlass auch zum Interview trafen), Jamie Foxx und Eddie Murphy um Leib und Soul. Ob der Film von Bill Condon bei uns seinen enormen Erfolg aus den USA wird wiederholen können, bleibt allerdings abzuwarten, denn weder sind die Deutschen begeisterte Musical-Fans noch werden hier im Normalfall Filme mit rein schwarzer Besetzung zum Kassenhit. Dabei lohnt es sich durchaus – und nicht nur wegen der tollen Musik und den vielfältigen Schauwerten. Im Falle der fantastischen Nebendarstellerin (und Ex-„American Idol“-Kandidatin) Jennifer Hudson kann man schließlich die Geburt eines kommenden Superstars mitansehen.

Das deutsche Kino hält mit einem anderen Superstar dagegen – zumindest ist Uschi Obermaier das einmal gewesen, wenn man ihren Erinnerungen und dem aktuellen Medienhype Glauben schenken mag. Unermüdlich plaudert sie seit Wochen mit jedem ihr entgegen gestreckten Mikrofon über ihre kommende Autobiografie und natürlich über den zugehörigen Film „Das wilde Leben“. Tatsächlich war ihr Leben als Fotomodell in den Sechziger und Siebziger Jahren reich an Erlebnissen, in der Kommune 1, im Bus mit einem Hamburger Kiez-König unterwegs nach Indien oder im Bett mit Mick Jagger und Keith Richards. Aber gerade deswegen ist es ein bisschen schade, dass der Film viel braver geraten ist, als sein Titel verspricht. Und dass sich Hauptdarstellerin Natalia Avelon von ihren eigenen Brüsten an die Wand spielen lässt.

Mehr gegen die Wand laufen als gegen die Wand spielen ist in „Vier Minuten“ angesagt. Auch das ein deutscher Film, und mit Hannah Herzsprung und Monica Bleibtreu hat er in dieser Woche die beiden stärksten Frauen überhaupt zu bieten. Sie sind allerdings auch diejenigen, die ihre Power und ihre Emotionen am stärksten unterdrücken, weswegen es im Drama von Chris Kraus immer wieder zu heftigsten Ausbrüchen kommt. Was als harmloser Klavierunterricht für eine junge Mörderin im Gefängnis beginnt, entwickelt sich zu einem Duell zweier großartiger Schauspielerinnen zwischen Selbstzerstörung und Selbstverwirklichung.

Doch damit hat sich die Frauenpower für diese Woche noch lange nicht erledigt. Selbst vor vermeintlichen „Männerfilmen“ wie „Saw III“ machen die Damen der Schöpfung nicht mehr halt. In der recht billig, aber effektiv produzierten Horrorreihe hat längst die Psychokillerin Amanda die Fäden in der Hand, weil ihr Lehrmeister Jigsaw, der Mann mit der absurden Maske, im Sterben liegt. Um das vielleicht doch noch zu verhindern, bringt die eifrige Schülerin aber erst einmal selbst den ein oder anderen ums Leben und beweist, wie gut auch sie die perversen Spielchen mittlerweile beherrscht.

Sogar bei den „Wilden Kerlen“ spielen die Mädchen mittlerweile eine entscheidende Rolle. Eine Kickerin hatten die beiden mit den dusseligen Namen Jimmie Blue und Wilson Gonzales gestraften Ochsenknecht-Söhne ja schon länger in ihrem Bolzplatz-Team geduldet. Doch im vierten Teil wird nun auch gegen die hübsche Horizon und die Mannschaft der Silberlichten gespielt, was so manchen pubertierenden Hormonhaushalt durcheinander bringt. Einen Gefallen tut sich der Film damit allerdings nicht, denn auch ohne weibliches Gegenüber und konkurrierende Balz-Rituale waren die untalentierten Jungschauspieler überfordert genug.

Bleibt schließlich noch der dänische Film „Nach der Hochzeit“, der übrigens ebenfalls gerade für den Oscar nominiert wurde, als bester nicht-englischsprachiger Film. Obwohl der Titel vielleicht anderes verspricht, geht es in dem Drama nicht gerade romantisch zu und auch die weiblichen Darsteller spielen eher eine Nebenrolle. Im Mittelpunkt steht nämlich der hervorragende Bond-Bösewicht Mads Mikkelsen, der nach vielen Jahren in die dänische Heimat zurückkehrt und mit seiner Vergangenheit konfrontiert wird. Dem dieswöchigen Trend der starken Frauen läuft der bewegende Film dennoch nicht zuwider: hinter der Kamera stand mit Susanne Bier eine erstklassige Regisseurin!

Text: Patrick Heidmann