Na endlich, es ist wieder Ladies Night. Und zwar im Kino! Was mussten in den letzten Wochen die weiblichen Kinogänger- so man ihnen denn mal ganz pauschal einen anderen Filmgeschmack unterstellen möchte als den Männern – vor den Leinwänden leiden. Nichts als Testosteron im Überfluss wurde ihnen dort geboten, von betrunkenen Seeräubern, sprechenden Zeichentrickautos und schwitzenden Fußballern.

Doch in dieser Woche ist endlich Abhilfe in Sicht, die Östrogene feiern ihr cineatisches Comeback. Mit aller Vehemenz noch dazu, schließlich ist in „Der Teufel trägt Prada“ sogar der Leibhaftige weiblichen Geschlechts. Fast zumindest, denn in der Bestseller-Verfilmung geht es um eine skrupellose, eiskalte Chefredakteurin und nicht etwa um Papa Ratzinger und die roten Prada-Slipper, die er so gerne an seinen Füßen trägt. Der böse Boss wird jedenfalls mit viel Verve, Leidenschaft und eisgrauem Haar von der großartigen Meryl Streep gespielt, die den Film fast im Alleingang zum Vergnügen macht. Die Geschichte um ihre Assistentin Andy nämlich, die nicht nur vom unscheinbaren Entchen zum aufgestylten Schwan wird, sondern sogar lernt, dass es selbst in der Modebranche von Vorteil ist, sich selbst treu zu bleiben, ist nämlich nicht weiter der Rede wert.

Der geballten Biestigkeit von Frau Streep sehen die Männer aber natürlich nicht tatenlos zu, und so beehren natürlich auch in dieser Woche einige echte Kerle die Leinwände der Nation. In „Ricky Bobby – König der Rennfahrer“ schaffen sie es sogar bis zum Autorennen, genauer gesagt zum Stock Car Race, dem prolligen, amerikanischen Stiefbruder der Formel 1. Der omnipräsente Will Ferrell spielt die Titelrolle in dieser handlungsarmen Komödie und lässt sich dabei immer wieder die Show stehlen vom großartigen Sacha Baron Cohen, der hier als schwuler Franzose auftrumpft bevor er in ein paar Wochen als „Borat“ selbst zum Hauptdarsteller wird.

Ein Held der ganz anderen Art präsentiert sich dagegen in „Eine unbequeme Wahrheit“. Eigentlich ist das nur die filmische Umsetzung eines Dia-Vortrags, mit dem der ehemalige amerikanische Vizepräsident Al Gore seit einigen Jahren auf den Kampf gegen die Klimaerwärmung aufmerksam macht. Doch sowohl Gore als auch der Dokumentarfilm sind dermaßen leidenschaftlich und unterhaltsam bei der Sache, dass aus dem einstigen Wahlkampf-Loser in seiner Heimat gerade zu Recht der überraschendste Kinostar des Sommers wurde.

Ein wenig beschämend ist es fast, womit das deutsche Kino sich dagegen positioniert: „Das kleine Arschloch und der alte Sack“. Nichts gegen Walter Moers – nur Meryl Streep ist momentan amüsanter als sein fieser kleiner Adolf im Bonker. Aber irgendwie haftet den Gags des kleinen Arschloches etwas angestaubt 90er-Jahre-Mäßiges an, was auch an früher mal coolen Sprechern wie Helge Schneider, Badesalz und Dirk Bach liegen könnte.

Wesentlich hochkarätiger sind dagegen die Synchronstimmen im US-Animationsfilm „Lucas der Ameisenschreck“: Julia Roberts, Nicolas Cage und – da haben wir sie wieder! – Meryl Streep durften ans Mikrofon. Doch natürlich gibt es hierzulande Kinderfilm kaum je in der Originalversion zu sehen, weswegen die deutsche Ameisenprinzessin nun die Stimme von Barbara Schöneberger hat.

Völlig auf Prominenz verzichten tut derweil „Der Wind“, was allerdings auch keine Schwierigkeit ist, denn international kennt man nun einmal keine argentinischen Schauspieler. Sehenswert ist das sehr bedächtige – und sehr kluge – Generationenporträt über einen alten Mann und seine ihm fremde Enkelin allerdings trotzdem. Oder gerade deswegen.

Gleiches gilt übrigens auch für „Absolute Wilson“, ein clever gemachtes Doku-Porträt des faszinierenden Theatermachers Robert Wilson, der in seiner Karriere mit so unterschiedlichen Leuten wie Tom Waits, Isabelle Huppert, Susan Sontag und Herbert Grönemeyer kooperiert hat und dieser Tage 65 Jahre alt wurde. Happy Birthday – und viel Spaß im Kino!