Es ist geschafft, wir haben die WM überstanden – einigermaßen unbeschadet, will ich hoffen. Die Zeit der Helden ist damit nicht zwangsläufig vorbei, wir müssen sie nun einfach eher auf der Leinwand statt auf dem Rasen suchen. Und was haben wir in den letzten Wochen nicht für Heldentaten gesehen: Kaiser Franz, dem kein Hubschrauberweg zu weit war, um auch wirklich in jedem Stadion und vor jeder Kamera Platz zu nehmen; Zidane, der alte Mann, der sich mit einer Kopfnuss in den Ruhestand verabschiedete; und natürlich die Italiener, die zu Hause ihre Liga nur durch Betrug am Laufen halten und trotzdem Weltmeister wurden. Aber es wäre doch gelacht, wenn wir im Kino niemanden finden würden, der da mithalten kann.

Wolfgang Petersen etwa versteht immerhin einiges von Helden und hat deswegen natürlich auch in „Poseidon“ welche auf Lager, und seien es nur die Jungs aus der Abteilung für Spezialeffekte. Was das Wasser angeht, ist Petersen – „unser Mann in Hollywood“ – in seinem Element, das weiß man seit „Das Boot“ und „Der Sturm“. Aber mit den Menschen hat er es irgendwie nicht so. Kurt Russell, Josh Lucas und die unerträglich rehäugige Emmy Rossum liefern auf ihrer Flucht aus dem sinkenden Riesenschiff jedenfalls einige der dümmlichsten Dialoge des Jahres ab, vorgetragen auf Telenovela-Niveau. Da fällt Nervensäge Fergie von den Black Eyed Peas gar nicht groß auf, die in einer kleinen Rolle schon mal auf ihr Soloalbum vorbereiten darf.

Auch nicht eben mit schauspielerischem Ruhm bekleckert sich der Hauptdarsteller von „The Fast and the Furious: Tokyo Drift“. Dabei ist es gar nicht mehr Paul Walker, der hinterm Steuer sitzt, sondern ein gewisser Lucas Black. Der hat ein ähnlich bübchenhaftes Gesicht, einen ähnlich trainierten Körper und leider ähnlich wenig Talent. Aber wenn wir ehrlich sind stört das natürlich nicht besonders, denn auch im dritten Teil geht es natürlich um hochgetunte Rennwagen und aufgepimpte Girls, nicht mehr und nicht weniger. Und Bow Wow, der auch mit am Start ist und sich richtig gut macht als Schauspieler, hat es gar nicht nötig, nebenbei die eigene Musik zu promoten.

Junge Leute und Autos, das kann auch daneben gehen, wie gleichzeitig „Wolf Creek“ beweist. Zumindest sollte man nicht unbedarft in die australische Einöde aufbrechen, wo dann prompt der Motor versagt. So passiert es hier drei jungen Touristen, und dass die Sache nicht gut ausgehen wird, lässt schon der zwielichtige Tankwart am Anfang erahnen. Kein Wunder also, dass sich der freundliche Hinterwäldler mit dem Abschleppseil schließlich als ziemlich blutrünstiger Zeitgenosse erweist. Angeblich basiert die sehr brutale und eklige Angelegenheit auf wahren Begebenheiten, was im Horrorgenre ja momentan wieder Mode ist und immer einen fragwürdigen Beigeschmack hat. Aber weil das Ganze, im Gegensatz zu Filmchen wie „Hostel“, auch richtig spannend ist, wollen wir uns mal nicht beschweren.

Einspruch erheben wollen wir allerdings gegen „Rebell in Turnschuhen“. Erster Grund: der wirklich über die Maßen beknackte deutsche Titel. Für einen Film mit diesem Namen möchte man doch wirklich nicht ins Kino gehen, selbst wenn er von Zinedine Zidane handeln würde. Und das tut er noch nicht einmal, sondern es geht um Kunstturnen. Ein ziemlich zickiges, Verzeihung: rebellisches Mädchen wird statt in den Jugendknast ins Turn-Internat geschickt, wo sie nicht nur ein besserer Mensch wird, sondern gleich die gesamte Sportart revolutioniert. Den Trainer spielt Jeff Bridges, was irgendwie eine originelle Besetzungsidee ist, und die Hauptrolle eine gewisse Missy Peregrym. Die spielt so hölzern, als sei sie tatsächlich Turnerin gewesen, und ist vor allem leider viel zu alt für die Rolle.

Bleiben wir kurz noch beim Alter und leiten ganz uncharmant zu „Lemming“ über. Da spielt Charlotte Rampling mit, die dieses Jahr 60 wurde und seit geraumer Zeit auf dem absoluten Höhepunkt ihrer Karriere angekommen ist. Der Film, inszeniert vom Deutsch-Franzosen Dominik Moll, macht jedenfalls mehr richtig als all die anderen dieser Woche. Der Titel ist kurz und präzise, schließlich verstopft ein Nagetier den Küchenabfluss, was nur der erste einer Reihe sonderbarer Vorfälle ist. Spannend geht es auch zu, wobei das Aufeinandertreffen zweier Ehepaare sogar vom Psychokrimi à la Hitchcock ins Grotesk-Surreale nach dem Vorbild von David Lynch kippt. Vor allem aber stimmen die Schauspielerleistungen, wobei man vor allem die einzigartige Rampling gar nicht genug preisen kann. Die bezaubernde Charlotte Gainsbourg gibt ihren Counterpart und bringt nächsten Monat übrigens auch eine CD heraus. Aber das ist ein anderes Thema, das hier ebenso wenig hingehört wie Fußball.