Oh je, worüber soll man in dieser Kinowoche eigentlich noch sprechen? Es dreht sich doch alles nur um „Das Parfum“, und dazu scheint irgendwie alles gesagt. Dem Hype in den Medien konnte man ja zuletzt kaum entgehen.
Was wir also alles schon wissen! Dass der Romanautor Patrick Süskind sein Buch eigentlich nie verfilmt sehen wollte, und Produzent Bernd Eichinger 20 Jahre, viel Geduld und angeblich ziemlich viel Geld brauchte, um sie doch noch zu ergattern. Dass der Film nun mindestens 50 Millionen Euro gekostet hat und natürlich der teuerste deutsche Film aller Zeiten ist. Dass internationale Hollwood-Regisseure wie Ridley Scott gerne „Das Parfum“ verfilmt hätten, Eichinger dann aber doch Tom Tykwer aus Wuppertal für den Richtigen hielt. Dass Eichinger es mal wieder nicht lassen konnte und jeden einzelnen Drehtag am Set war und direkt neben Tykwer saß, so dass jetzt alle immer vorsorglich schreiben: „der Film von Tom Tykwer und Bernd Eichinger“. Und natürlich wissen wir, dass der Film eine so große Nummer ist, dass es alleine in Deutschland zwei (!) prunkvolle Premierenfeiern gab.
Pünktlich zum Filmstart begann dann der große Backlash, eine Spezialität der deutschen Presse, die immer gerne runtermacht, was sie gerade noch hochgejubelt hat. Aber im Gegensatz zum „The Da Vinci Code“, der anderen heiß erwarteten Literaturverfilmung dieses Jahres, ist das Gemeckere dieses Mal eher fehl am Platz. Dafür, dass „Das Parfum“ eigentlich immer als unverfilmbar galt, hat Tykwer – Verzeihung: haben Tykwer und Eichinger die Sache letztlich sehr gut gemacht. Ein bisschen lang ist die Geschichte eines Mörders vielleicht geworden, aber prachtvoll anzusehen und auch überhaupt nicht langweilig. Der Hauptdarsteller, ein junger Brite namens Ben Wishaw, ist übrigens eine echte Entdeckung, und auch die anderen Schauspieler sind allesamt sehenswert, aus dem Ausland Dustin Hoffman und Alan Rickman und aus Deutschland Karoline Herfurth, Corinna Harfouch und Jessica Schwarz. Was darüber hinaus die Sache mit dem Geruch angeht: Tykwer hat schon Recht, wenn er sagt, das Buch habe ja auch nicht gerochen…
Irgendwie scheint es für alle ausgemachte Sache zu sein, dass „Das Parfum“ ein großer Hit wird und die Millionen Leser wie die Lemminge ins Kino rennen werden.

Ein echtes Alternativprogramm wird denn auch diese Woche nicht geboten. Alles andere als verschwiegen werden sollte allerdings „Jeder schweigt von etwas anderem“. Die Regisseure Marc Bauder und Dörte Franke haben einen sehr bewegenden und wichtigen Film über politische Gefangene der DDR gedreht. Ein kurzer, aufschlussreicher Blick auf drei Familien, die die Vergangenheit nicht loslässt, und die doch innerhalb der Generationen an der Kommunikation scheitern, ist dabei herausgekommen, absolut sehenswert.

Von „Die Erde von oben“ kann man das leider nicht behaupten. Auch ein Dokumentarfilm, wobei das Thema hier die mittlerweile legendären Fotos von Yann Arthus-Bertrand sind, der mit seiner Kamera von oben auf unseren Planeten blickt. Doch Regisseur Renaud Delourme begleitet nicht etwa den Fotografen bei der Arbeit oder porträtiert ihn, sondern filmt lediglich unbewegte Bilder ab und lässt dazu mit erhobenem Zeigefinger eine philosophische Geschichte erzählen. Das muss man tatsächlich nicht gesehen haben.

Dann doch lieber „Drum Bun“, eine schweizerisch-ungarische Koproduktion, in der es einen Berliner nach Rumänien verschlägt. Zum Schmunzeln bringt einen dieses skurrile kleine Roadmovie mit reichlich Schnaps und Endziel Transsylvanien, auch wenn der Begriff ‚großes Kino’ hier vielleicht fehl am Platz wäre.
Aber der ist in dieser Woche ohnehin für „Das Parfum“ reserviert. Wie viel sich Eichinger und Co. von der Produktion versprechen zeigt übrigens auch ein Blick über den großen Teich. Der US-Start Ende Dezember ist extra so getimet, dass der Film noch ins Rennen geht für die heiß begehrten Oscars®.

Text: Patrick Heidmann