Das Filmbusiness ist manchmal wirklich ein hartes, böses Geschäft. Da hat „Superman Returns“ alleine in den USA gut 180 Millionen Dollar eingespielt, und trotzdem redet alle Welt von einem Flop. Aber irgendwie sind die Macher auch selbst Schuld. Jahrelang wird verzweifelt nach dem passenden Hauptdarsteller gesucht und man fürchtet zwischenzeitlich schon, Nicolas Cage und seine Plauze würden sich in den hautengen blauen Anzug und das rote Cape zwängen. Dann überlässt schließlich Regie-Wunderkind und Comic-Experte Bryan Singer seine geliebten „X-Men“ dem Kollegen Ratner, um sich ganz dem Mann aus Stahl zu widmen. Und schließlich wird das Ganze auch noch zu einem der teuersten Filme aller Zeiten, mit einem angeblichen Budget (inkl. Werbung) von fast 300 Millionen Dollar. Kein Wunder, dass da die Erwartungen steigen – und zwar nicht nur die finanziellen.

Wie auch immer, “Superman Returns” ist nun doch sehenswert geworden, das muss hier mal gesagt sein. Der unbekannte Hauptdarsteller Brandon Routh ist zwar keine Offenbarung, aber nett anzusehen – wie eine Mischung aus seinem Vorgänger Christopher Reeve und Tom Cruise. An seinem Körper hat die Abteilung der Spezialeffekte genauso gute Arbeit geleistet wie am Rest des Films, und Kevin Spacey als Bösewicht ist herrlich diabolisch-komisch. Zugegeben, die Sache mit dem asthmakranken Knirps sowie die aufdringliche christliche Symbolik hätte man etwas reduzieren können, aber Schwamm drüber. Spaß macht „Superman Returns“ auf jeden Fall.

Ein weiterer heldenhafter Mann auf unseren Leinwänden ist in dieser Woche Neil Young. Auch so ein Kerl, an den die Erwartungen gewohnheitsmäßig hoch sind. Eine Revolution des dokumentarischen Musikfilms sollte man „Neil Young: Heart of Gold“ zwar nicht gleich erwarten, denn schließlich geht es hier vor allem um einen Konzertauftritt in Nashville. Aber als Fan kommt man natürlich absolut auf seine Kosten.

Letzteres gilt übrigens auch für „Zum Glück geküsst“, wobei man ja nicht sicher sein kann, ob Lindsay Lohan überhaupt noch Fans hat. Die nicht enden wollenden Gossip-Meldungen über Drogen und Männer, Magersucht und Brust-Ops haben jedenfalls vergessen lassen, dass es Zeiten gab, in denen Lindsay nicht nur ein billiger Paris Hilton-Abklatsch war, sondern eine ziemlich begabte und witzige Nachwuchsschauspielerin. In Ansätzen kann man das in dieser romantischen Komödie, in der ein magischer Kuss Glück und Pech vertauscht, noch sehen, wobei weder das lahme Drehbuch noch der noch lahmere männliche Gegenpart sehr zum Gelingen beitragen.

Höchst viel versprechend präsentiert sich dagegen das europäische Kino. In „Der Hals der Giraffe“ etwa versprüht mal wieder Sandrine Bonnaire ihren spröden Charme, wobei für das Rührende in diesem familiären Melodram eher ein kleines Mädchen und ein alter Herr zu sorgen haben. Kluges Schauspielkino!

Wesentlich weniger realistisch, aber doch auch irgendwie französisch geht es dagegen in „The Pianotuner of Earthquakes“ zu. Gottfried John spielt einen ebenso durchgeknallten wie verliebten Gehirndoktor, Amrira Casar eine tote Opernsängerin, und verstimmte Klaviere, eine eifersüchtige Haushälterin und jede Menge fantastischer Quatsch kommen auch noch vor. Filme wie diesen sieht man wirklich nicht jede Woche – was vielleicht auch ganz gut so ist…

Nicht ganz so abgehoben, aber trotzdem mehr als vielseitig und absolut auf der Höhe der Zeit präsentiert sich das deutsche Kino. „Emmas Glück“ etwa erzählt die ungewöhnliche, aber doch sehr rührende Liebesgeschichte zwischen Bäuerin Emma und Autoverkäufer Max. Dass der Film trotz penetranter Bauernhof-Idylle, tragischer Krebserkrankung und einem weiteren Nackt-Auftritt von Jürgen Vogel nicht hochgradig albern, sondern im Gegenteil richtig sehenswert geworden ist, ist nicht nur ein Wunder, sondern vor allem ein Verdienst der wunderbaren Hauptdarstellerin Jördis Triebel. Ein Name, den man sich merken sollte.

Auch andere einheimische Produktionen lohnen sich in dieser Woche. „Wer früher stirbt, ist länger tot“ zum Beispiel, eine ebenso katholische wie bayerische Komödie. Klingt jetzt beides erst einmal nicht verlockend, doch Nachwuchsregisseur Marcus H. Rosenmüller bringt genügend Vorliebe für absurden Surrealismus mit, um die Begegnung zweier junger Brüder mit dem Tod zu einer leichfüßigen Komödie zu machen.

Das ist allerdings noch nichts gegen „Die Quereinsteigerinnen“. In Sachen Skurrilität und Durchgeknalltheit kommt an dieser Low Budget-Produktion aktuell niemand vorbei, denn die beiden blendend gelaunten Freundinnen, die die gelben Telefonzellen wieder haben wollen und deswegen ein vermeintliches hohes Tier der Telekom entführen, sind schlicht brüllend komisch.

Noch gewagter ist vielleicht nur „Trip- Remix Your Experience“, ein experimenteller Versuch aus Klang und Bild. Diverse Musiker wagten sich an Jazz-, Rock- und Avantgarde-Kompositionen, die wiederum von vier Filmteams irgendwie optisch umgesetzt wurden und schließlich als Splitscreen oder auch auf mehreren Leinwänden abgespielt werden. Das ist sehr wirr und mitunter halluzinatorisch und zwischen durch auch reichlich banal. Aber so sind echte Trips ja auch häufig. Und Kino sowieso.