Das Überleben des Stärkeren – natürlich gilt dieses alt hergebrachte Gesetz von Herrn Darwin auch an der Kinokasse. Gerade beispielsweise kämpft so manch kleiner Film ums Überleben und hat dabei große Schwierigkeiten, weil unsere Fußball-Jungs und der Teufel in Designerklamotten die Kinogänger unter sich aufteilen, ohne den anderen eine Chance zu lassen. Doch auch auf der Leinwand sind in dieser Woche das Überleben und andere Instinkte sehr dominant.

In „Jede Sekunde zählt – The Guardian“ wird das Überleben sogar zum Beruf, denn hier geht es ums Rettungsschwimmen. Rote Badeanzüge und Silikonbrüste à la „Baywatch“ sucht man allerdings vergeblich, statt dessen hüpft der nicht mehr ganz taufrische Kevin Costner in voller Neopren-Montur in die Fluten. Nach einer traumatischen Erfahrung wechselt er vom Meer in die Akademie, wo mit militärischem Drill der Nachwuchs rangezogen wird. Dort erweist sich Ashton Kutcher als ebenso talentierter wie rebellischer Nachfolger, und natürlich ahnt man früh, dass am Ende dieses viel zu langen Action-Abenteuers eine echte Männerfreundschaft entstanden sein wird. Also springen die beiden gemeinsam ins Wasser und sorgen für das pathetischste Filmende seit „Armageddon“.


Auch in „Dead Or Alive“ steht das Überleben auf der Tagesordnung, das lässt schon der Titel erahnen. Offiziell geht es in dieser Computerspiel-Verfilmung um ein Kampfsportturnier, bei dem sich die besten Kämpfer der Welt auf Leben und Tod duellieren. Der Verdacht liegt allerdings nahe, dass es eigentlich nur um die vier leicht bekleideten Protagonistinnen geht, die ihre Gegner zur Not auch in Unterwäsche fertig machen. Man hätte den Film also auch problemlos „Zickenkrieg in sexy“ nennen können.

Nicht gerade sexy, aber auch sehr kampfeslustig präsentiert sich „Nacho Libre“. Jack Black, einer der lustigsten Männer der Welt, zwängt sich in ein viel zu enges Höschen, einer merkwürdige Maske und einen albernen Umhang, um in Mexiko die Wrestling-Szene aufzumischen – und sich ziemlich lächerlich zu machen. Viel mehr Handlung ist nicht, aber wir haben ja schon über weniger gelacht. Und dass Regisseur Jared Hess zuletzt den Kulthit „Napoleon Dynamite“ inszeniert hat, erhöht die Vorfreude auf diese absurde Albernheit noch beträchtlich.

Auch John Cameron Mitchell hat vor nicht allzu langer Zeit mit „Hedwig and the Angry Inch“ einen Kultfilm inszeniert, den hier allerdings kaum jemand kennt, weil er bei uns nicht einmal auf DVD erschien. Umso sehr sei nun sein „Shortbus“ empfohlen, einer der schönsten Filme des Jahres, in dem es eher um andere Instinkte als das Überleben geht. Eines der Hauptthemen der episodischen Geschichte ist nämlich Sex, und den zeigt Mitchell reichlich explizit. Doch sein Blick auf erigierte Schwänze und nackte Brüste ist nicht pornografisch, sondern einfach wunderbar komisch, höchst melancholisch und ziemlich sexy.

Von zwischenmenschlicher Erotik handelt auch „Sommer ’04“, in dem eine 12jährige für allerlei Verwirrung sagt, als sie mit ihrem Freund und dessen Eltern den Sommerurlaub an der Ostsee verbringt. Ein smarter Amerikaner im Segel-Outfit kommt auch noch ins Spiel, und bald stehen die kleine Lolita und ihre Pseudo-Schwiegermutter in direkter Konkurrenz. Die immer fantastische Martina Gedeck und Newcomerin Svea Lohde spielen das sehr faszinierend, und gegen Ende ist tatsächlich auch noch einmal das Überleben ein Thema.

Eine völlig andere Mädchen-Geschichte schließlich liefert „Zaina, Königin der Pferde“. Die Titelheldin muss hier nach dem Tod der Mutter ihren Vater begleiten, der als Nomade durch die Berge zieht und unterwegs zu einem legendären Pferderennen ist. Eine harmlose Mischung aus 1001 Nacht und Wendy-Heftchen, die in dieser Woche der lebensbedrohlichen und erotisierten Kinowoche aber vielleicht eine willkommene Abwechslung für die ganze Familie ist.

Text: Patrick Heidmann