Dem deutschen Film geht es in diesem Jahr gut wie selten, Filme wie „Das Leben der anderen“ locken Millionen ins Kino und ohne mit der Wimper zu zucken können wir uns sogar finanzielle Enttäuschungen wie den letzten Buck erlauben. Michael „Bully“ Herbig, der mit „Der Schuh des Manitu“ und „(T)Raumschiff Surprise“ sonst immer die letzte Rettung für die deutsche Erfolgsbilanz gewesen ist, hätte sich diesen Sommer also getrost frei nehmen können.
Hat er aber nicht, und so treibt der Mann mit den Anführungszeichen im Namen ab dieser Woche wieder sein Unwesen im Kino – wenn auch nur als computeranimierte Figur. Erspielt niemand geringeren als „Hui Buh, das Schlossgespenst“, basierend auf den legendären Kinderkassetten. Heike Makatsch darf als arrogante Adlige an seiner Seite mal so richtig die Sau rauslassen, „Pumuckl“-Legende Hans Clarin ist in seiner letzten Rolle zu sehen und die Hauptrolle als Schlossherr hat der großartige Christoph Maria Herbst übernommen, dem man gerne noch ein „Stromberg“ in den Namen schieben würde, wenn da nicht schon das Maria stehen würde. Drüber hinweg täuschen, dass Bully als Zeichentrickfigur leider nur nervt, kann in dieser uncharmanten Mischung aus Kindermärchen und Fantasyparodie aber niemand.

Kaum jemand zweifelt allerdings daran, dass Herbig seine Erfolgsserie auch mit diesem Film fortsetzen kann, weswegen ihm nicht viele andere Filmverleiher die Stirn bieten wollen. Aber schauen wir doch mal, was die wenigen mutigen Konkurrenten dem pixeligen Spukgespenst so entgegenzusetzen haben. Claude Chabrol, der französische Altmeister, macht das, was er am besten kann: gepflegte Langeweile verbreiten, in dem er sich – natürlich höchst ansprechend gefilmt – Gedanken macht über Macht, Moral und Korruption unter Wirtschaftsbossen, eben über “Geheime Staatsaffären”. Was man sich allerdings nur anschauen sollte als Fan der fantastischen Isabelle Huppert, die natürlich wieder große Klasse ist.

Ebenfalls aus Frankreich und auch ein wenig spröde ist „Man muss mich nicht lieben“. Einen alten Gerichtsvollzieher mit heimlicher Vorliebe fürs Tangotanzen gegen Bully ins Rennen zu schicken, erweist sich in diesem Fall als ausgesprochen clever, denn dieser Film entpuppt sich als kleines Meisterwerk. Viel gesprochen wird nicht, aber wie der grauhaarige Langweiler zaghaft mit den Tanzstunden – und dem Flirten – beginnt, ohne das kitschige Klischees erfüllt werden, ist einfach hinreißend und großartig gespielt.

Über „Vinzent“ lassen sich solche Aussagen nicht so ohne weiteres treffen. Geschichte und Schauspieler (am bekanntesten ist noch Anna Thalbach) sind in diesem deutschen Film vollkommen zweitrangig, stattdessen geht es ganz viel um Stil, Ästhetik und verschiedene filmische Techniken. Der titelgebende Mann verirrt sich auf der Suche nach seiner Freundin in einem Mietshaus, so dass das ganze zu einer kafkaesken Paranoia-Vision wird, in der er sich schließlich – fast wie Bully – auch noch in eine Comicfigur verwandelt.

Das bodenständigste Rezept, um die Zuschauer von „Hui Buh“ abzuhalten, bietet allerdings „Battle In Heaven“: Sex. Ziemlich explizit und authentisch geht es in diesem mexikanischen Drama zu, doch Voyeure sollten gewarnt sein. Sämtliche Protagonisten sind, das muss man leider so sagen, wenig ansehnlich, sei es wegen unförmiger Bäuche oder ungepflegter Dreadlocks. Karge Bilder und eine ausgesprochen zähe Erzählweise sorgen dafür, dass der Spaßfaktor hier letztlich tatsächlich gen Null geht.

Es sieht also, bei Licht betrachtet, so aus, als würde Michael Herbig in dieser Woche ohne Not und konkurrenzlos mal wieder für eine deutsche Nummer eins in den Kinocharts sorgen. Doch keine Sorge, der Spuk ist bald vorbei. Schon nächste Woche gibt’s Neues von Captain Jack in „Pirates of the Carribean: Fluch der Karibik 2“. Und gegen Johnny Depp sollte das animierte Gespenst dann doch ziemlich machtlos sein.

Patrick Heidmann