Vielleicht muss man einfach aufgeben. Einfach Kino Kino sein lassen und auch anfangen, nur noch über die WM zu sprechen. Es macht ja jeder so, es führt scheinbar kein Weg dran vorbei und alle großen Filme starten ohnehin erst nach der WM. Tatsächlich gibt es in diesem Zusammenhang ja allerlei interessante Dinge zu sagen und zu analysieren. Dass eine deutsche Supermarktkette Tomaten in schwarz-rot-gold verkauft, ist da noch das unwichtigste. Dass allerdings tausende Menschen Geld dafür bezahlen, dicht gedrängt die Spiele auf einer pixeligen Großleinwand zu gucken, nur weil die menschgewordene Erdnuss Johannes B. Kerner darunter sitzt, statt gemütlich zu Hause auf dem Sofa zu lümmeln, ist schon interessant. Und ich wundere mich auch, wie viele von den Frauen, die das ganze Jahr über die Bundesliga schimpfen, plötzlich zu Assimilationsmiezen werden und die Tore frenetischer bejubeln als jeder Mann. Sicher, die Italiener haben heiße Spieler am Start, aber letztlich geht’s doch ums Kerle aufreißen, oder? Und überhaupt die Männer: ich freue mich ja, wie mutig sie plötzlich alle zu den Schminktöpfen und künstlichen Haarteilen greifen, aber dass dann doch wieder nur schwarz-rot-gold bei herauskommt, ist doch wirklich schade.
Aber genug davon, vielleicht sollte ich doch besser beim Film bleiben.
Da gibt es wenigstens nackte Haut zu sehen, denn in „Lady Henderson präsentiert“ fallen alle Hüllen. Nicht bei Judi Dench übrigens, sondern bei deren Tänzerinnen, denn die rüstige Seniorin führt während des Zweiten Weltkriegs in London die Nacktrevue ein, sorgt für Skandale und retten dadurch ihr Theater. Und wir wissen endlich, wer dafür verantwortlich, dass selbst auf deutschen Provinzbühnen kein Regisseur mehr davor zurückschreckt, die nicht gerade ansehnlichen Körper seiner Schauspieler zu entkleiden.
Richtig eklig ist allerdings etwas anderes, dass beweist in dieser Woche „Slither – Voll auf den Schleim gegangen“. Der Titel lässt es erahnen: das Böse kommt in dieser Horrorkomödie höchst schleimig daher. Irgendwelche Würmer aus dem All fallen in einer amerikanischen Kleinstadt ein und nehmen von den Körpern der Bewohner Besitz. Leider ist das weder originell noch hübsch anzusehen und nur weil im Drehbuch ein paar flotte Sprüche stehen wird auch noch lange keine ironische Satire daraus.
Aber wo wir gerade von der feindlichen Übernahme menschlicher Körper sprechen: Tim Allen verwandelt sich in „Shaggy Dog“ in einen Hund. Wer immer schon fand, der Komiker solle besser als Handwerkerkönig beim Fernsehen bleiben und Hunde hätten auf der Leinwand ebenfalls nichts zu suchen, dürfte sich hier voll bestätigt sehen. Und wüsste man nicht, dass der wunderbare Robert Downey jr. mittlerweile clean ist, würde man meinen, er spielt in solchem Quatsch nur mit, um sich die nächste Ladung Stoff leisten zu können!
In „Alibi“ jedenfalls wird er keine Rolle mehr bekommen haben, denn da steht schon halb Hollywood (zumindest die zweite Garde) auf der Besetzungsliste. Witzige Jungs (Steve Coogan) und hübsche Jungs (James Marsden) und alte Jungs (James Brolin) und Henry Rollins tummeln sich in dieser verzwickten Komödie über Alibis, Privatdetektive und Seitensprünge neben allerlei attraktiven Damen wie Rebecca Romijn, Selma Blair und Deborah Unger.
Die spannendsten Kinoerlebnisse haben in dieser Woche allerdings mal wieder gar nichts mit Hollywood zu tun, sondern kommen aus zwei Ländern, die in letzter Zeit reichlich schöne Filme hervorbringen. Aus Kanada gibt es „Die andere Seite des Mondes“, eine bezaubernde Tragikkomödie über zwei Brüder und ihre nostalgischen Erinnerungen an die 50er, als die Weltraumfahrt noch wichtiger war als Weltmeisterschaften.
Und „Hotel“ von der Österreicherin Jessica Hausner dürfte der subtilste und eigenwilligste Gruselfilm aller Zeiten sein. Irene fühlt sich nicht recht wohl in ihrem neuen Job an der Rezeption, aber wirklich viel passieren tut gar nicht – der gesamte Horror liegt in der künstlich-fahlen Beleuchtung und der erdrückenden Stille. Zu Gast bei Freunden ist man in diesem Waldhotel definitiv nicht!