Daniel Craig ist Bond. James Bond. Wer diese Neuerung noch immer nicht mitbekommen hat, dem dürfte diese Nachricht vermutlich auch reichlich egal sein. Alle anderen aber sind schon seit Monaten in Aufregung. Zu soft, zu blond, zu schwach bestückt in der Badehosengegend? Was wurde nicht alles geschrieben, warum Craig nicht die richtige Besetzung als 007 sein solle. Und als dann die Meldungen kamen, er sei während der Dreharbeiten an der Gangschaltung des Aston Martins gescheitert, gab es gar kein Halten mehr.

Vermutlich ist diese wochenlange Empörung Bestandteil einer sehr geschickten Marketingstrategie gewesen. Schließlich ging es darum, den Briten mit der neuerdings sehr breiten Brust zu mehr als nur dem Ex-Freund von Heike Makatsch – sprich: richtig bekannt – zu machen. Außerdem haben niedrige oder sogar negative Erwartungen noch nie geschadet, wenn man am Ende mit einer Paukenschlag überraschen will. Mission gelungen, kann man nun sagen. „Casino Royale“ ist zwar vielleicht kein typischer Bond, weniger elegant und ungleich realistischer als die Vorgänger. Aber gerade dieser neue, raue Umgangston passt ganz gut ins 21. Jahrhundert und Craig macht im Auftrag seiner Majestät eine gute, wenn nicht gar sexy Figur. Davon abgesehen ist das 21. Bond-Abenteuer mit Abstand der unterhaltsamste Actionfilm des Jahres – was ja auch keine schlechte Leistung ist.

Charlotte Roche ist Eden. Das bedeutet übrigens zweierlei: erstens macht sich das Paradies nicht sonderlich gut als Vorname für eine deutsche Provinzkellnerin. Und zweitens – und das ist wohl noch entscheidender – ist die ehemalige Viva-Moderatorin nun auch unter die Schauspieler gegangen, ganz in der Tradition von Makatsch, Schwarz, Tschirner und Co. Ihr Debütfilm „Eden“ ist reichlich unspektakulär, aber sehr nett; sie selbst allerdings ist auch im Kino noch viel zu sehr Charlotte, als das man schon wirklich sagen könnte, ob das Unternehmen Film genauso Grimme-verdächtig sein wird wie ihre Fernseh-Aktionen. Eine nette Abwechslung ist sie aber allemal, und wir sind ja froh um jeden Film, in dem nicht Sarah Kuttner ihren Leinwandeinstand gibt.
»Charlotte im Interview

Outkast sind eine Band. Ob das wirklich so ist, weiß keiner mehr genau, angeblich reden André 3000 und Big Boi ja schon seit Ewigkeiten nicht mehr miteinander. Im Kino, wohin es André ja schon seit längerem zieht, treten die beiden nun aber immerhin gemeinsam auf. „Idlewild“ heißt ihr einigermaßen merkwürdiges 40er Jahre-Musical, das sich durchaus als Erlebnis entpuppt. Charisma haben beide nämlich im Überfluss zu bieten, und die Musik ist ohnehin ein Knaller, wie das gleichnamige Album schon seit einigen Wochen beweist. Als echte Entdeckung – das sei am Rande noch gesagt – entpuppt sich übrigens die wunderschöne Paula Patton, von der es demnächst noch mehr zu sehen geben wird.

Milos Forman ist ein begnadeter Regisseur. Mit zwei Oscars im Wohnzimmerschrank (für „Einer flog übers Kuckucksnest“ und „Amadeus“) muss er das wirklich niemandem mehr beweisen. Sein neuer Film „Goyas Geister“ ist leider trotzdem eine etwas lahme Angelegenheit: um den legendären und titelgebenden spanischen Maler geht es eher am Rande, viel mehr interessiert sich der Wahl-Amerikaner für große Themen wie Macht und Menschlichkeit. Trotz des wunderbaren Hauptdarstellers Javier Bardem ist das eine eher zähe Angelegenheit, woran auch Natalie Portman in einer Doppelrolle und mäßig überzeugendem Alters-Make-up nichts ändern kann.

Franz Brenniger ist ein Arschloch. Aber wie Josef Bierbichler diesen grantigen und sturen bayerischen Bock spielt, ist es eine Freude, ihm dabei zuzusehen. „Winterreise“, also der Film als solcher, ist allerdings der etwas anstrengende Beweis dafür, dass man auch kurz vorm Rentenalter noch sein Coming-of-Age haben kann, wofür der Brenninger-Franz sich allerdings erst einmal zum vollkommenen Horst machen und bis nach Kenia reisen muss.

Der deutsche Kinozuschauer ist ein Gewohnheitstier. Genau aus diesem Grund wird er sich wohl leider in dieser Woche auch nicht „Sonja“, eine lesbisch aufgeladene Geschichte über das Erwachsenwerden anschauen. Vermutlich auch nicht „Last Resort“, einen bereits über fünf Jahre alten Film von „My Summer of Love“-Regisseur Pawlikowski, der es nun doch noch in unsere Kinos geschafft hat. Aber wir wollen mal nicht so sein, und schieben dieses Desinteresse einfach auf James Bond. Denn der zieht ja auch mit blonden Haaren jede Aufmerksamkeit auf sich.


Patrick Heidmann