Manchmal ist Film einfach Jungssache. Vor allem im Sommer hat man oft den Eindruck, Kino sei nur etwas für Kerle zwischen 15 und 35 Jahren, sowohl auf als auch vor der Leinwand: erst Tom Cruise und Wolverine, später Jack Sparrow und Superman. Da ist reichlich Testosteron am Start, und die Burschen dürfen sich so richtig austoben.

Auch in dieser Woche ist das nicht anders, und in „Miami Vice“ tritt die geballte Manpower gleich im Doppelpack aus. Gott sei Dank hat Regisseur Michael Mann als Crockett und Tubbs Colin Farrell und Jamie Foxx verpflichtet und nicht die originalen Darsteller aus der 80er Jahre-Serie. Den abgehalfterten Don Johnson möchte man schließlich wirklich nicht mehr im Kino sehen. Aber ohnehin hat die Kinoversion kaum etwas mit der Vorlage zu tun: weder Plastik-Flamingos noch echte Krokodile tauchen auf und von der legendären Titelmusik fehlt auch jede Spur. Und Farrell trägt weder pinke T-Shirts noch steckt er barfuß in Lederslippern. Stattdessen er zeigt er sich mit Schnurrbart à la Porno und merkwürdig fettigen, halblangen Haaren inklusiver blonder Strähnchen…
Nun gut, warum nicht. Die Action ist trotzdem sehenswert und ziemlich brutal. Nur warum der Film nun „Miami Vice“ heißen musste, wo er doch nur ein ganz normaler Cop-Thriller ist, wird nicht so recht klar. Und die Liebesgeschichte mit einer chinesisch-kubanischen Drogendealerin, in die sich Crockett während eines Undercover-Einsatzes verwickelt, ist auch ein wenig dick aufgetragen. Aber vielleicht hat da ja doch mal jemand an die weiblichen Zuschauer gedacht und wollte ein bisschen mehr bieten als Machos in schnellen Autos und noch schnellern Booten.

Ein wirkliches Männer-Thema bietet auch „Der freie Wille“. Oder gerade nicht? Es geht jedenfalls um einen Vergewaltiger, der seinen Trieb nicht im Griff hat, immer wieder rückfällig wird und sich doch verliebt in ein Mädchen, dass fast genauso viele Probleme mit sich rumträgt wie er selbst. Das ist ganz schön schwere Kost und teilweise kaum zu ertragen, aber genauso muss ein Film über dieses Thema natürlich sein. Gnadenlos und konsequent ist die Geschichte inszeniert und der omnipräsente Jürgen Vogel in der Hauptrolle ist absolut sehenswert.

Dagegen nimmt sich „Die Könige der Nutzholzgewinnung“ natürlich geradezu harmlos aus. Hinter dem skurrilen Titel verbirgt sich übrigens keine spröde Doku über Spanplatten, sondern eine nette kleine Komödie, in der – natürlich – die Jungs den Ton angeben. Ein Holzfällerwettbewerb ist es, der hier ein kleines Dorf im Harz zu neuem Leben erweckt und den Langzeitarbeitslosen neue Lebenslust einhaucht. Ganz so routiniert und makellos wie in vergleichbaren britischen Komödien geht das nicht über die Bühne, ist aber immerhin origineller als das meiste, was zuletzt in Deutschland an Komödien gedreht wurde.

Falls in dieser Woche aber auch jemand ohne Kumpel und Bier in der Hand ins Kino gehen möchte und stattdessen eher den kleinen Bruder und ne Tüte Popcorn an seiner Seite hat, geht auch nicht leer aus. Mit „Monster House“ startet der gefühltermaßen 1000. Animationsfilm des Jahres. Aber es gibt gute Nachrichten: sprechende Tiere mit riesigen Augen kommen dieses Mal nicht vor. Vielmehr geht es um ein spukendes Haus auf der anderen Straßenseite und jede Menge merkwürdiger Erwachsener, die dem 12jährigen DJ das Leben schwer machen. Wer den Film übrigens auf Englisch sieht, hat das Glück, die Stimmen von Steve Buscemi, Maggie Gyllenhaal, Kathleen Turner und Jason Lee zu hören – und vielleicht auch zu erkennen, denn sie standen Pate für die am Computer entstandenen Figuren.

Wem das immer noch zu wenig weiblicher Charme sein sollte, der muss sich noch bis nächste Woche gedulden. Da gibt es dann Frauenpower im Überfluss: in Paris, im Wilden Westen und sogar im Swimming Pool!