Die Filmwelt müsste eigentlich ganz nach dem Geschmack von Eva Herman sein, jener ehemaligen Tagesschausprecherin, die gerade einige merkwürdige Gedanken zum Thema Feminismus zu Papier gebracht hat. Im Filmbusiness jedenfalls, so bekommt man zumindest den Eindruck, sind es tatsächlich vor allem die Männer, die mit dem Karrieremachen beschäftigt sind. Männliche Schauspieler bekommen höhere Gagen als weibliche, und in der gesamten Geschichte der Oscars wurden erst drei Frauen in der Regie-Kategorie nominiert… Das soll und darf hier einfach mal so stehen bleiben als (selbstverständlich unvollständiger) Denkanstoß – und als Überleitung.

Denn auch auf der Leinwand sind es in dieser Woche Männerbünde, die das Geschehen bestimmen. Gleich der erste allerdings, das Septett aus „7 Zwerge – Der Wald ist nicht genug“ ist leider ein unheilige Allianz. Zwei ernsthafte Schauspieler, die grummelig gucken, und eine Handvoll Comedians, die man schon am Freitag Abend im Fernsehen kaum erträgt, kalauern sich durch den Märchenwald und landen schließlich an der Waterkant. Zwischendurch schauen noch weitere wenig amüsante Komiker (nur Ingo Appelt fehlt – leider!) in Gastauftritten vorbei, und würde nicht ab und zu Nina Hagen als hexenhafte Ex-Königin ihren Kopf aus dem Knusperhäuschen stecken, gäbe es hier gar nichts zu lachen. Es sei denn, man amüsiert sich königlich, wenn erwachsene Männer sich gegenseitig Holzbretter über den Schädel hauen.

Humortechnisch viel leisere Töne schlägt unterdessen eine andere Männerfreundschaft an. Daniel Brühl und Jürgen Vogel sind in „Ein Freund von mir“ völlig unterschiedlich und verstehen sich trotzdem bestens. Viel mehr Handlung ist nicht, selbst als plötzlich die wunderbare Sabine Timoteo zwischen ihnen steht, doch das reicht allemal für einen kleinen, feinen Film, der erfreulicherweise viel unaufgeregter ist, als das ganze Brimborium mit sechs Premieren in 12 Stunden vermuten ließ. Wer Vogel noch sehen kann, nach „Emmas Glück“, „Der freie Wille“ und „TKKG“ (in drei Wochen startet auch noch „Wo ist Fred?“), bekommt natürlich wieder die volle Packung: den üblichen Nacktauftritt lässt er sich auch hier nicht nehmen.

Eine andere, auch sehr männliche Beziehung pflegt Anthony Hopkins in „Mit Herz und Hand“, nämlich jene zu seinem Motorrad. Basierend auf einer wahren Geschichte reist er in den 60ern von Neuseeland in die Wüste von in die Salzwüste von Utah, um mit seiner uralten Maschine einen Geschwindigkeitsrekorde zu brechen. Ein Road Movie der vorhersehbaren Art, mit skurrilen Reisebekanntschaften und einem kauzigen Protagonisten, das leider einfach zu lang und damit auch ein bisschen langweilig ist. Ein sehr männlicher Film, in dem selbst die schönsten Frauen eigentlich Männer sind…

Trotzdem gibt es natürlich auch in dieser Woche die eine oder andere Frau auf der Leinwand zu sehen, meist in Form einer heterosexuellen Beziehungsgeschichte. Sehr dramatisch und mit einem Überschwang pompöser Emotionen wird die Liebesproblematik in „Kabhi Alvida Naa Kehna“ abgehandelt, wie man das aus Bollywood mittlerweile auch bei uns kennt. Wer’s mag, wird’s hier besonders lieben, immerhin war der Regisseur schon für „Sometimes Happy, Sometimes Sad“ verantwortlich.

Auch in Italien wird dramatisch von der Liebe erzählt, die sich in „Das Leben, das ich immer wollte“ zwischen einem Schauspielerpaar entspinnt. Weil aber anders als in Indien weder gesungen noch getanzt wird, entwickelt sich die Sache doch eher spröde und wenig aufregend.

In Deutschland herrscht da wenigstens gleich richtige Tristesse. Der wunderbare Ulrich Köhler, auch einer dieser ruhigen, kargen Regisseure der Berliner Schule, lässt seine junge Protagonistin in “Montags kommen die Fenster” einfach aus ihrer Familie ausbrechen und Mann und Tochter zurücklassen. Das ist beeindruckend mit anzusehen, gerade weil nicht besonders viele Worte dabei verloren werden und auch der Einsatz der Kettensäge nicht unbedingt so verläuft wie gedacht.

Ganz anders, nämlich als Plädoyer für die Großfamilie kommt der gleichfalls sehr sehenswerte „No. 2“ daher, eine neuseeländische Wohlfühl-Dramödie. Die nicht mehr ganz junge Matriarchin des Hauses möchte ein großes Fest auf die Beine stellen. Natürlich verlaufen die Vorbereitungen nicht ohne Reibereien, aber am Ende haben sich alle lieb und es darf ausgelassen gefeiert werden. Eigentlich ist das Ende also gar nicht groß anders als bei „7 Zwerge – Der Wald ist nicht genug“. Aber entweder haben die Neuseeländer einfach mehr Spaß – oder es macht eben doch einen Unterschied, dass hier eine Frau die Fäden der Geschichte in der Hand hält.

Text: Patrick Heidmann