Keine Frage, Johnny Depp ist ein verdammt cooler Typ. Vielleicht ist er sogar der coolste von allen, kann schon sein. Über zwei Millionen Zuschauer in nicht einmal fünf Tagen lockt zumindest nicht jeder ins Kino. Und dass er die Sache mit dem schmierigen Augen-Make-up so schadlos übersteht, muss ihm erst einmal nachmachen. Aber natürlich schläft die Konkurrenz nicht: in dieser Woche gehen einige Kerle an den Start, die nur zu gerne Johnny das Leben schwer machen würden.

Pedro Almodóvar ist auf jeden Fall auch eine ganz spezielle Nummer – und ganz große Klasse. Der spanische Regisseur dürfte einer der spannendsten und besten Leute sein, die es überhaupt im Filmgeschäft gibt, und das nun schon seit gut 20 Jahren. Mit „Volver“ widmet er sich endlich mal wieder seinem Lieblingsthema, den Frauen, und hat aus daraus sogar eine Komödie gemacht. Bei Almodóvar heißt das allerdings nicht, dass es nicht auch um Missbrauch, Geister und den Tod gehen kann und überhaupt viel tragischer und rührender als jedes Melodram ist. Besonders erstaunlich an diesem meisterlichen und durch und durch wunderbaren Film ist allerdings, dass selbst Penélope Cruz – die einem bei ihren Hollywoodausflügen ja regelmäßig schwer auf die Nerven geht – einfach großartig ist.

Ebenfalls nicht von schlechten Eltern und ein Fall für sich ist Dave Chappelle. Der Mann ist so ziemlich der witzigste Komiker der USA – und auch reichlich exzentrisch, weswegen er letztes Jahr kurzerhand seinen 50 Millionen Dollar-Vertrag brach und mitten während der Arbeit an der dritten Staffel der „Chapelle’s Show“ vom Erdboden verschwand. „Dave Chappelle’s Block Party“, die sehenswerte Comedy-Konzert-Doku von Regie-Genie Michel Gondry, war zu dem Zeitpunkt glücklicherweise schon abgedreht. Der überraschende Wiedervereinigungsauftritt der Fugees ist der Höhepunkt des verregneten Abends in der Bronx, davor geben sich Kanye West, Erykha Badu, Talib Kwali, Jill Scott und Mos Def die Ehre, aber im Mittelpunkt der Show steht immer Chapelle, der mittlerweile, Gott sei Dank, auch wieder aus der Versenkung aufgetaucht ist.
Manch cooler Typ hat allerdings schon längst das Zeitliche gesegnet.

Bei Berthold Brecht ist das ziemlich genau 50 Jahre her, und weil Jubiläen natürlich gefeiert werden müssen, wird jetzt wieder reichlich mediengerechter Schabernack getrieben. Ganz schlimm und an vorderster Front mischen dabei Klaus Maria Brandauer und Campino mit ihrer „Dreigroschenoper“ mit, aber auch im Kino wird dem legendären Schriftsteller gedacht. „Berthold Brecht – Bild und Modell“ ist zum Glück kein Biopic, in dem Veronica Ferres eine Rolle übernommen hätte, sondern natürlich eine Doku – und somit sehenswert für mindestens Deutsch-Leistungskursler und Germanisten.

Auch Stanley Kubrick lebt bekanntlich nicht mehr, doch wer sich davon überzeugen will, dass seine Filme besser altern als Brechts Stücke, bekommt diese Woche neue Gelegenheit dazu: „Dr. Seltsam oder Wie ich lernte, die Bombe zu lieben“ , die legendäre Satire mit Peter Sellers, kommt noch einmal ins Kino.

Und wer das Politische lieber etwas aktueller und weniger fiktiv auf der Leinwand sehen will, sei an „The Giant Buddhas“ verwiesen, in dem noch einmal der riesigen afghanischen Buddha-Statuen gedacht wird, die 2001 von den Taliban zerstört wurden.

Viel Zerstörung, wenn auch der ganz anderen Art, liefert das thailändische Martial Arts-Spektakel „Born to Fight“. Früher kamen solche Billig-Actioner eigentlich nur ins Kino, wenn Jean-Claude van Damme die Hauptrolle spielte, doch es gibt scheinbar immer noch Leute, die denken, mit asiatischem Kampfsport würde sich auch jenseits von Jackie Chan und „Tiger & Dragon“ Geld verdienen lassen. Eine irrige Annahme, will ich meinen, genau wie der Irrglaube, prominente Synchronsprecher würden jeden Animationsfilm zum großen Hit machen. Denn auch die Stimmen von Pappnasen wie Oliver Pocher oder Wigald Boning bringen mich nicht dazu, „Urmel aus dem Eis“ zu sehen.

Dann doch lieber „Phat Girlz“, denn da gibt es fast so viel geballte Frauenpower wie bei Almodóvar, auch wenn hierzulande kein Mensch die amerikanische Fernsehkomikerin Mo’Nique kennt. Oder einfach noch ein paar Tage warten, denn schon am Sonntag startet bereits der nächste neue Film in den Kinos: „Garfield 2“. Auch irgendwie ein cooler Typ, selbst wenn (oder gerade weil?) er von Oliver Kalkofe gesprochen wird.