Das Verhältnis von Film und echtem Leben ist ja immer ein schwieriges: manch einer möchte im Kino möglichst viel über die Wirklichkeit erfahren, andere wieder wollen dort gerade so weit wie möglich vor ihr fliehen. Wenn ein Film beides auf einmal liefern kann, ist das also ein seltener Glücksfall. So wie „Thank You For Smoking“.

Einerseits ist „Thank You For Smoking“ eine bitterböse und natürlich amüsant überzeichnete Satire, andererseits aber könnte der Film eben aktueller nicht sein, wo doch bei uns zulande mal wieder heftig über die Tabakindustrie und ihre Werbemillionen sowie ein Rauchverbot in allen öffentlichen Gebäuden und Gaststätten diskutiert wird. Die Geschichte vom Lobbyisten Nick, der in Talkshows gegen krebskranke Kinder anquatschen muss, den Marlboro-Mann besticht und auch noch halb Hollywood zum Rauchen überreden will, ist auf jeden Fall ein großer, frecher Spaß für Raucher und Nichtraucher gleichermaßen. Und für alle, die noch einmal daran erinnert werden wollen, dass Katie Holmes mal eine viel versprechende Karriere als Schauspielerin hatte, bevor sie beschloss, sich als Mutter eines Cruise-Kindes zur Verfügung zu stellen.

Viel mehr Bezüge zum echten Leben lassen sich auf der Leinwand in dieser Woche allerdings kaum herstellen. Oder wohnt in eurem Swimming Pool eine Nixe? Genau darum geht es nämlich in „Das Mädchen aus dem Wasser“ von M. Night Shyamalan. Vor einigen Jahren hat der mit „The Sixth Sense“ mal einen richtig tollen Film gedreht, doch das scheint lange her zu sein. Spätestens mit „Signs“ und „The Village“ driftete der Regisseur in eine merkwürdig reaktionär-esoterische Richtung ab, in der er auch dieses Mal stecken bleibt. Denn auch wenn der Trailer so tut, als würde es sich hier um einen Mystery-Thriller handeln, liefert Shyamalan letztlich vor allem ein gutmenschelndes Märchen ab, inklusive einer Extra-Portion Pathos.

Schmalz und Kitsch gibt’s in „Adams Äpfel“ nicht zu erwarten. Im Gegenteil, die Geschichte von dem weltfremden Pfarrer, dem brutalen Nazi und den restlichen Teilnehmern eines Rehabilitationsprogramms ist dermaßen böse und skurril, dass man sich ernsthaft fragen muss, ob das Dänemark das neue England ist, was schrägen schwarzen Humor angeht.  Sehr amüsant, auch wenn Regisseur Anders Thomas Jensen gegen Ende das Niveau nicht ganz halten kann und sich ein paar Mal im Ton vergreift.

Das mit dem Tonfall ist auch für Penélope Cruz und Salma Hayek in „Bandidas“ ein bisschen schwierig, zumindest zicken sich die beiden vor der Kamera ordentlich an, während sie einige Banken überfallen und den Armen Gutes tun. Und weil ihre Geschichte im Wilden Westen spielt, dürfen sie dazu schicke Stiefel und Hüte tragen, was sicherlich ein guter Grund ist, eine Eintrittskarte für die Komödie zu lösen. Ansonsten gibt es dazu allerdings wenig Anlass, denn mehr als Klamauk hat der Film, den zwei Norweger nach dem Drehbuch eines Franzosen mit zwei Spanisch sprechenden Stars auf Englisch drehten, nicht zu bieten.

Doch französische Autoren können auch ganz anders, wie zum Beispiel „Ein perfekter Platz“ beweist. Zwar ist auch diese episodische Ensemble-Komödie alles andere als realistisch (eine Kellnerin vom Land lebt sich innerhalb eines Tages in der reichsten Ecke von Paris ein?). Aber die amüsanten Geschichten rund um ein kleines Bistro und den französischen Kulturbetrieb warten mit Charme im Überfluss und einigen bezaubernden Bildern vom Eiffelturm auf. Und wunderbare Schauspieler gibt’s auch, etwa die sexy Zahnlücke Cécile de France, die brüllend komische Valerie Lemercier und den Papa aus „La Boum“. Außerdem gibt’s ein paar freche Seitenhiebe auf Monica Bellucci und ihren neuen Film „Wie sehr liebst du mich?“, der nun passender Weise am selben Tag ins Kino kommt. Dessen Regisseur Bertrand Blier ist angeblich ein Provokateur und tatsächlich scheint er auch sehr bemüht, die Geschichte über eine Edelnutte und ihren schwächlichen Freier als skurrile Groteske zu inszenieren. Doch man kann noch so lange zusehen: das ist alles nicht witzig, sondern höchstens sexistisch. Und die Bellucci hat sichtlich Mühe, sich nicht von ihren üppigen Brüsten an die Wand spielen zu lassen.

Ebenfalls alles andere als komisch ist „Little Man“. Die Wayans-Brüder, die sich schon mit „White Chicks“ als Meister des Plumpen bewiesen, erzählen von einem kriminellen Kleinwüchsigen, der sich als Baby ausgibt, um sich bei einem Ehepaar einzuschmuggeln und an einen Diamanten zu kommen. Da ist natürlich großes Hallo angesagt, wenn die Adoptivmutter ihre Brust rausholt, um den kleinen lüsternen Mann zu stillen. Und dass er sich genau auf der richtigen Höhe befindet, um seinen Konkurrenten in die Eier zu hauen, kommt ebenfalls wie gerufen. Adam Sandler-Komödien sind Kino-Perlen gegen dieses Meisterwerk des schlechten Geschmacks!

Vielleicht investiert man das Eintrittsgeld also doch lieber in das echte Leben. Mit „Between the Lines“ startet jedenfalls auch eine Dokumentation – und die ist richtig sehenswert. Die Fotografin Anita Khemka und ein Filmteam widmen sich dem dritten Geschlecht Indiens: Frauen in Männerkörpern, die von der Gesellschaft verstoßen werden, von Prostitution leben müssen und doch ihre Würde nicht verlieren. Auf platte Gags kann dieser Film Gott sei Dank problemlos verzichten!