Es ist eine Woche der Rückkehr: zwar lässt der Winter noch immer auf sich warten, aber die Weihnachtsmärkte und Fressstände mit unappetitlich aussehenden Pilzpfannen sind wieder da und, wenn alles gut läuft, auch die Kunden in den Geschäften. Schlagt zu, liebe Leute, heißt es überall, denn was nächstes Jahr sicher nicht zurückkehren wird, ist die günstige Mehrwertssteuer. Aber egal, was interessieren uns glühweintrunkene Shopper im Kaufrausch – wir sitzen doch lieber im Kino.

Auch dort allerdings erblickt man Comebacks und Rückkehrer noch und nöcher. Jack is back! Gemeint ist Herr Nicholson, der Mann mit dem fiesesten Grinsen und der spitzesten Augenbraue der Filmgeschichte, der sich nur noch alle paar Jahre vor eine Kamera bequemt. In Scorseses großartigem Gangsterthriller „Departed“ darf sich die Schauspiellegende nun voll austoben, mit Dildo in der einen und Knarre in der anderen Hand. Matt Damon, Leo DiCaprio und alle anderen bemühen sich sehr sehenswert, da mitzuhalten, doch gegen Nicholson hat natürlich niemand eine Chance.

Gleichzeitig, aber eben doch in einer ganz anderen Liga, dürfen wir diese Woche das Comeback des Ralf Bauer erleben. Sehen können wir ihn dabei aber (leider?) nicht, denn der früher als hoffnungsvollster Sonnyboy des deutschen Kinos gehandelte Bauer ist nur als Synchronsprecher aktiv, für den netten Animationsfilm „Flutsch und weg“. Im Original wird die Geschichte von Hausmaus Roddy, die aus Versehen in der von fiesen Kröten dominierten Kanalisation landet, von Hugh Jackman und Kate Winslet gesprochen, bei uns hat Bauer wenigstens Jessica Schwarz an seiner Seite. Und wir sie übrigens im Interview!

Eine nicht zu verachtende Rückkehr ist natürlich auch die von Jesus persönlich, der sich seit „Die Passion Christi“ im Kino eher rar gemacht hatte. Jetzt ist er, bzw. vor allem seine Mama Maria, wieder da, denn die bisher sehr spannende Regisseurin Catherine Hardwicke („Thirteen“, „Dogtown Boys“) erzählt in „Es begab sich aber zu der Zeit…“ noch einmal, wie das damals war mit der unbefleckten Empfängnis und der Weihnachtsgeschichte. Manche sagen ja, es sei die größte Geschichte, die je erzählt wurde. Anderen behaupten, es sei die langweiligste. Eines jedenfalls ist sicher: wer am 24. Geschenke bekommen möchte, sollte wissen, wie sie ausgeht. Vor allem, wenn sie vom Christkind kommen.

Ebenfalls rührend, allerdings weniger religiös ist der tragikomische Film „Niceland“. Der isländische Regisseur Fridrik Thor Fridriksson erzählt von einem geistig Behinderten, der den Sinn des Lebens sucht, um seine Freundin zu retten. Anders als Forrest Gump rennt er dabei nicht im Schweinsgalopp durch die amerikanische Geschichte, sondern nur vom Schrottplatz zum düsteren Wohnzimmer und zurück, aber sympathisch und liebenswert ist die Angelegenheit trotzdem.

Den schmalen, raffinierten Grad zwischen Komödie und Drama beherrscht auch „The Saddest Music in the World“ meisterlich, wobei der kanadische Film dazu noch sehr raffiniert mit Kitsch-, Musical- und Kunstelementen arbeitet. Gedreht wurde das Ganze in Schwarzweiß, jenem Farbschema, das in diesem Kinowinter gerade ein weiteres Comeback zu feiern scheint (demnächst mehr dazu in Soderberghs „The Good German“). Und auch das Wiedersehen mit Isabella Rossellini ist definitiv Anlass zur Freude.

Alles andere als erfreulich ist dagegen „Der Lebensversicherer“. Deutsches Kino at its worst, möchte man fast sagen. Verkopft, anstrengend und vor allem unendlich langweilig sieht man einem Versicherungsvertreter dabei zu, wie über die Autobahnen fährt, in ollen Raststätten seine Policen loswerden will und zwischendurch der Ex-Frau auf den Anrufbeantworter jammert. Hauptdarsteller Jens Harzer ist wirklich klasse, aber das Humorverständnis des Regisseurs erschließt sich leider nie.

Dann doch lieber richtig anspruchsvolle Dokumentarfilme: „Tailor Made Dreams“ etwa, über einen indischen Schneider und seine Vorliebe für Bollywoodfilme. Oder „Das kurze Leben des José Antonio Gutierrez“, ein wirklich toller Film über den ersten Soldaten, der für die USA im Irakkrieg fiel. Der Guatemalteke wurde von der Einwanderungsbehörde in die Armee gesteckt, um sich so eine Green Card zu verdienen und starb schon wenige Stunden nach Kriegsausbruch. Eine Dokumentation, die wütend und traurig macht, und einem die Lust auf gebrannte Mandeln und Pilzpfannen noch mehr austreibt als ohnehin schon.

Patrick Heidmann