Nicht jeder kennt den Loveparade-Film „be.angeled“, deswegen muss ich das, was ich meine, hier kurz erklären. In diesem Film gibt es eine Szene, in der der leider schon verstorbene Frankfurter DJ Mark Spoon durch die Katakomben am Berliner Tiergarten Richtung Bühne schlingert und er sieht dabei aus wie ein Dämon. Mark Spoon löst in diesem Hybrid aus Spiel- und Dokumentarfilm den noch sehr jungen Lexy vom DJ-Duo Lexy & K-Paul am Pult ab. So, und jetzt das, was ich meine und wie das beim #smirnoffsoundcollective (SSC) ganz anders ist: Mark Spoon kommt auf die Bühne, schlägt Lexy mit seiner Fleischpranke in den Nacken, gibt ihm dann trotzdem Küsschen links und rechts, hasst ihn vielleicht aber doch und zerbricht dann sogar noch wie Jesus, der das Brot teilt, die aktuelle Single von Lexy, die der auf dem Plattenteller vergessen hat. Lexy schaut ein wenig bedröppelt, war doch gerade noch alles so gut! Vom großen Mark Spoon abgelöst worden! Und dann die große Brutalität mit der der alte Hase den Newcomer ablöst. Das wollte ich nur sagen, das meine ich. Wo aber liegen jetzt die Unterschiede zwischen der Loveparade und dem SSC?

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Überlegen wir also und vergleichen dafür am besten MARK SPOON und LEXY mit MICHAEL MAYER und den DJs von WEVAL, die schon am Donnerstag zum Eintakten im Rahmen des SSC aufs Dockville Festival kamen.  Aber kurz vorher noch etwas anderes: Ich weiß nicht, und ich will auch nicht gemein sein, deswegen sage ich es vorab: Ich habe weder Ahnung von Techno noch von Wodka. Aber ich finde schon, dass sich Smirnoff mit der elektronischen Musik identifizieren darf. Marken dürfen sich mit Kunst identifizieren und jeder, der etwas anderes behauptet, was soll das für ein Mensch sein? Also passiert bei Smirnoff momentan das Folgende: Smirnoff löst sich ein wenig von Smirnoff an sich und beginnt sich mit Techno zu paaren. Es funktioniert, wir haben es sehen können beim #smirnoffsoundcollective. Lucky Strike und Rock ´n Roll gingen auch gemeinsame Wege. Es geht dabei auch wirklich, also bei Smirnoff und Techno, um etwas Humanes, um eine Zusammenführung quasi.

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Michael Mayer, als alter Hase der Kölner DJ-Szene und vor allem bekannt durch das Label KOMPAKT, ist Hauptact dieses Mini-Technoabends. Und das ist auch das Schöne, dass das alles nicht so lange geht und irgendwie einen gemütlichen Charakter trägt. Man steht eigentlich, BoilerRoommäßig, Michael Mayer direkt vorm Gesicht. Er legt aus einem kleinen WohnwagenTrailer auf und schaut immer mal wieder, freut sich, nickt, alle sind  gut drauf und er brauch nicht, wie Sven Väth, zu sagen: „Hey, ihr da unten, Schlägerei… Gude Laune!“ Vor Michael Mayer legten Weval auf, zwei junge Herren aus Amsterdam. Die Jungen waren frisch! Wenn man sich mit ihnen vertraut gemacht hat und weiß, dass sie sich in der Filmbranche kennenlernten, konnte man das in der Musik sicherlich erkennen. Das war Technosoundtrack und eine brutale Mischung aus Trip-Hop und House.

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Es ist ja nicht immer leicht, im Wust und Gesprenkel der elektronischen Stile etwas Neues auszumachen. Bitte, aber da ist es schon. Weval waren die ganze Zeit über hochkonzentriert und professionell und hätten sich deshalb am Ende gar nicht so schüchtern vom Publikum verabschieden zu brauchen. Hinter der Bühne war dann wieder Shake-Hands mit Michael Mayer, auf dessen Kompakt-Label sie demnächst eine neue EP herausbringen werden.  Schaut man sich während der Party um, kann es auch passieren, dass die Musik zur Nebensache wird. In einem magischen Viereck stehen sich weitere Wohnwagen gegenüber, insgesamt an der Stücker sechs. Man kann Fotos in ElektroNeonKabinen mit Lichtschwertern machen, außerdem gibt es überall kleine Bars. Alles schön schummrig und neblig und insgesamt wie in einem amerikanischen TrailerPark. Die Party als Party vor der Party ist also ziemlich gut. Selbst die geringsten Pausen zwischen den DJ-Sets werden von den Fans mit den Worten „Wo ist die schöne Mucken?“ hinterfragt. Aber die schöne Mucken geht immer gleich weiter, keiner wird enttäuscht. Überhaupt – und das ist das Schöne und Sinn und Zweck der Sache – haben sich beim #smirnoffsoundcollective DJs zusammen getan, die sich respektieren und mögen, die sich vielleicht im Stil nicht ganz ähneln, die aber die sowieso schon zerfaserten Elektro-Welten zusammenführen. Und ist es das nicht? Die Idee hinter dem SSC liegt also in der Zusammenführung und in ihrer Funktion ist das Ganze sogar liebevoller als das leider tote Fest der Liebe.

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