Dass die wiedererstarkten Poeten aus deutschen Garagen im Stande sind, Großes zu bewegen, haben wir ja bereits vor Jahren durch teils zeitloses Mundwerk Marke Tocotronic, Tomte oder Kettcar begriffen. Trotzdem scheint die blühende Indie-Republik gespalten – der Süden steht für weniger ernste Albernheiten, der Norden badet in melancholischen Wohlfühl-Hymnen. Die bayerischen Cosmic Casino wollen dem regionalen Irrsinn nun mit zweitem Langspieler und dem perfekten Konzert den Hahn abdrehen. “Die erste Platte war wesentlich spontaner, diese sagt doch mehr über uns aus! Durch den Label-Druck mussten wir es zwar ganz einfach nehmen, wie es war, dafür ist es in meinen Augen aber auch persönlicher und ehrlicher geworden”, erkennt Markus Schäfer, Basser und Chef-Texter der Combo. Nachdem
beim Debüt-Album ‘Be Kind And Be Cause’ noch der Song im Vordergrund stand, ist ‘Ballads For Bastards’ eher im Ganzen zu betrachten. Lauthalse Ausbrüche im Zusammenspiel mit eher versöhnlich zart gezupften Gitarren gibt’s in der ersten Auskopplung ‘The Rematch’. Rich Goerligs punknahe Parolen (“Quit it/ Forget it/ Drop it/ Leave it/ I want the girl with the cigarette!”) haben hier eine ähnlich peitschend durchgreifende Funktion, wie im großartigen ‘The Working Girl’. Deutlich gezähmt und mit Schwermut-trunkenen Zügen eines Tom Waits’ wird im abschließenden ‘This Is Munich’ ein wenig gen bayerischem Ursprung geschmachtet. Die große Freundschaft mit der modischen Spaßfraktion Sportfreunde Stiller
ist nun kein Geheimnis. Die Interaktion bei den Bolzplatz Heroes auch nicht. Aber vielleicht der Wunsch, den Abstand zu gereiften Kollegen der Hamburger Schule möglichst groß zu gestalten? “Du kommst aus Hamburg, du bist so, du kommst aus München, du bist so – dieses regionale Geschwafel geht mir ehrlich ziemlich am Arsch vorbei! In der Musik geht’s schließlich ums Miteinander, und nicht um Abgrenzung.” Gut, dann können wir ja mal ganz überregional vergleichen. Da sind zum Beispiel die scheinbar nimmer müde werdenden Beatsteaks aus Berlin. Was zum Idealisieren? Das gefällt Schäfer schon besser. “Stimmt, da kann man durchaus Parallelen ziehen. Was uns verbindet, ist vor allem das Streben nach dem perfekten Konzert! Und schließlich hatten sie ja auch so ihre Probleme in Deutschland. Es ist wirklich saunervig, wenn
du nicht richtig ernst genommen wirst, nur, weil deine Songs auf Englisch sind. Auf Tour im Ausland ist es da schon wesentlich besser!”
Mit einem Auge
Richtung der persönlichen ‘Smacksmash’ schielend, spekulieren die Herren Cosmic Casino dieser Tage zu Recht auf den Aufstieg in höhere Ligen. Weit
haben sie’s nicht mehr!

Text: Erik Brandt-Höge