Was haben wir gelacht, als vor zwei Jahren allüberall den Blood Brothers der große Durchbruch prophezeit wurde – ausgerechnet den Blood Brothers, die mit ihrer chaotischen, destruktiven und extrem lauten Art Musik zu machen, soweit vom breiten Massengeschmack entfernt sind wie eben nur möglich. Diese Jungs sollten nun mit ihrem von Ross Robinson produzierten Major-Debüt ‘Burn Piano Island Burn!’ die Charts stürmen? Klappte natürlich nicht – dafür ist ihre Musik viel zu eigen, viel zu innovativ, viel zu ungewöhnlich. Und viel zu gut.

Auch die Band selber muss heute lachen, wenn sie an 2002 zurückdenkt: “Auf einmal wurden wir von ganz vielen Pseudo-Fachleuten als das nächste große Ding bezeichnet – wir fanden das damals schon lächerlich, denn so etwas war nie unser Ziel, und ich glaube auch nicht, dass wir eine Tages große Hallen füllen werden, selbst wenn harte Musik derzeit einen Zuspruch erlebt wie selten zuvor”, erklärt Gitarrist Cody Votolato.

Schuld an dem kollektiven Hype war wohl vor allem die Tatsache, dass Ross Robinson bei der Produktion an den Reglern stand – der hatte damals die Nase voll von düster dreinblickenden Nu-Metal-Kapellen und wollte wieder mit einer unverbrauchten und aufregenden Band arbeiten. Da boten sich die Blood Brothers an – schließlich waren und sind sie ein Paradebeispiel für eine Band, die Konventionen sprengte, stilistisch nicht festzulegen war und einfach wild und kongenial aus purer Zerstörung und Raserei eine ganze Sammlung an wilden Songeskapaden entstehen ließ.

Was die Band nicht ahnen konnte war allerdings, dass diese Zusammenarbeit für sie selbst deutlich negative Folgen nach sich ziehen sollte. “Jeder redete über Robinson und dachte, dass er mit uns etwas ganz heißes entdeckt hat. Dabei war er ja nur der Produzent – und der Produzent schreibt nicht die Songs. Trotzdem fragten alle nur nach ihm, und das nervte gehörig.”

Mit John Goodmanson verpflichtete man daher diesmal einen deutlich unbekannteren Produzenten, nahm witzigerweise mit diesem aber das bisher zugänglichste Werk der Bandgeschichte auf – ‘Crimes’ ist immer noch über weite Strecken musikalischer Wahnsinn und aggressiver Nihilismus, wartet gleichzeitig aber auch mit Melodien, Midtempo-Passagen, mitsingbaren Refrain-Zeilen und atmosphärisch-ruhigen Zwischenstücken auf. Vor allem hat das Ganze plötzlich immens viel Groove und ist nun gar nicht mehr so weit von Dance-Trashrockern wie den Liars entfernt.

Natürlich werden die Blutsbrüder live dennoch wieder alle Konzertsäle weltweit in Schutt und Asche legen – dafür sorgen schon die beiden Frontschreihälse Jordan und Johnny mit ihren Micky-Maus-Stimmen, die wüsten Drum-Gewitter und die kakophonen Gitarrenstürme. Und trotzdem könnte es durchaus passieren, dass bald auch die ersten Songs von ‘Crimes’ die Indie-Tanzflächen stürmen – und wer weiß, vielleicht klappt es mit dem großen Durchbruch dann ja wirklich.

Text: Tito Wiesner