Vom balladesken, fast schon an die Bangles gemahnenden Titeltrack des neuen Albums ‘Gold Medal’ bis hin zu den liebevoll ausstaffierten und arrangierten Sounds der anderen Gewinner-Tracks fällt einem bei dieser Scheibe nur eines ein: Süßer die Donnas nie klangen.

So haben sich die Mädels aus Palo Alto, Kalifornien, im Zuge des unaufhaltsamen Reifeprozesses vom Pennäler-Party-Rock, der noch den Vorgänger ‘Spend The Night’ so unwiderstehlich machte, ein gehöriges Stück entfernt und ein fast schon erwachsenes Rock-Album geboren, das mehr den Runaways, Stones und Cheap Trick huldigt als den einstiegen Ziehvätern aus dem Testosteron-Rock-Sektor. Was jetzt aber nicht heißen soll, dass die Donnas bei ihrem sechsten Streich komplett handzahm geworden sind. Reflektierter ist da vielleicht eher das richtige Wort.

Insofern ist es – evolutionär gesehen – nur logisch, dass man nicht versucht hat Erfolg, Sound und Songstruktur des vorherigen Outputs mit einer exakten Reproduktion zu wiederholen. “Mit dem letzten Album haben wir ja schon bewiesen, dass wir genauso rocken können wie Jungs, und wir auch mehr von Cock-Rock verstehen als Kerle mit eben diesem Geschlechtsteil. Wir waren also frei für andere Dinge”, erklärt Sängerin Donna A., bürgerlich Brett Anderson, den dezenten Einschlag in eine neue Richtung. Mal abgesehen von musikalischen Dingen macht sich die charmante Frontfrau auch um andere Belange ihren hübschen Kopf. Nehmen wir zum Beispiel die politische Situation in ihrem Heimatland und -staat. “Es ist peinlich genug, dass unser Präsident George W. Bush ist. Aber wir sind doppelt gearscht – unser Gouverneur ist Arnold Schwarzenegger!”, beklagt Bret das leidige Schicksal aller Kalifornier und bringt mit weiblicher Weitsicht auch noch gleich auf den Punkt, was im aktuellen republikanischen Regierungsweltbild so verrückt ist: “Ich glaube, dass Religion in der Politik nix zu suchen hat. Wenn man nur eine Sicht auf die Dinge gelten lässt, ist das doch ein Handicap, gerade wenn man es mit Leuten zu tun hat, die genauso unerbittlich von ihrer Sache überzeugt sind. Es würde helfen, wenn jemand verschieden Blickwinkel probiert, anstatt sich ständig gegenseitig zu erzählen, dass der andere Unrecht hat – das ist doch bescheuert.” Wahre Worte. ‘Gold Medal’ präsentiert die Donnas nun auch verstärkt von ihrer weiblichen Seite, und die ist nun mal meist besonnener und emotional ausgewogener als maskuline Starr- und Hitzköpfigkeit. Solche Frauen, genau wie solche Platten, braucht jedes Land.

Text: Frank Thießies